12.04.2014 - 09:50

Schlüsselblume Die vom Himmel fiel

Der Legende nach rutschte dem heiligen Petrus eines Tages der Schlüssel des Himmels aus der Hand und fiel auf die Erde. Damit der Schatz nicht in falsche Hände kam, wuchsen sogleich ganz viele Schlüsselblumen auf der Wiese. Nur der heilige Petrus war imstande, den einen, den richtigen von all den anderen hübschen Himmelschlüssel-Blumen zu unterscheiden.

Primula veris, die Echte Schlüsselblume, blüht von April bis in den Juni hinein. Ihre gelben Stieltellerblüten verbreiten einen zarten Duft. Die kalkliebende Art kommt in ganz Europa und Vorderasien vor. Wir finden sie auf trockenen und wechselfeuchten Wiesen und in lichten Wäldern bis zu einer Höhe von 1700 m. Pflücken darf man sie aber nirgendwo, denn ihr Vorkommen ist stark gefährdet. Zum Beispiel durch die Landwirtschaft, die den Lebensraum der Schlüsselblume verkleinert. Aber: Sie ist und bleibt eine wichtige Heilpflanze und ihr Bedarf wird heute ausnahmslos aus Wildsammlungen gedeckt. Ein einziger großer deutscher Händler importiert jährlich 10.000 Kilogramm Schlüsselblumen. Das entspricht etwa 30 Millionen Blüten. Die unkontrollierte Nutzung der Bestände ist eine wachsende Gefahr. Dabei hat die Pflanze selbst über Jahrhunderte den Menschen geholfen, gesund und am Leben zu bleiben.

Trank der Begeisterung

Im Volksglauben galt die Echte Schlüsselblume als Schutz- und Fruchtbarkeitsmittel. In der nordischen Mythologie zählte sie zu den Pflanzen, die von Elfen und Nixen geliebt und beschützt werden. Schon bei den Kelten wird sie im Zusammenhang mit dem „Trank der Begeisterung“ schriftlich erwähnt. Das alkoholische Gebräu trank man bei der Einweihung eines Druiden. Mit der entsprechenden „Fahne“ hauchte man dem Neuling dann die Begeisterung für seine Berufung ein. Wurzeln und Blätter wirkten vor allem entspannend und angstlösend. Das Nervensystem wird gestärkt, Anspannung gemildert und der Schlaf gefördert. Daher hat sie die Volksmedizin auch gegen "Schwarzseherei" und die Hitze in den Wechseljahren eingesetzt. Auch das Gedächtnis soll verbessert werden und die Geistesleistung gestärkt. Selbst Migräne soll gelindert werden. Meist wird die Schlüsselblume als Tee zubereitet. Und aus ihren Wurzeln wurde früher Niespulver hergestellt. Bei Husten wirkt die Schlüsselblume vor allem gut, wenn der Schleim festsitzt, wie zum Beispiel bei Altershusten, wenn das schwächer werdende Herz dazu führt, dass sich die Flüssigkeit in der Lunge staut.

Schatz im Garten - auch für den Salat

Sowohl ihre Heilwirkung als auch die Legende vom verlorenen Schlüssel des heiligen Petrus fließen ein in das bekannte Märchenmotiv, mit Hilfe einer Blume einen Schatz zu finden. Eine erzählt zum Beispiel von der Schlüsseljungfrau, die auf ihrer Krone einen großen goldenen Schlüssel trägt und der Pflanze die Gabe verleiht, verborgene Schätze aufzuspüren. Wer möchte, kann diesen Schatz auch im eigenen Garten anpflanzen. Schlüsselblumen fühlen sich auch im Kübel wohl. Aus dieser Quelle darf auch nach Herzenslust geerntet werden, denn die frischen Blüten eignen sich auch zum Essen. Hier ein Rezept für einen Gute-Laune-Salat:

Vermischen Sie 2 Bund geputzte und klein gezupfte Brunnenkresse mit 200 g Portulakblättern und 15 Schlüsselblumenblüten. Bereiten Sie aus 1 Teelöffel frischem fein gehacktem Estragon, 1 Teelöffel fein gehackter Minze, 1 Esslöffel Weißweinessig und 3 Esslöffeln kaltgepresstem Olivenöl eine Vinaigrette und übergießen Sie die Salatmischung damit. Geben Sie noch einige Blüten zur Dekoration oben drauf. (Die Menge reicht für 4 Personen).