29.11.2011 - 11:58

Nachrichtenarchiv 29.11.2011 11:58 Theater Hagen: "Hänsel und Gretel" von Engelbert Humperdinck

Schon die Ouvertüre von Humperdincks Oper Hänsel und Gretel lädt ein zum Träumen. Hänsel und Gretel, die Kinder des armen Besenbinders, sie müssen träumen. Denn wohl nur so können sie ihren tristen Alltag ertragen. Sie träumen vom guten Essen, das sie nicht haben, und sie spielen gern: Ihr Herumtollen, ihre Phantasien, helfen Ihnen hinaus aus ihrer grauen Welt. Das Spielen hat böse Folgen, Hänsel und Gretel erledigen nicht die ihr aufgetragenen Arbeiten, im Gegenteil, ihr Spiel richtet Chaos an, ein Tonkrug geht zu Bruch. Die heimkehrende Mutter ist verzweifelt. Dramatisch wird sie hier, die gerade noch so verträumte Oper.

Die Mutter schickt die Kinder fort in den Wald, Erdbeeren sammeln. Auch im Wald verlieren sich Hänsel und Gretel wieder im Kinderspiel, verlaufen sich, schlafen ein - und Träumen. Humperdincks "Hänsel und Gretel" in Hagen ist ein Traum. In mehrfacher Hinsicht: denn es ist ein Spiel- und Singvergnügen, vorneweg mit Marylin Bennett als Hexe,  aber auch die Bühne samt Technikzauber ist ein Traum, das surrealistische Bild "das Auge der Stille" von Max Ernst lieferte die Vorlage.

Und so stellt die Inszenierung in Hagen die Fragen nach Traum und Wirklichkeit: wo verlaufen die Grenzen? Hänsel und Gretel stecken in einer Geschichte, spielen ihre Spiele, erleben den Alptraum der bösen Mutter, später dann die Verführung der Hexe, und wenn sie tatsächlich im Wald schlummern und träumen, ist das der beste, der gute Traum, denn 14 Engel um sie sind. Und wenn es dann gut ausgeht, wie wirklich ist das?

Hagens "Hänsel und Gretel" ist ein Bild- und Hörgenuss. Kristine Larissa Funkhauser und Maria Klier bezaubern als Hänsel und Gretel, dem Orchester gelingt die Umsetzung von Humperdincks heftiger Dramatik, symphonischen Ausmalungen und vertrautem Volksliedton. Humperdinck hat sich seinen Förderern wie Cosima Wagner gegenüber kleingeredet, aber eigentlich ist Hänsel und Gretel ein Höhepunkt der spätromantischen Opern. Und den Ritt der Hexe auf ihrem Besen durch die Höhen der Hagener Bühne sollte man sich nicht entgehen lassen.