25.06.2011 - 13:46

Nachrichtenarchiv 25.06.2011 13:46 Wirklichkeitstest - Irren ist menschlich

Das Wort ‚Heimat’ ist im Wortursprung verwand mit den Wort ‚heimlich’. Was aber heimlich ist, kann auch schnell unheimlich werden, das wusste schon Freud. Interessanterweise kommt das Unheimliche in den meisten Fällen von draußen herein und zerstört damit das heimliche, also das bekannte. Die Einheit des familiären im Heim ist also Voraussetzung für das Unheimliche. Kaum etwas ist unheimlicher als der Verlust der Heimat, die Unauffindbarkeit dessen, was heimisch ist, was Sicherheit, Geborgenheit und Zugehörigkeit verspricht. Indem man die Heimat verliert, verliert man auch sich selbst, jedenfalls ein Stückweit.

Das Herzstück Bonner Heimat ist das Stadthaus, sein Erscheinungsbild schon garantiert Beständigkeit. Ein Beton gewordenes Monument der Nachkriegszeit hat diese kolossale Kulisse demokratischer Bürokratie das Leben tausender alteingesessener, neuzugezogener und übergangsweisebeheimateter geprägt. Wie ein großer Organismus, losgelöst und doch Teil der Stadt, saugt es den Bürger an, schleust ihn durch endlose Gänge, verdaut das Nützliche, zerkaut das Übrige, schmeckt das Innerste und spuckt den Rest zerknautscht und verwirrt auf die Straße.