19.06.2010 - 11:29

Nachrichtenarchiv 19.06.2010 11:29 Die Kunst des Fallens

Die Wirtin Monika ist Inhaberin des Biergartens "Felsenschenke", der auf einer Donauhalbinsel, am Fuße eines mächtigen Felsens gelegen ist. Vom Frühjahr bis zum Herbst kommen die Immergleichen unter freiem Himmel zusammen, um sich bewirten zu lassen und beim Bier zu vergessen. Sie bringen alle ihre Schicksale mit, reden, damit sie sich nicht so allein fühlen und halten aneinander fest, auch wenn die Zusammenkünfte demütigend sind. Monika hat zwei erwachsene Töchter, die im Biergarten arbeiten. Seffi ist die Solide, die Zupackende, die andere, Sigrid, ist die Undurchschaubare, von der sich alle Männer auf unterschiedlichste Weise angezogen fühlen.

Einige wollen über sie herfallen, andere sich nur an ihr festhalten, um nicht tiefer abzusinken in ihrem ereignislosen Alltag. So dient Sigrid als Projektion sämtlicher Männerphantasien. Irgendwann, als alle sie bedrängen, versagen ihr die Kräfte und sie bricht zusammen. Geraume Zeit später, in der Nacht zur Sonnwendfeier stürzt einer vom Felsen zu Tode. Niemand weiß zunächst um die genaue Abfolge der Ursache: war es ein Selbstmord, der Übermut eines Betrunkenen oder hat sein Verlangen nach Sigrid ihm das Leben gekostet? Es wird heftig spekuliert, doch nur zwei kennen den tatsächlichen Hergang. Am Schluss wird der Biergarten geschlossen und jeder geht seines Weges in eine ungewisse Zukunft. Die begehrte Sigrid bleibt alleine zurück.