08.01.2017 - 09:50

Selig "Läuft bei dir!"

Die Weihnachtszeit geht zuende. Sie wird auch als "selige Weihnachtszeit" besungen und viele fühlen sich dann "ganz selig". Doch was steht genau hinter diesem Wort biblischen Ursprungs?

Der Bibelwissenschaftler Gunter Fleischer übersetzt das Wort 'Selig' mit einer Gratulation: "Frei gesagt: Herzlichen Glückwunsch dem, der sich für den richtigen Weg entscheidet, denn der wird am Ende dafür auch seinen Lohn empfangen."

Selig bedeutet: "Herzlichen Glückwunsch! Du liegst richtig!"

So geht es bei der Verwendung des Wortes vor allem um einen Rat, um das Aufzeigen eines guten Weges als Abgrenzung von einem falschen. Am bekanntesten sind da die Seligpreisungen mit denen Jesus seine berühmte Bergpredigt einleitet (Matthäus Kapitel 5). 'Selig die Barmherzigen', heißt es da, 'sie werden Erbarmen finden. Selig die Trauernden, sie werden getröstet, selig die arm sind vor Gott, ihnen gehört das Himmelreich'. Gunter Fleischer sagt: "Selig sind damit die, die erkennen, dass sie nicht allein aus ihrem Besitz leben können, sondern dass es noch eine andere Dimension gibt. Und es heißt zugleich auch un-selig die, die meinen, sie könnten mit ihrem Reichtum alles selbst machen. Selig die Traurigen, das heißt, die ihr Herz offen haben für das, was Verlust bedeutet, was Trauer bedeutet und die auch trauern können. Und nicht, die sich schon völlig abgepanzert haben gegen alles Unheil der Welt. Die sind dann wiederum un-selig."

Jesus nennt die selig, mit denen man nicht tauschen möchte

Auffallend ist bei den Seligpreisungen, dass Jesus gerade die selig nennt, mit denen man auf den ersten Blick nicht tauschen möchte: Die Trauernden, die Verfolgten, die, die keine Gerechtigkeit erfahren. Wenn gerade Jesus diejenigen selig preist, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, sagt das über Gott aus, "dass er in gewisser Weise parteiisch ist", meint Gunter Fleischer. "Er ist auf der Seite der Armen, der Leidenden. Nicht auf der Seite derer, die das verursachen. Das ist ja damit gemeint."

Aber bei der Rede Jesu wird dann auch klar, dass es sich bei dem Wort 'selig' doch eher um etwas Zukünftiges handeln muss. Gunter Fleischer sagt, "es meint die Abrundung und Vervollkommnung unseres Seins, die wir hier auf Erden nie erreichen werden." Die sei erst im Vereint-Sein mit Gott gegeben, nach dem irdischen Tod. Selig wäre dann der Zustand von Vollkommenheit.

Vorgeschmack auf Vollkommenheit

Eine Vollkommenheit, auf die wir warten müssen? Das klingt dann doch eher nicht nach Trost, sondern nach Vertröstung. Doch Gunter Fleischer hält dagegen und verweist darauf, dass es schon im Hier und Jetzt immer wieder Augenblicke gebe, in denen der Mensch durchaus eine Ahnung bekommen könne, wie es sich anfühlt, selig zu sein: "Das sind Momente eines Glücksgefühls, eines Gefühls von Freiheit oder Unbeschwertheit, das sich massiv unterscheidet von der üblichen Alltagserfahrung. Und hier liegt der Vorgeschmack von dem, was auf uns wartet in noch größerem Maße und dann vor allen Dingen ohne Ende."