Esel unter einem Joch
Esel unter einem Joch

09.07.2017 - 09:50

Kirche2Go: "Nehmt mein Joch auf euch" Wenn Religion belastet...

Es ist eines der vielhinterfragten Jesus-Worte im Sonntags-Evangelium: "Nehmt mein Joch auf euch. Meine Last ist leicht." Was meint das Joch? Und welche Last ist da leicht?

Das Joch ist eigentlich die Bezeichnung für den Querbalken, der früher auf die Ochsen gelegt wurde, um sie damit vor den Karren zu spannen. Es handelt sich also um eine schwere Belastung. In der Bibel begegnet das Joch zunächst im Alten Testament. Da legt sich der Prophet Jeremia ein solches Joch selbst auf die Schultern, um dem jüdischen Volk auf diese Weise anzukündigen, dass sie für lange Zeit unter der Herrschaft der Babylonier leiden werden (vgl. Jeremia 26f.). Das tritt dann auch wenig später ein. "Damit ist mit dem Joch vor allen Dingen eine unerträgliche Bürde gemeint. Es ist ein Zeichen für die Fremdherrschaft, für etwas, das mich beherrscht", erklärt Bibelwissenschaftler Gunther Fleischer.

Wer unter einem Joch steht, wird fremdbestimmt

Etwa 600 Jahre später greift dann Jesus von Nazareth dieses bekannte Bild des Propheten Jeremia wieder auf. Man könnte meinen, es ginge wieder um eine Fremdherrschaft, schließlich litt auch damals das jüdische Volk – und zwar unter der Besatzung der Römer. Doch Fleischer erklärt, dass Jesus damit etwas anderes ansprechen will, nämlich "das Joch, zu dem das Gesetz teilweise geworden ist, zu dem es zumindest einige gemacht haben, in dem sie strengste Vorschriften gemacht haben, die fast wie Vorschriften um ihrer selbst willen da sind."

Jesus kritisiert damit eine enge Auslegung des jüdischen Gesetzes

Wenn Jesus das Wort sagt: "Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn meine Last ist leicht" (Matthäus 11,29-30), dann spielt Jesus damit auf seine eigene Interpretation des im Judentum so wichtigen Gesetzes an. Mit dem Gesetz sind nämlich die Rechtsvorschriften gemeint, die auf die Zeit des Propheten Moses zurückgingen. Es bestimmte den Alltag des jüdischen Lebens und umfasste über 600 teils kleinlichste Vorschriften von Reinheitsgeboten bis hin zu dem, was am Sabbat, dem Ruhetag der Juden, erlaubt war und was nicht. Gerade letzteres hatte Jesus mehrmals in seinem öffentlichen Wirken angegriffen. Bibelwissenschaftler Fleischer verweist auf das berühmte Jesuswort: "'Der Sabbat ist für den Menschen da und nicht der Mensch für den Sabbat' (Markus 2,27). Das bringt zum Ausdruck, dass etwas nicht stimmt, wenn auf einmal die Sabbatgebote derart sind, dass ich nicht einmal mehr helfen darf. Dann wird das Gesetz zum Joch."

Jesus erzürnte die gesetzestreuen Juden, weil er am Sabbat Menschen von Krankheiten heilte und so am Ruhetag der Juden aktiv wurde. Jesus erkannte in manchen Extremformen des Gesetzes eine Art Joch wieder. Die teils strengen Regeln belasteten mehr den Alltag, als dass sie Ordnung gaben für ein gelingendes Leben. Zwar wurde die Kleinlichkeit in der Regelung nicht von allen im Judentum vertreten, aber doch von bestimmten Gruppierungen. "Und gegen diese wendet sich Jesus," sagt Fleischer, "nicht generell gegen das Gesetz und das Judentum. Aber gegen eine solche Sicht sagt er jetzt: ich bin gütig und von Herzen demütig und zitiert damit wiederum das Alte Testament."

Jesus will Leben ermöglichen, und es nicht unnötig beschweren

Der Prophet Micha nämlich ruft dem Volk zu, was Gott von ihm erwartet: Nicht einfach nur Opfer zu bringen, sondern gütig zu sein und demütig. Und so wird das Wort Jesu rund: "Nehmt MEIN Joch auf euch und lernt von MIR, denn ich bin gütig und von Herzen demütig. Mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht." Gunther Fleischer fasst zusammen, was Jesus mit diesem Satz also sagen will: "Es gibt eine Art und Weise, mit dem Gesetz umzugehen, die von gänzlich anderer Natur ist als die Haltung: ich muss leisten und mich damit beweisen. Und in die Haltung will Jesus hineinführen mit seinem Vorbild, seinem Leben und Menschen dazu führen, so zu leben. Dann können auch andere leben. Wenn das gelingt, dann wird es süß und leicht, dann ist es kein Joch mehr."