Das "Lamm Gottes" - Gemälde von F. de Zurbaran
Das "Lamm Gottes" - Gemälde von F. de Zurbaran

19.01.2020 - 09:40

Kirche2Go: Lamm Gottes Tier mit tiefer Symbolik

Im Evangelium dieses Sonntags hört die Gemeinde den Täufer Johannes seinen berühmtesten Satz sagen: "Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt." Was genau ist damit gemeint?

Wenn in der Kirche vom Lamm Gottes die Rede ist, dann ist damit Jesus Christus gemeint. Das Lamm, auch im Bild, ist das weit verbreitetste Symbol für Christus. Die Bezeichnung hat mehrere Ursprünge. Der wichtigste davon ist Johannes der Täufer. Als er Jesus am Jordan auf sich zukommen sieht sagt er diesen berühmten Satz: "Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt" (Johannes 1,29). Der Bibelwissenschaftler Gunther Fleischer erklärt, was diese Bezeichnung Lamm Gottes über Jesus aussagt: "Hingabe für die Anderen. Also dieser Jesus ist einer, der sein Leben hingibt für die anderen und er tut dies ganz im Dienste Gottes. Deswegen: Lamm Gottes."

Das Lamm als Opfertier im Alten Testament

Doch warum verwendet der Täufer Johannes dafür ausgerechnet das Bild des Lammes? Im jüdischen Glauben spielte das Lamm von jeher eine wichtige Rolle. Im Alten Testament wird berichtet, wie die Israeliten am Vorabend ihres Auszuges aus Ägypten das so genannte Pessach-Lamm (hebräisch: pessach = vorüberschreiten) schlachteten und aßen. Mit dem Blut des Lammes bestrichen die Israeliten die Türpfosten ihrer Häuser, worauf Gott die so markierten Häuser verschonte, als er Ägypten strafte (Exodus 12).  Von da an wird das Pessach-Lamm zu dem entscheidenden Opfertier im jüdischen Gebrauch. Und Gunther Fleischer stellt klar, dass dieses Lamm, dessen Blut im Opferritual damals auch dargebracht wurde im Sinne der Sündenvergebung, ein Hintergrund sein könnte für die Redeweise vom Lamm Gottes auf Jesus hin: "Er ist der, der schließlich sein Leben hingeben wird – zur Erlösung von den Sünden."

Der Täufer erinnerte sich an Jesajas Gottesknecht

Doch es gibt noch einen zweiten, wohl noch gewichtigeren Hinweis aus dem Alten Testament, an den Johannes der Täufer gedacht haben könnte, als er Jesus als Lamm Gottes bezeichnete. Beim Propheten Jesaja ist ausführlich von dem so genannten Gottesknecht die Rede. Dieser Knecht ist ein von Gott auserwählter Mensch, der für die Sünden seines Volkes stirbt. Und da heißt es über ihn: "Er wurde niedergedrückt, aber er machte seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt." (Jesaja 53,7)

Die Prophetie vom Gottesknecht wurde dann auf Jesus hin bezogen, "weil die Menschen auf einmal erkannten: 'Der stirbt wegen uns. Unsere Schuld nimmt er auf sich.' Und das nimmt er einfach so hin und beklagt sich nicht und schreit auch nicht herum, sondern verstummt wie ein Lamm vor seinem Scherer", so Gunther Fleischer. Und dann erinnert die Bezeichnung Lamm Gottes doch sehr an die Passion Jesu, an sein schweigendes Ertragen des Kreuzestodes. So wird Johannes der Täufer zum Prophet, der dieses kommende Schicksal Jesu und seine Aufgabe von Gott her schon sieht. Seht das Lamm Gottes.

"Lamm Gottes"  - Zentrum des christlichen Glaubens

Diese Bezeichnung wird später so kennzeichnend für Jesus, dass die Formulierung auch in den katholischen Gottesdienst wandert. Doch erst im 7. Jahrhundert, denn bis dahin galt die Überzeugung, man dürfe Jesus keinen Tiernamen geben. Unter Papst Sergius formierte sich dann eine Gegenbewegung, die für den Begriff kämpfte mit dem Verweis auf die Verwendung in der Bibel. Und so geriet der Titel Lamm Gottes in den Gottesdienst, und da an eine besondere Stelle: Unmittelbar vor den Empfang der Heiligen Kommunion, also zu dem Zeitpunkt, zu dem die Katholiken in der Messfeier Jesus Christus selbst empfangen: Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt weist da auf das zentrales Glaubensgeheimnis der Christen hin: Sie glauben an Jesus Christus, der für ihre Sünden gestorben ist.

(DR)