Jesus geht gegen die Dämonen vor
Jesus geht gegen die Dämonen vor

28.01.2018 - 09:40

Kirche2Go: Dämonen Mehr als ein biblischer Mythos?

Wer heute von einem Dämon hört, der muss wohl an Horrorfilme denken. Dass wir damit etwas Böses verbinden, hat viel mit der Bibel zu tun. Sie berichtet, dass Jesus Menschen von Dämonen befreit hat. Was verbirgt sich hinter den biblischen Erzählungen?

Das Wort stammt von dem Griechischen Wort 'daimon' ab und meint damit den Geist eines Verstorbenen. Denn im griechischen Denken kann es sich dabei durchaus auch um eine positive Macht handeln. Dass wir heute Dämonen mit etwas Bösem verbinden, hat mit der Bibel zu tun. Dort wird in zahlreichen Geschichten beschrieben, wie Jesus Dämonen austrieb, wie er Menschen von dieser Last befreite. Denn im griechischen Originaltext steht an diesen Stellen niemals 'Dämon', sondern meistens 'Unreiner Geist'. So gesehen treibt Jesus genaugenommen keine Dämonen aus, sondern unreine Geister. Aber was sind unreine Geister?

Dämonen – so etwas gibt es auch heute noch

Der Bibelwissenschaftler Gunter Fleischer erklärt im Blick auf das biblische Zeugnis, dass sich Menschen dabei immer als "unter Zwängen stehend erfahren. Jemand anderes beeinflusst ihr Leben. Das, was wir auch als 'besessen' bezeichnen." Die betreffenden Abschnitte in den Evangelien, in denen Jesus solchen unreinen Geistern begegnet, machen deutlich, wie das konkret aussehen kann: da ist die Rede von Menschen, die die Sprache verloren haben (Lukas 11), die urplötzlich wie von Geisteshand gesteuert hin und hergeworfen werden (Markus 9), die schlafwandeln (Matthäus 17) oder wirre Dinge reden (Markus 5). Gunter Fleischer meint, dass es sich hier keinesfalls um Mythen oder Erzählungen aus alter Zeit handeln muss. Solche Phänomene gibt es auch heute: "Das kann ein Epileptiker sein, der eben einen Anfall hat. Und diesen managt er nicht selbst, da macht er gar nichts mehr und er erfährt sich als fremdgesteuert. Es gibt Mächte, die das Leben beeinflussen, die einen Menschen wirklich fesseln können und damit das Leben kaputt machen. Und wenn Jesus solchen Menschen begegnet, versucht er, sie aus diesen Zwängen zu befreien. Darin erweist er die Macht Gottes."

Jesus konnte die Menschen von der fremden Last befreien

Solche Menschen, die unter versklavenden Zwängen leiden, gibt es auch heute.  Das ist es, was die Bibel meint, wenn sie von Dämonen oder unreinen Geistern spricht. Es handelt sich dabei letztlich um ein Phänomen, das wohl nicht ganz zu erklären ist; ein Geheimnis, dessen Wirklichkeit aber erfahrbar ist, als beschwerende Macht, der man mitunter wie ausgeliefert zu sein scheint. Gerade dieser Aspekt wird verdeutlicht, wenn man sieht, was mit den  Menschen passiert, die durch Jesus von dem unreinen Geist befreit wurden. "Da wird der Mensch wieder zu seinem Mensch-Sein zurückgeführt", erklärt Gunter Fleischer im Hinblick auf die Evangelienberichte. "Genau darin wird deutlich, wer eigentlich die letzte Macht hat. Die hat Gott und nicht irgendein Dämon oder irgendeine Kraft, die wir nicht beeinflussen."

So gesehen lautet die Botschaft Jesu: ‚Habt keine Angst vor dem, was euch runterdrückt.‘ Gott erweist sich im Handeln Jesu als der Stärkere, er will nicht die Versklavung des Menschen, sondern seine Befreiung. Der Apostel Paulus beschreibt seine ähnliche Erfahrung so: "Wo Gottes Geist ist, da ist Freiheit." (2 Korinther 3,17)

Gott ist der Stärkere

Es ist auffallend, in welcher Häufigkeit die Evangelien in der Bibel davon berichten, dass Jesus die Menschen von Dämonen befreien kann. Er muss gerade damit einen unverwechselbaren Eindruck bei den Menschen seiner Zeit hinterlassen haben. Gunter Fleischer fasst zusammen, was durch dieses Handeln Jesu deutlich geworden ist: "In ihm ist wirklich Gott gegenwärtig, denn er allein vermag sozusagen alle anderen Mächte, die es geben mag, zu bannen. Und die Menschen merken das. 'Wieso ist hier einer, der mit solcher Vollmacht auftritt? Das kann keiner unserer Schriftgelehrten', sagen die Juden. Es ist ein Zeichen des Wirkens Gottes in dieser Person Jesu, wie sie in keinem anderen gegenwärtig ist."