10.05.2014 - 18:30

Pontifikalamt aus dem Kölner Dom Dankamt zur Heiligsprechung

domradio.de übertrug das Dankamt zur Heiligsprechung von Johannes XXIII. und Johannes Paul II. mit Joachim Kardinal Meisner aus dem Kölner Dom. Die Heiligsprechung der beiden komme einem Nobelpreis Gottes gleich, sagte der Kardinal.

Als "geistliche Giganten" und zuverlässige Begleiter des Menschen hat Kardinal Joachim Meisner die heiliggesprochenen Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II. gewürdigt. "Die Heiligsprechung ist ein Nobelpreis, den Gott selbst verleiht", sagte der Kölner Alterzbischof am Samstag. Er predigte im Kölner Dom in einem Gottesdienst zum Dank an die Heiligsprechungen am 27. April durch Papst Franziskus in Rom.

"Pfarrer im Weltmaßstab"

Meisner nannte Johannes XXIII. einen "Pfarrer im Weltmaßstab", der das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) eröffnet habe. Der Kardinal verwies auf die vorbildliche geistliche Lebensführung des Papstes, zu der täglich Breviergebet, heilige Messe und allabendliche Gewissenserforschung sowie die wöchentliche Beichte und Anbetung gehört hätten.

Auch Johannes Paul II. würdigte Meisner als "einen Beter". Zudem bezeichnete er den aus Polen stammenden Papst als "ganz tiefen Mystiker", dessen christlicher Glaube sich unter Nationalsozialismus und Kommunismus bewährt habe. Herzstück seines Wirkens sei die Sorge um Ehe und Familie gewesen. Der Papst habe sich gegen alle Relativierungen von Ehe und Familie innerhalb und außerhalb der Kirche gewandt. So sei er zum "Schutzpatron von Ehe und Familie" geworden. Außerdem erinnerte der Kardinal an eine Begegnung in Castelgandolfo mit Johannes Paul II. am Tag nach den US-Terroranschlägen 2001. Die Welt bleibe Auftrag für die Kirche, so Kardinal Meisner.

Es war ein großes Fest, vermutlich das größte Kirchenfest 2014 in Rom, bei dem die beiden beliebtesten Päpste des 20. Jahrhunderts am selben Tag, dem "Sonntag der Barmherzigkeit", auf dem Petersplatz zur höchsten Ehre der Altäre erhoben wurden. Aber die Kirchenehrung für Johannes XXIII. (1958-63) und Johannes Paul II. (1978-2005) trug unverkennbar den Stempel des Pontifikats von Papst Franziskus: Die Feier blieb bei aller Freude nüchtern und bescheiden; der Eindruck von Triumphalismus sollte vermieden werden.

Das ging soweit, dass der Vatikan niedrigere Teilnehmerzahlen nannte (800.000) als die Stadt Rom, die von einer oder sogar eineinhalb Millionen Menschen sprach. Entsprechend stellte Franziskus bei der Festmesse die beiden neuen Heiligen nicht als übermenschliche Heroen oder Giganten der Kirche dar. Er bezeichnete sie nicht als Protagonisten zweier großer Pontifikate, die einen Atomkrieg verhindert und den Eisernen Vorhang zum Einreißen gebracht hatten. "Der heilige Johannes XXIII. und der heilige Johannes Paul II. hatten den Mut, die Wundmale Jesu anzuschauen, seine verwundeten Hände und seine durchbohrte Seite zu berühren", betonte Franziskus in seiner Predigt. Sie hätten "an seinem Kreuz keinen Anstoß genommen". Und damit würdigte er eine Heiligkeit, die nicht notwendig an das Papstamt gebunden ist. Sie seien zwei mutige Männer gewesen, die - erfüllt vom Heiligen Geist - "der Kirche und der Welt Zeugnis von der Güte Gottes und von seiner Barmherzigkeit" gegeben hätten.

Ausdrücklicher Wunsch des Papstes

Es war der ausdrückliche Wunsch von Franziskus, die Kanonisation seiner beiden unterschiedlichen Vorgänger gemeinsam vorzunehmen. Diese Verbindung bedeutete für ihn Programm. Dafür dispensierte er von einem Heilungswunder auf Fürbitte des Roncalli-Papstes - so wie Benedikt XVI. im Mai 2005 das Verfahren für den Wojtyla-Papst durch einen vorzeitigen Prozessbeginn beschleunigt hatte. Beide Päpste hätten "mit dem Heiligen Geist zusammengearbeitet, um die Kirche entsprechend ihrer ursprünglichen Gestalt wiederherzustellen und zu aktualisieren, entsprechend der Gestalt, die ihr im Laufe der Jahrhunderte die Heiligen verliehen haben", so Franziskus. Und dazu gehöre "die Liebe und die Barmherzigkeit in Einfachheit und Brüderlichkeit". Eine Formel, wie sie Franziskus immer wieder als das Wesentliche des Evangeliums herausstreicht.

Die Heiligsprechungsfeier wirkte verhaltener als die Seligsprechung von Johannes Paul II. im Mai 2011 oder die von Johannes XXIII. im September 2000. Dazu mag das trübe Wetter beigetragen haben, vielleicht aber auch der gewachsene zeitliche Abstand - die meisten Zeitzeugen des Roncalli-Papstes stehen im Rentenalter. Und vielleicht strahlt auch der Glanz des polnischen Papstes nicht mehr ganz so hell, seit mit Franziskus ein ähnlich charismatischer und populärer Pontifex die Menschen fasziniert und sich mit dem Argentinier Erwartungen an die Kirche verschoben haben. Und seit in diesem neuen Klima auch Kritik etwa an Wojtylas Festhalten an dem Legionäre-Christi-Gründer Marcial Maciel Degollado (1920-2008) lauter ist als zu seiner Seligsprechung.

Mitkonzelebrant Benedikt XVI.

Wie seit längerem erwartet, nahm der emeritierte Papst Benedikt XVI. an der Zeremonie teil. Der 87-Jährige gehörte zu den Konzelebranten, auch wenn er nicht mit am Altar stand, sondern neben den Kardinälen saß. Zwar war er bereits im Februar beim Konsistorium dabei. Aber jetzt kam er erstmals seit seinem Amtsverzicht zu einer öffentlichen Messe. Der Ratzinger-Papst wurde bei seiner Ankunft mit viel Applaus empfangen. Kardinäle aber auch Politiker wie Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano kamen auf ihn zu und begrüßten ihn herzlich. Und zu den bestimmenden Bildern der Festmesse gehörte die liturgische Umarmung mit seinem Nachfolger Franziskus zum Abschluss des Gottesdienstes.

Die nächste große Kirchenehrung könnte im Herbst erfolgen. Zum Abschluss der Bischofssynode zur Familienpastoral (19. Oktober), soll Papst Paul VI. (1963-78) seliggesprochen werden. Er hatte die von Johannes XXIII. eröffnete Kirchenversammlung fortgesetzt, beendet, und ihre Beschlüsse in schwieriger Zeit und gegen innere wie äußere Widerstände umgesetzt. Die Diskussion über seine Enzyklika "Humanae vitae" zur menschlichen Fortpflanzung hat den Blick auf die großen Leistungen, die kreativen Reformen und die weitsichtigen Aussagen und Analysen seines Pontifikats verstellt. Die Seligsprechung dürfte die Sicht auf diesen zaudernd und leidend wirkenden Papst weiten und ihm mehr Ansehen verschaffen, hofft man im Vatikan.

(dr, kna)