Spitzen des Kölner Doms
Spitzen des Kölner Doms
Kölner Dom aus Sicht des Chorgestühls
Kölner Dom aus Sicht des Chorgestühls
Domkapitular Dr. Thomas Weitz
Domkapitular Dr. Thomas Weitz
Nur eine kleine Auswahl des Mädchenchores singt coronabedingt
Nur eine kleine Auswahl des Mädchenchores singt coronabedingt

09.08.2020 - 10:00

Kapitelsamt im Kölner Dom Neunzehnter Sonntag im Jahreskreis

In seiner Predigt sprach Domkapitular Dr. Thomas Weitz über das Vertrauen in den Glauben. Gerade eine bedrängte Gemeinschaft könne Zeuge der ausgestreckten Hand des Herrn werden.

"Zweifeln im Sinn von Unsicherheit kann den Glauben vertiefen, kann mich hellhöriger machen für Gottes manchmal verhüllte Gegenwart", sagte Weitz. Glaube sei immer ein Wagnis, doch wenn wir aus diesem Vertrauen leben, können wir auch andere Menschen zu diesem Vertrauen führen.

DOMRADIO.DE übertrug am neunzehnten Sonntag im Jahreskreis das Kapitelsamt aus dem Kölner Dom mit Domkapitular Thomas Weitz. Ein Ensemble des Mädchenchores am Kölner Dom sang unter der Leitung von Oliver Sperling.

Zur Wahrung der Abstandsregeln singen die Mädchen im Hochchor des Kölner Domes. An der Domorgel: Winfried Bönig.

Zum Sonntagsevangelium (Mt 14,22-33)

Fürchtet euch nicht!" – Ein Satz, der die Bibel wie ein roter Faden durchzieht. Überall da, wo Lebenspläne durchkreuzt werden oder Ungewöhnliches bzw. Ungewohntes in die Lebenswirklichkeit einbricht, ertönt ein "Fürchte dich nicht!", "Fürchtet euch nicht!". Die Ermutigung zu Vertrauen und Furchtlosigkeit bildet die Basis für die Neukalibrierung der eigenen Einstellungen, Vorstellungen und Pläne. Sie ermöglicht erst, sich dem Ungewohnten und Neuen zu stellen und über eigene Grenzen hinauszuwachsen. Dass dies allerdings keine Garantie dafür ist, dass das reibungslos vonstattengeht, zeigt die Erzählung vom so genannten Seewandel Jesu. Auf Jesu Zusage "ich bin es; fürchtet euch nicht" und sine Einladung" Komm!" hin kann Petrus das sichere, wenn auch schwankende Boot verlassen. Als er sich aber der Realität und ihrer Gefahren wieder bewusst wird, verliert er sein Vertrauen und droht unterzugehen. Sein Hilferuf wird sofort erhört; Jesus greift rettend ein. Die Erkenntnis, dass sich hier Jesus als Gottes Sohn zeigt, kann aber erst ins Bewusstsein sickern, als alle mit Jesus im Boot sitzen und der Sturm sich gelegt hat. Mitten in den Gefahren und Bedrohungen des Lebens reicht unser Blick oft nicht darüber hinaus und wir fühlen uns restlos verlassen. Haben wir diese Erfahrung hinter uns gelassen – sind gerettet –, dämmert erst, dass der scheinbar Abwesende mittendrin anwesend war. Auf Letzteres zu vertrauen, dazu lädt das Evangelium ein. 

Aus: Messbuch 2020. Lesejahr A. Butzon & Bercker