15.03.2009 - 07:54

Lateinisches Hochamt aus dem Kölner Dom Vierter Fastensonntag

domradio.de übertrug am Vierten Fastensonntag das Kapitelsamt aus dem Kölner Dom. In seiner <a onclick="javascript:WindowAudio('18847'); return false;" href="/comet/audio/18847.wma"> Predigt </a>macht sich Stadtdechant Prälat Johannes Bastgen Gedanken zu der chinesischen Weisheit: Es war einmal ein Mann, den ängstigte der Anblick seines eigenen Schattens so sehr, dass er beschloss, ihm davon zu laufen. Auch in unserer Gesellschaft, so Bastgen, gebe es viele Schatten. "Aber laufen müssen wir nicht - weil Gott etwas an uns liegt."

Laetare, freu dich: Mitten in der Fastenzeit erinnert uns der Eröffnungsvers daran, dass wir allen Grund zur Freude haben, auch wenn uns das immer wieder aus dem Blick gerät. In der Zerstörung gibt es einen neuen Anfang, im menschlichen Versagen gibt es das Geschenk der Gnade Gottes, die Finsternis kann das Licht nicht für immer verdrängen - mit diesen Gedanken ermutigen uns die Texte des heutigen Sonntags. Die Freude, um die es geht, will keinen billigen Trost. Sie verschließt nicht die Augen vor den Abgründen der Traurigkeit. Sie erkennt in Gott ihre wahre Quelle. WortgottesdienstErste Lesung Die Bücher der Chronik bieten so etwas wie ein Resümee der Geschichte Israels. Dabei gilt das Interesse vor allem der theologischen Interpretation dieser Geschichte, der Lektion, die daraus zu lernen ist. Zerstörung des Tempels, Ermordung, Deportation, Exil - all diese Gräuel werden gedeutet als ein Strafgericht Gottes aufgrund viel-fältiger Verfehlungen des Volkes und seiner Herrscher. Aber: Die Katastrophe ist nicht das letzte Wort Gottes. Untrennbar mit der Schilderung des Niedergangs verbunden ist die unverbrüchliche Hoffnung auf Jahwe, der sein Volk nicht fallen lässt und einen Neuanfang will. Das allerletzte Wort der Chronik -  "der soll hinaufziehen" - erinnert nicht zufällig vertrauensvoll an den Exodus als die grundlegende Tat der Befreiung durch Gott. Mitten in der menschlichen Unheilsgeschichte kann und will Gott sein Heil schaffen. Zweite Lesung Der Epheserbrief - vermutlich ein Rundbrief an die Christen in Kleinasien - ähnelt in Stil und Sprache eher einer feierlichen Predigt. Er beginnt mit dem freudigen Gottes-lob "Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel" (Eph 1, 3). Im Zentrum seiner theologischen Überlegungen steht die weltweite Kirche, die in eindrucksvoller Bildlichkeit als Leib Christi betrachtet wird - ihr Haupt ist Christus selbst. In Christus zeigt sich Gottes Heilsplan für die Menschen, die dem Tod verfallen waren. Gott handelt verschwenderisch am Menschen - der überfließende Reichtum seiner Gnade kann die Not wenden. Das befreit den Menschen von der verbissenen Fixiertheit auf seine eigenen Leistungen, tröstet ihn, wenn er wahrnimmt, wo die eigene Kraft an ihre Grenzen kommt. Es ermutigt ihn zu guten Werken - in der demütigen  Erkenntnis, dass am Ende das, worauf es ankommt, Geschenk ist. Evangelium Gott will in seiner großen Liebe das ewige Leben für den Menschen -  und diese rettende Liebe hat in Jesus Christus Gestalt angenommen. Dennoch: Diese lichtvolle Botschaft ist in die Finsternis hineingesprochen. Die Wahl, vor die Gott die Menschen stellt, ist die Wahl zwischen Gut und Böse, die Wahl zwischen Licht und Finsternis. Wir spüren es in uns und um uns herum: Es ist eine große Herausforderung, sich dem Licht auszusetzen. Es ist eine große Herausforderung, sich der Wahrheit zu stellen, die, wie Johannes an anderer Stelle sagt, frei macht. Die Wahrheit wird euch frei machen: Dies zielt nicht nur darauf, zu erkennen, was richtig und was falsch, was gut oder was böse ist. Es geht darum, die Wahrheit zu tun: engagiert und gelassen im eigenen Leben immer wieder nach Wegen aus der Finsternis zu suchen und mutige Schritte zu tun. Bedingungslos geliebtGott,in deinen Händen erfahre ichHerzlichkeit, Nähe, Trost, Geborgenheit, auch Kraft und Stärke.In deine Hände lege ichmeine unbändige Sehnsucht nach Liebe,nach Geliebt-Werden und selbst zu lieben.In deine Hände lege ichmeine Einsamkeit, wenn sie mich überfällt,Erfahrungen des Am-Rande-Stehensoder Stehen-Gelassen-Werdens.In deine Hände lege ichden Ort, an dem ich lebe,die Aufgaben, die ich habe.In deine Hände lege ichmein Kämpfen um Selbstständigkeit,meine Rollen in Partnerschaft, Beruf, Kirche, Gesellschaft.In deine Hände lege ichmeine Bitte um eine engagierte Gelassenheit in allem.Ich lege all das in deine Hände in dem Vertrauen,dass du damit liebevoll und behutsam umgehstund in ein Leben in Fülle verwandelst.Christl Winkler SA (Quelle: Messbuch 2009, Butzon & Bercker Verlag)