01.02.2012 - 10:28

Kardinal Meisner ruft an Mariä Lichtmess zur aktiven Weitergabe des Glaubens auf "Der Meister des Unmöglichen"

Am Donnerstag feierte die katholische Kirche das Fest "Darstellung des Herrn", im Volksmund auch "Mariä Lichtmess" genannt. Es ist eines der ältesten christlichen Feste. <a href="http://www.domradio.tv/videothek/7822" target="_blank">In seiner Predigt</a> nannte Joachim Kardinal Meisner das Fest einen "Tag des Gedenkens und Dankens" und rief dazu auf, das Licht aus dem Dom "in Stadt und Welt" hinauszutragen.

In den Mittelpunkt seiner Predigt rückte der Kölner Erzbischof die Aufgabe eines jeden Christen, dafür zu sorgen, Christus durch sich sprechen und berührbar werden zu lassen. Aus unserer heutigen Gesellschaft Europas habe Gott den Leuchter weggerückt und lasse das Licht nun eher in andere Kontinente und Länder strahlen. Damit dürften sich die Christen nicht zufrieden geben.

Das Motto vieler Menschen "Religion ja, aber Gott nein" zeige die Sehnsucht der Menschen nach Licht und einem Sinn des Lebens. Daher sollten wir das Licht aus dem Dom und der Heiligen Messe in die Häuser tragen und alle unsere missionarischen Möglichkeiten nutzen. Gott sei "der Meister des Unmöglichen", so Meisner und mit dem "Himmlischen Vater im Rücken, Christus im Herzen und Maria, die uns im Arme trägt", seien wir als Glaubenszeugen unwiderstehlich.

Zum Abschluss der Messe zeigte sich Kardinal Meisner hocherfreut über die vielen Gottesdienstbesucher, die trotz der Kälte in den Kölner Dom geströmt waren: "An Gottes Segen ist alles gelegen".

Das Fest "Darstellung des Herrn"
Seit Anfang des 5. Jahrhunderts wurde es in Jerusalem am 40. Tag nach der Geburt Jesu gefeiert. In Rom führte die Kirche den Feiertag um das Jahr 650 ein. Mit dem 2. Februar verbinden sich viele unterschiedliche Glaubensaussagen, viele Volksbräuche und auch Bauernregeln.

"Mariä Lichtmess" hieß bis 1969 in der katholischen Kirche auch "Mariä Reinigung". Diese Bezeichnung knüpft an den Bericht des Lukas-Evangeliums an, nach dem Maria 40 Tage nach der Geburt Jesu ein Reinigungsopfer darbrachte, wie es das jüdische Gesetz vorschrieb. Beim Evangelisten Lukas ist nachzulesen, dass sich Joseph und Maria in den Tempel begaben, um Jesus, der als Erstgeborener Gott gehörte, auszulösen. Von daher kommt auch der andere Name des Festes, der sich seit 1969 im katholischen Feiertagskalender findet: "Darstellung des Herrn". Aus dem Marienfest ist ein Christusfest geworden.

Wie das Lukas-Evangelium berichtet, begegneten Maria und Joseph im Tempel dem greisen Simeon und der Prophetin Hannah. Der Alte stimmte ein Loblied auf das Kind an und pries es als Messias: "Denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, den du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel", so wird am 2. Februar in den Gottesdiensten vorgelesen.

Seit 15 Jahren auch "Tag des geweihten Lebens"
Passend zum Lob des Lichtes wird noch einmal die weihnachtliche Lichtsymbolik zur Geltung gebracht: Seit dem 11. Jahrhundert kam der Brauch der Kerzensegnung und der Lichterprozession auf. An Lichtmess wurden dann auch die für das nächste Jahr benötigten Kerzen der Kirchen und der Familien geweiht, weshalb Wachsmärkte, eben Licht(er)messen, durchgeführt wurden, wie der Brauchtumsexperte Manfred Becker-Huberti berichtet.

An diesem Tag fanden nach seinen Angaben früher auch Lichterumzüge der Kinder statt. Festgebäck waren die Crepes, Pfannkuchen, die im Rheinland lautmalerisch an die französische Bezeichnung erinnern: Kreppchen hießen sie hier. Seit 1997 ist der 2. Februar in der katholischen Kirche auch der "Tag des geweihten Lebens". Papst Johannes Paul II. richtete ihn als Tag des Dankes und der Bitte für Menschen ein, die sich ganz Gott zur Verfügung stellen.

Vorfreude auf das Frühjahr
Auch in anderer Hinsicht war der 2. Februar in früheren Zeiten von größter Bedeutung. An Lichtmess erhielten die Dienstboten den Jahreslohn in Geld und Naturalien; sie konnten sich bei ihrem Dienstherrn neu verpflichten oder den Arbeitgeber wechseln. Die Zeit bis Agatha (5. Februar) war eine Art von vertraglich gesichertem Nichtstun, das man die "Schlenklweil" nannte.

Zugleich begann um Lichtmess die Vorbereitung auf die neue Feldarbeit. Die Wetterregeln handeln von der Vorfreude auf das Frühjahr: "Wenn es an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit." Hoffnung auf den Frühling macht auch, dass die Tage nun deutlich länger hell bleiben. Eine anschauliche Regel beschreibt, wie die Tage nach der Wintersonnwende am 22. Dezember länger werden: "Weihnachten um ein" Mückenschritt, Silvester um ein" Hahnentritt, Dreikönig um ein" Hirschensprung und Lichtmess um ein" ganze Stund." Der Volksmund schlägt einen Bogen vom Martinstag am 10. November zu "Lichtmess": "Martin zünd" Licht an; Maria bläst"s wieder aus. Seit dem II. Vatikanischen Konzil endet der Weihnachtsfest offiziell jedoch am Fest der Taufe des Herrn, dem Sonntag nach Epiphanie (Heilige Drei Könige).