15.02.2009 - 09:30

Kapitelsamt im Kölner Dom Sechster Sonntag im Jahreskreis

domradio.de übertrug am sechsten Sonntag im Jahreskreis das Kapitelsamt aus dem Kölner Dom. In seiner Predigt rief Domkapitular Hans-Josef Radermacher dazu auf, sich für die "modernen Ausgesetzten" unserer Gesellschaft einzusetzen. "Wenn wir Christen nicht dabei helfen, wer sonst?" Heilige könnten dabei Vorbilder sein. "Auch wenn keiner ein Franz von Assisi ist - wenn viele Menschen Weniges leisten, geschieht auch Großes."

Die Gemeinschaft, zumal die Glaubensgemeinschaft, ist ein hohes Gut. In sie werden wir hineingeboren und für sie entscheiden wir uns ganz bewusst. Diese Gemeinschaft trägt uns durch manchen Sturm; sie prägt, aber sie ist kein Zweck an sich. Sie kann das Ziel aus den Augen verlieren, wenn sie sich nicht täglich neu an Gottes Wort ausrichtet. Gemeinschaft ist kompliziert, weil ich mich ihr gegenüber und in ihr verhalte, weil ich zum Teil eine Aufgabe in ihr habe und zum Teil andere Menschen auf mich einwirken. Gemeinschaft macht uns aktiv und passiv, sie lähmt, reizt uns zum Zorn und fordert Engagement. WortgottesdienstErste LesungAussätzige wurden aus der Gemeinschaft ausgesondert, um zu verhindern, dass sich die Krankheit ausbreitet. Allerdings ist es der Priester, der zwischen Reinheit und Unreinheit unterscheiden muss. Das macht nicht nur die medizinische Funktion des Priesterdienstes klar, sondern auch die religiöse Dimension der Gemeinschaft: Man darf nicht einfach das aussondern, was einem gefährlich erscheint oder was man nicht versteht. Die Gemeinschaft ist heilig und nur in Ausnahmefällen darf sie durch Ausschluss geschützt werden. Welcher Gemeinschaft gehöre ich an? Durch wessen Ausschluss konstituiert sich meine Gemeinschaft? Ist dieser Ausschluss rechtens und notwendig oder willkürlich?Zweite LesungWorauf kommt es an? Paulus weiß, dass man gefahrlos vom Götzenopferfleisch essen kann, weil es keine Götzen gibt. Aber er sieht, dass die Starken die Schwachen verwirren, weil diese noch unsicher sind. Und der Christ soll nicht auf den eigenen Vorteil bedacht sein, den er aus seinem Glauben ziehen könnte. Die Gemeinschaft ist wichtiger, denn in ihr sind die vereinigt, die gerettet werden sollen. Wer so handelt, der ahmt Christus nach, der ist ein Imitator Christi, weil Christus auf das Heil der Seelen bedacht war und Menschen retten wollte. Christus ermöglicht es uns, ihn nachzuahmen, wenn wir uns seiner Sorge anvertrauen, die durch einen anderen uns entgegentritt. EvangeliumBisher hat Jesus nur geheilt, wenn er einem Kranken begegnete oder wenn er zu ihm gebracht wurde. Der Aussätzige kommt selber zu ihm, er hat niemanden, der ihn begleitet. Er ist allein und ausgegrenzt. Jesus durchbricht seine Einsamkeit und berührt ihn. Aber Jesus will nicht als außerordentlicher Heiler Aufsehen erregen, sondern unterstellt sich ausdrücklich den vorgegebenen Geboten. Doch der Geheilte kann und will nicht an sich halten. Er genießt die Möglichkeit, wieder mit Menschen zu reden, und er erzählt, was ihm geschehen ist. Begegnung gibt Kraft, wenn sie Schranken überwindet und Einsamkeit durchbricht. Begegnung stiftet Gemeinschaft.(Quelle: Messbuch 2009, Butzon & Bercker Verlag)