26.06.2009 - 14:49

Kapitelsamt im Kölner Dom Hochfest Peter und Paul

domradio.de übertrug am Hochfest Peter und Paul das Kapitelsamt aus dem Kölner Dom live in Bild und Ton. Zelebrant und Prediger war Domdechant Prälat Johannes Bastgen.

Es singt das Vokalensemble Kölner Dom unter der Leitung von Eberhard Metternich. Die Orgel spielen Winfried Bönig und Ulrich Brüggemann.

Paulus, griechisch sprechender Jude mit römischem Bürgerrecht, Pharisäer und Missionar Jesu Christi, passt in kein Klischee. Eine prägende Lebenswende hat der Mann aus Tarsus in der Begegnung mit dem Auferstandenen erfahren, doch immer bleibt er dem Gottesglauben Israels treu und seinen jüdischen Glaubensgeschwistern verbunden. Petrus, der Fischer, verheiratet, ist ein praktischer Mann, aber auch in der Lage, für die Gruppe der Jünger zu sprechen. Er ist begeisterungsfähig und überschwänglich, aber oftmals zu schwach, um durchzuhalten. Er möchte mit Jesus durch dick und dünn gehen, bestreitet jedoch, ihn zu kennen, als es ernst wird. Doch genau diesem Menschen vertraut Jesus, denn Petrus ist ein Liebender. Und Petrus kennt seine Schwäche und weiß, dass letztlich nichts von dem, was er kann und hat, aus ihm selbst kommt. Petrus und Paulus: zwei leidenschaftlich hoffende, glaubende, liebende Menschen, zwei von Christus und seinem Geist erfüllte Gründergestalten der ganzen Kirche.

Wortgottesdienst

Erste Lesung
Petrus, der seinem verhafteten Freund und Lehrer einst bis zum Innenhof des hohenpriesterlichen Palastes gefolgt war, ihn dann aber verleugnet hatte, war zu einer überzeugenden Autorität der Jerusalemer Urgemeinde herangereift. Nach Jahren relativer Ruhe bläst der Gemeinde nun ein scharfer Wind ins Gesicht. Herodes Agrippa I. lässt Führungspersönlichkeiten der Christusleute verfolgen, um gesetzestreu zu erscheinen. Zwei Apostel sind von den Maßnahmen betroffen. Jakobus wird mit dem Schwert hingerichtet, doch Petrus kann entkommen. Seine Flucht ist ein wahres Wunder. Vielleicht geht es um die Offenheit für solche Wunder: dass wir mit schlafwandlerischer Sicherheit aufstehen und gehen, wenn, sanft oder ruppig, unser Engel uns weckt.

Zweite Lesung
Sein Leben führte Paulus konsequent im Zeichen der Christusnähe und der Gottesliebe. Der Lebensrückblick aus dem Gefängnis ist getrost und hoffnungsstark: Christus hat ihm die Kraft gegeben, sich vorbehaltlos für die Verkündigung des Evangeliums einzusetzen; jetzt, da der Apostel schwach ist, wird sich der Herr vorbehaltlos für ihn einsetzen und ihn nach Hause tragen mit aller Liebeskraft.

Evangelium
Von keinem Jünger wissen die Evangelien so viel zu sagen wie von Petrus. Ein Grund dafür liegt darin, dass er im Jüngerkreis die Sprecherrolle innehatte und deswegen für die ganze Gruppe steht. Simon Petrus ist aber auch als Person herausfordernd, nicht bloß Lichtgestalt, sondern jemand, in dem sich Licht und Schatten treffen. Der Sohn des Jona ist voll Zutrauen, risiko- und entscheidungsfreudig, empfindsam und beeindruckbar, sprachmächtig und spontan. Er neigt zur Selbstüberschätzung und zu impulsiven Reaktionen, die er alsbald bereut. Er zeigt Mut, bekommt aber auch rasch Angst vor der eigenen Courage. Er bewundert, er liebt Jesus bedingungslos. Nur die Vorstellung, sein Meister könnte einmal ganz klein sein  und er hätte nicht mehr an seiner Größe, sondern an seinem Kleinsein teil, erträgt er nicht. Zwischen "Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel" und "Gleich darauf krähte ein Hahn" (Mt 26, 74) erstreckt sich der an Höhen und Tiefen reiche Weg Petri, bevor dieser wahre Freund Jesu und Fels der Urgemeinde zu einer großen, reifen Liebe findet, die er in Rom mit der Gabe seines Lebens besiegeln wird.

Wo Einheit nicht die praktische Folge der Liebe ist,
wird sie oft zu einem unduldsamen Unitarismus nach außen hin -
und zur bedrückenden Gleichmacherei nach innen.
Dann wohnt sie nur selten mit der wahren Freiheit zusammen.

Madeleine Delbrêl

(Quelle: Messbuch 2009, Butzon & Bercker Verlag)