16.08.2009 - 08:59

Kapitelsamt im Kölner Dom "Der Einzelne zählt"

domradio.de übertrug am 21. Sonntag das Kapitelsamt in lateinischer Sprache aus dem Kölner Dom. In seiner <a onclick="javascript:WindowAudio('20468'); return false;" href="/comet/audio/20468.wma"> Predigt </a>rief Prälat Günter Assenmacher dazu auf, dem Vorbild Petrus folgend "gegen den Strom zu schwimmen". In den wichtigen Fragen des Lebens müsse jeder zu dem stehen, was ihm heilig ist. "Der Einzelne zählt."

Unterwegs sein, neue Wege gehen, Unbekanntes erkunden - manchmal ist das reizvoll. Manchmal auch beängstigend. Wie ist die Richtung zu halten? Welcher Weg führt zum Ziel? Orientierung geben Gottes Wege mit dem Volk Israel und mit der Kirche: all die Erfahrungen, die Menschen auf diesen Wegen längst sammeln durften und noch immer dürfen. Orientierung gibt Jesus, der Christus: Weisung zum ewigen Leben. WortgottesdienstErste Lesung Am Ende des Buches Josua sind die Taten Gottes noch einmal ganz gegenwärtig. Josua ruft die Erinnerung wach an all das, was das Volk von Gott her empfangen hat, was Gott an ihm getan hat. So war es auch in den Zehn Geboten zur Begründung gesagt für die Beziehung zwischen Gott und seinem Volk: "Ich bin es, der dich aus Ägypten geführt hat." Darauf keine entsprechende, keine angemessene Antwort zu geben, ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Ausdrücklich fragt Josua nach einem solchen Bekenntnis, denn er weiß ja: Der religiöse Markt hat noch andere Angebote. Da gibt es die Götter, die die Vorfahren verehrten, "jenseits des Stroms". Da gibt es die Götter der Nachbarn im Lande. Deren Mythen erzählen von Fruchtbarkeit, von Macht, Glück und Sättigung. Doch die in Sichem Versammelten beharren darauf. Sie treffen ihre Wahl: weil sie doch schon erwählt sind. Sie ergreifen Partei, weil im Sklavenhaus Ägypten doch einer schon Partei für sie ergriffen hat. Sie wollen dem Herrn dienen, der ihnen doch alles längst bereitet hat: Befreiung und Schutz und Geleit und Zukunft. In solchem Dienst entfaltet sich ihre Freiheit. Zweite Lesung Gerade noch hat der Apostel sich Ordnung gewünscht für alle menschliche Beziehung. Und nicht nur Ordnung, sondern Unterordnung, insbesondere die Unterordnung der Frauen gegenüber ihren Männern. Doch der Gedanke an Christus führt ihn dann doch noch einmal andere Wege. Denkt er an Christus und die Gemeinde, dann muss er von Liebe schreiben, von Hingabe und Zuwendung und Würdigung. Und der Blick in seine Bibel bezüglich der Gemeinschaft von Frau und Mann belehrt den Apostel: Ausgerechnet der Mann, den der Brief zunächst in der ehelichen Gemeinschaft vorordnet, gerade der soll nach dem Zeugnis der Genesis eben derjenige sein, der bedürftig ist und voller Sehnsucht und mit dem Wunsch nach Bindung zuallererst sich selbst bindet und binden soll. Der Briefschreiber staunt: Welch ein Geheimnis! Dass Hierarchie und Rangordnung sich von Gott her plötzlich ganz anders gestalten, als er ursprünglich dachte. Bei der Unterordnung hat der Epheserbrief begonnen. Bei der Liebe und ihrem Geheimnis hört er auf. Wohl denen, die sich von der Orientierung an Christus auf neue Wege führen lassen! Evangelium Eine alte Erfahrung: Nicht alle bleiben dabei, wenn der Überschwang des Anfangs verfliegt. Wenn es schwierig wird, komplizierter, wenn man in Auseinandersetzungen gerät - dann muss das Vertrauen schon groß sein, um den einmal eingeschlagenen Weg weiter mitzugehen. Auch bei Jesus dabei zu bleiben ist nicht selbstverständlich. Nicht für ihn. Nicht für die Jünger. Es muss ihnen gegeben sein. Viele ziehen sich zurück. Sollten auch die Zwölf, Jesu engster und vertrauter Kreis, einem solchen Herdentrieb anheimfallen? Wollen sie auch gehen? Petrus formuliert es stellvertretend für alle: Wie absurd! Zu wem sollten sie denn gehen?  Wenn hier bei Jesus Leben ist - was könnte die Alternative sein? Wenn hier Geist Gottes gegenwärtig ist - was sollte man denn da anderes wählen wollen? "Wir haben erkannt", bekennt der Apostel: "Du bist der Heilige Gottes." Petrus wird nicht immer so bekenntnismutig bleiben. In der Nacht des Leidens vor der Kreuzigung knickt er schnell ein: Die noch recht harmlosen Fragen einiger Passanten, einer Pförtnerin, eines Dieners reichen aus, dass er sich von Jesus distanziert. Welche Distanz aber könnte so groß sein, dass sie nicht längst vom Ruf Jesu, von Erwählung und Berufung überbrückt wäre? Die Gemeinschaft der Heiligen lebt allein aus dem Wort des Heiligen Gottes.   unkrautheilkrautwegerichstehn am wegbewegen michda wosich der wegverengthab ich michnoch durchgezwängtunkrautheilkrautwegerichstehn am wegbewegen michund wogar kein wegmehr wartrug mich weglosdie gefahrunkrautheilkrautwegerichstehn am wegbewegen michbis zuletzt die wolke kamund michin den himmelnahmunkrautheilkrautwegerichstehn am wegbewegen michWilhelm Willms(Aus: Franz von Assisi)(Quelle: Messbuch 2009, Butzon & Bercker Verlag)