13.04.2008 - 09:55

Kapitelsamt aus dem Kölner Dom - Predigt in Bild und Ton Vierter Sonntag der Osterzeit

domradio übertrug am vierten Sonntag der Osterzeit das Kapitelsamt mit Generalvikar Dr. Dominik Schwaderlapp aus dem Kölner Dom. Der Mädchenchor am Kölner Dom unter der Leitung von Natalie Badura und Oliver Sperling sang die Missa pro pueris et pro puellis von Christian Matthias Heiß. Die Orgel spielte Winfried Bönig.

An den vorigen Sonntagen standen die Ostererscheinungen und die Reaktionen der ersten Christen im Vordergrund. Hier galt es, den Kreuzestod Jesu und die Botschaft von der Auferstehung miteinander in Einklang zu bringen. Mit dem heutigen Sonntag wagt die Liturgie einen Blick nach vorn, auf das nahende Pfingstereignis. Wie geht es weiter mit der Jesusbewegung? Welcher Geist wird die zukünftige Kirche, die Versammlung der Gläubigen, erfüllen? WortgottesdienstErste Lesung  Aufmerksam haben die Zuhörer in Jerusalem dem Apostel Petrus gelauscht, der über Jesus aus Nazaret als einer der Ersten sein Zeugnis abgelegt hat. Die Botschaft von der Auferweckung Jesu macht Petrus mit der anerkannten Heiligen Schrift verständlich. Der Prophet Joël wird zitiert, ebenso Verse aus Psalm 16 und 110. Am Ende aber beschäftigt die Zuhörer nur noch eine einzige Frage: „Was sollen wir tun?" Was hat diese Predigt mit uns zu tun? Welche Konsequenzen ergeben sich für unser Leben, wenn wir die Botschaft des Apostels als wahr annehmen dürfen? Der Stachel dieser Frage trifft uns heute, 2000 Jahre später, nicht weniger als Petrus damals. Wir kennen die Antwort des Petrus, der Nachfolge und Umkehr fordert zur Vorbereitung auf den Geistempfang. Wie aber können wir die Nachfolge leben? Wie sieht für mich eine Umkehr aus, ein Neuanfang, der wahrhaft lebendig macht?   Zweite Lesung Der Text, der an die vorigen Sonntage anknüpft, ist provokant: Der verfolgten kleinen Gemeinde wird die Nachfolge des leidenden Christus zur Nachahmung empfohlen. Im Hintergrund freilich steht das Gottesknechtslied (Jes 53). Wie aber sind diese Aussagen angesichts der Katastrophen des 20. und 21. Jahrhunderts zu lesen? Ist die Rede vom leidenden Gerechten nicht eine totale Überforderung von uns Menschen? Bei genauerem Hinsehen aber erweist sich das Leiden Jesu nicht als Selbstzweck. Es entsteht aus seiner Passion für den anderen Menschen. Der Glaube an Jesus Christus verlangt eine Lebenshaltung, die selbst vor dem eigenen Leiden, ja auch vor dem Lebenseinsatz für andere nicht zurückschreckt. Das frühchristliche Verständnis von Martyrium entsteht aus dieser Haltung. Märtyrer sind Männer und Frauen mit offenen Augen für diese Erde und für das Unrecht, das auf ihr geschieht. Im Vertrauen auf Gottes Liebe, die größer ist als alle Vernunft, treten sie für den Glauben an Jesus Christus ein.Evangelium Der Anspruch des Bildwortes ist beinahe unerträglich: Jesus erklärt seinen Jüngern nicht nur, der Hirt zu sein, der seine Schafe zum ewigen Leben zu führen vermag. Jesus gibt sogar vor, die Tür zu sein, die Schwelle, an der sich entscheidet, wer Zugang erhält und wer nicht. Zwischen diesen beiden Bildworten wird gesagt, dass die Jünger nicht verstehen, wovon er spricht. Die Worte Jesu bleiben ein Geheimnis, ein Rätsel. Verständlich aber wird dieses Rätselwort vor der Gesamtkonzeption des Johannes-Evangeliums, denn von Anfang an wird Jesus als der Retter dargestellt, der bereits vor dem Beginn der Zeit beim Vater war. Sosehr also Jesus auf der Seite der Menschen steht, sosehr wird doch seine göttliche Herkunft betont. „Geboren vor aller Zeit" - wie es im Großen Glaubensbekenntnis heißt. Die Stimme Jesu, der Ruf des eigenen Namens haben erschließende Kraft, weil Jesus die Vollmacht dazu gegeben ist. Sein Ruf gilt dem Innersten eines jeden Menschen. Hier öffnet sich die Tür, die Jesus ist. (Quelle: Messbuch 2008, Butzon & Bercker Verlag)