09.08.2009 - 08:56

Kapitelsamt aus dem Kölner Dom am 19. Sonntag im Jahreskreis Lebensmenschen

domradio übertrug am 19. Sonntag im Jahreskreis das Kapitelsamt aus dem Kölner Dom. Zelebrant und Prediger war Prälat Dr. Günter Assenmacher. In seiner Predigt erinnert er an den vor 20 Jahren verstorbenen österreichischen Schriftsteller Thomas Bernhard, der den Begriff "Lebensmensch" prägte. Für uns Gläubige ist, so Assenmacher, Jesus dieser Lebensmensch.

An Gottes Gaben zeigen sich unsere Aufgaben. Aus seiner Fürsorge erwächst unsere Kraft, es aufzunehmen mit den Herausforderungen, die uns begegnen. Was Gott uns angedeihen lässt, stärkt uns, auch diesen Tag, auch diese Woche anzugehen. Die Macht der Mutlosigkeit ist gebrochen: Was Gott uns zutraut, dürfen wir uns auch selbst zutrauen.  WortgottesdienstErste Lesung Man hätte denken können, jetzt genieße er den Triumph seines Lebens. Ein Gottesurteil zu seinen Gunsten! Der Baalskult blamiert und geschwächt! Elija könnte sich ganz oben fühlen. Er aber bekommt Angst, fühlt sich elend, schal, müde, ohne Trost. Am liebsten jetzt sterben. Es reicht ihm. Keinen Schritt mehr will er weiter. Unendliche Schwäche überkommt ihn. Ein Stoßgebet noch, fast nur ein Aufseufzen, dann schläft er ein. Die Seelsorge an Elija beginnt mit der Leibsorge. Brot und Wasser. In unmittelbarer Nähe. Naheliegend. Erreichbar. Grundversorgung. Noch einmal schläft er. Ein Schlaf, anders als der vorige. Nicht mehr von Angst bestimmt. Nicht mehr todesnah. Der Hunger befriedigt. Der Durst gestillt. Erholsamer Schlaf. Und dann noch einmal der Bote Gottes, der ihn jetzt aufblicken lässt: Steh auf und iss! Ein weiter Weg liegt vor Elija. Anstrengend also. Kräftezehrend. Der Bote Gottes beschönigt nichts. Aber es ist eine Aufgabe. Gestärkt, belebt, gerüstet steht Elija auf, geht seinen Weg. Vierzig Tage bis zum Horeb. Kein Wort mehr vom Sterben. Wohl aber die Erinnerung an jene Begegnung: Es ist ein Engel gewesen. Daran könnten wir denken, wenn wir aufbrechen vom Tisch des Herrn: gestärkt, belebt, gerüstet, ins Leben gesandt. Es wäre sonst jeder Weg zu weit. Aber es war der Engel des Herrn, der uns berührte. Zweite Lesung Pfarrämter haben bis heute Siegelrechte. Bestätigt mit dem Siegel, wird noch aus der letzten dürftigen Kopie ein rechtskräftiges Dokument. Für den Epheserbrief ist klar: Gott hat sein Siegel schon gesetzt. Er hat bestätigt, dass die Gemeinde zu ihm gehört, dass er sie geheiligt hat, dass sie seinetwillen Gemeinschaft der Heiligen ist. Undenkbar, dass sie sich als Fälschung erweist. Fürs Siegel- und Beglaubigungsrecht der Pfarrämter gibt es gute juristische und historische Gründe. Die schönste aber wäre die: dass die Gemeinde bestätigen darf, weil auch sie bestätigt wurde; dass ihr das Siegel anvertraut ist, weil Gott ihr seinen Willen anvertraut hat. Evangelium Eben zuvor hatte Jesus Menschen gespeist. Fünftausend hatten an den fünf Broten und zwei Fischen Anteil gehabt. Und es  hatte gereicht. Es war übergenug. Da hatten sie ihn zum König machen wollen (Joh 6, 15): So einen hat ihnen der Himmel geschickt.  Alles scheint gut, solange die Versorgung gesichert ist. Jesus wehrt ab. Nicht nur das falsche Königtum, sondern auch die falsche Vorstellung, als sei mit dem Wunder großzügiger Speisung schon das Letzte gesagt und getan. Jesus weiß: Es gibt noch einen ganz anderen, weit größeren Hunger nach Leben. Jesus kann das sagen, ohne dass es sich zynisch anhört. Er hat zuvor Menschen gespeist. Er hat ihnen Brot gegeben, so wie Gott einst sein Volk in der Wüste erhalten hat durch die Gabe des Manna. Niemand denke gering von solchen Gaben, denn keiner und keine soll von physischer Not genötigt sein, soll leiden unter dem leiblichen Hunger. Den Gesättigten eröffnet es Jesus: In ihm, dem Brot des Lebens, werden sie teilhaftig der Ewigkeit Gottes, werden sie Anteil haben an Gottes Nähe, Gottes Weisung, Gottes Fülle. Mit seinem ganzen Leben, seinem "Fleisch", steht Jesus dafür ein. Sein ganzes Leben widmet er solcher Botschaft, sein ganzes Leben gibt er dafür hin: Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben.  Gott ist mit euch, und seine heiligen Engel stehen in eurer Gemeinde und sein heiliger Name ist über euch ausgerufen. Segenswort aus Qumran(Quelle: Messbuch 2009, Butzon & Bercker Verlag)