Kölner Dom
Kölner Dom
Prälat Josef Sauerborn
Prälat Josef Sauerborn
Zurzeit gehören dem Mädchenchor insgesamt 163 Sängerinnen an
Zurzeit gehören dem Mädchenchor insgesamt 163 Sängerinnen an

24.03.2019 - 10:00

Kapitelsamt im Kölner Dom Dritter Fastensonntag

DOMRADIO.DE übertrug am dritten Fastensonntag das Kapitelsamt aus dem Kölner Dom mit Domkapitular Josef Sauerborn. Das zentrale Element in Prälat Sauerborns Predigt: Vertrauen in Gottes Zuverlässigkeit und Güte.

In seiner Predigt ging Domkapitular Josef Sauerborn auf die Lesung zum 3. Sonntag der österlichen Bußzeit aus Ex 3,1-8a.10.13-15 ein. Einer der Kerntexte des Alten Testaments, die Berufung Moses am Dornbusch. Hier offenbart Gott die Bedeutung seines Namens: Er, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs mit dem nicht aussprechbaren Namen J –H–W –H, stellt sich vor als: „Ich bin, der ich bin.“

Von Hoffnungslosigkeit und Gottvertrauen

Zunächst rückte Domkapitular Sauerborn die Hoffnungslosigkeit in Mittelpunkt, welche zu dieser Zeit unter den versklavten Israeliten in Ägypten herrschte. „Generation um Generation, viele Menschenleben hindurch, hatten sie gebetet, ohne erkennbare Perspektive.“ Doch dann, ganz plötzlich, findet das Bitten des Volkes Israels Erhörung. Und das zu einem Zeitpunkt als niemand mehr damit rechnete, betonte Prälat Sauerborn. Dieser plötzliche und völlig unverhoffte Wandel zum Guten stehe beispielhaft für die Zuverlässigkeit Gottes, so der Kölner Domkapitular. „Gott hört das Bitten und Beten, auch wenn der Erfolg des Betens nicht kalkulierbar und nicht berechenbar ist.“ Beten, so ist sich Domkapitular Sauerborn sicher, ist „vollzogenes Vertrauen.“ Vertrauen in Gott und seine Zuverlässigkeit zu haben, das war es, was Sauerborn den Gottesdienstbesuchern im Kölner Dom mit auf den Weg gab.

Musikalische Gestaltung des Gottesdienstes

Es sang der Mädchenchor am Kölner Dom unter der Leitung von Oliver Sperling und Elena Szuczies. An der Orgel: Winfried Bönig

Auslegung zum Sonntagsevangelium (Lk 13,1-9)

Von Georg Baudler

Jesus liebt dieses Volk mit jener Hingabe und Fürsorge, mit der ein Gärtner an seinen Pflanzen hängt, die er hegt und pflegt (Gleichnis vom fürbittenden Weingärtner, Lk 13, 6–9). Drei Jahre lang wirkt der Gärtner schon im Weinberg, aber immer noch hat der Feigenbaum keine Frucht getragen. „Hau ihn um“, sagt deshalb der Weinbergbesitzer, „was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen?“ Doch der Gärtner bittet: „Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. Vielleicht trägt er doch noch Früchte ...“

Der Feigenbaum ist wie der Weinberg eine alte, allen bekannte Metapher für das Volk Israel. Jahwe hat ihn gepflanzt, und süß sind die Früchte, die an ihm wachsen (vgl. Ri 9,11). Weinstock und Feigenbaum sind Symbol und Inbegriff des guten und erfüllten Lebens. „Juda und Israel lebten in Sicherheit von Dan bis Beerscheba“, heißt es von der salomonischen Friedenszeit, und das gute Leben, das sie hatten, findet Ausdruck in dem Satz: „ein jeder saß unter seinem Weinstock und seinem Feigenbaum“ (1 Kön 5,5).

So ist es verständlich, dass der grünende Feigenbaum ein Symbol und Gleichnis für die in Jesu Leben und Wirken anbrechende „malkût Jahwe“ [Königsherrschaft Gottes] sein konnte (Mk 13,28; Mt 24,32; vorne unter den ersten Weckgleichnissen behandelt). Doch das Symbol hat nicht gehalten, was es versprach: In drei aufeinanderfolgenden Jahren sind die zu erwartenden süßen Früchte ausgeblieben. Noch ein weiteres Jahr will Jesus sich um den Baum bemühen, den Boden umgraben und düngen. Indem Jesus so für sein Volk bittet, das er liebt, bittet er zugleich – dies entspricht zutiefst seiner menschlichen Natur – noch um ein Jahr seines Lebens.

Doch die religiösen Eliten und Führer Israels gewähren dem Gärtner das erbetete Jahr nicht; sie bringen den Tod über ihn. Dadurch – so sieht es die Urgemeinde – ist auch der Feigenbaum zum Sterben verurteilt. „In Ewigkeit wird niemand mehr eine Frucht von ihm essen“ (vgl. Mk 11,14; Mt 21,19). Indem sie den geliebten Sohn, der in seinem Leben und Wirken die „malkût Jahwe“ anbrechen lässt, aus dem Weinberg, in dem er wirkt, hinauswerfen und töten, versperren sie sich der Jahwe-Macht, von der her der Feigenbaum Israel lebt; er wird „bis zu den Wurzeln“ verdorren (Mk 11,20; Mt 21,20). Dies ist wahrscheinlich der Bedeutungshintergrund der schwierigen Perikope von der Verfluchung des Feigenbaums (Mk 11,12–14.20 f.; Mt 21,18 f.), die z. B. einen Bertrand Russell an Jesus zweifeln ließ; er las eben wie damals üblich – wie die Mk 11,22 ff. angefügten Sprüche vom Glauben zeigen, bestand diese Gefahr sogar schon in der Urgemeinde – die Stelle „realistisch“ und nicht, wie es der Zusammenhang mit den beiden Gleichnissen vom Feigenbaum nahelegt, symbolisch-gleichnishaft: Jesus hat mit ganzer Seele am Feigenbaum Israels nach den süßen Früchten gesucht, es „hungerte ihn“ danach (vgl. Mk 11,12). Doch – das weiß später die Urgemeinde – zu Zeiten seines Lebens und Wirkens war noch nicht die Zeit der Ernte (V. 13); sie würde erst mit Tod und Auferstehung kommen.

Aus: Magnificat. Das Stundenbuch. März 2019