Requiem für Altbischof Anton Schlembach im Speyerer Dom
Requiem für Altbischof Anton Schlembach im Speyerer Dom
Reinhard Kardinal Marx nimmt Abschied von Bischof Anton Schlembach
Reinhard Kardinal Marx nimmt Abschied von Bischof Anton Schlembach
Requiem für Altbischof Anton Schlembach im Speyerer Dom
Requiem für Altbischof Anton Schlembach im Speyerer Dom
Requiem für Altbischof Anton Schlembach im Speyerer Dom
Requiem für Altbischof Anton Schlembach im Speyerer Dom
Emeritierter Speyerer Bischof Anton Schlembach
Emeritierter Speyerer Bischof Schlembach gestorben

24.06.2020 - 13:00

Pontifikalrequiem und Beisetzung im Dom zu Speyer Abschied von Bischof Anton Schlembach

Nach einem feierlichen Gottesdienst ist der Speyerer Altbischof Anton Schlembach in seiner früheren Bischofskirche beigesetzt worden. Er hatte der Diözese bis zu seinem altersbedingten Rücktritt 2007 fast ein Vierteljahrhundert vorgestanden.

Der mit gelben und weißen Blumen geschmückte helle, schlichte Holzsarg des mit 88 Jahren Verstorbenen stand vor dem Altar. Auf dem Sarg lagen Bischofsstab und Mitra, die traditionelle Kopfbedeckung der Bischöfe, sowie Schlembachs Messkelch und eine liturgische Stola.

Wegen der Pandemie durften nur knapp 300 Menschen in den Speyerer Kaiserdom. Gekommen waren neben zwei Schwestern Schlembachs auch der frühere Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, der für Speyer zuständige Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, der aus Speyer stammende Würzburger Bischof Franz Jung und der evangelische pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad.

Beim Requiem würdigte der Erzbischof von München und Freising und Vorsitzende der Freisinger Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, den Verstorbenen in Dankbarkeit und Anerkennung.

Voller Dankbarkeit und Anerkennung

In seinem Grußwort, das er stellvertretend für den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing, sprach, betonte Kardinal Marx: "Voll Dankbarkeit und Anerkennung für seinen aufopferungsvollen und stets treu im Glauben gelebten Dienst, nehmen wir Abschied … Nahezu 25 Jahre hat der Verstorbene der Deutschen Bischofskonferenz angehört, war in ihren Gremien präsent, den Vollversammlungen und den Sitzungen des Ständigen Rates. Noch gestern haben wir an ihn bei unserem Zusammentreffen des Ständigen Rates in Berlin gedacht."

Die deutschen Bischöfe seien Anton Schlembach dankbar für die Debatten, die er in der Konferenz über viele Jahre geprägt habe. "Bischof Schlembach hat sich vor Arbeit und zusätzlichen Terminen nicht gescheut. Und gleichzeitig hat er diese Termine genutzt, um kraftvoll und unmissverständlich seine Auffassung, tief geprägt und verwurzelt im Glauben der Kirche, zu vertreten."

Dank für Einsatz für das Heilige Land

Kardinal Marx sprach gleichzeitig in seiner Verantwortung als Großprior des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem, die er in Nachfolge von Bischof Schlembach 2006 übernommen hatte. "Ich will heute Dank sagen für seinen 15-jährigen Einsatz für das Heilige Land. In 30 Investituren des Ordens hat er rund 750 Mitglieder in die Ordensgemeinschaft aufgenommen. Er war innerlich engagiert für das Heilige Land", so Kardinal Marx. "Seine Predigten haben ermutigt, sein Ritterschlag hat gesessen, sein Friedensgruß war auf Augenhöhe."

Der Dank und die Anerkennung, der Respekt für die Lebensleistung  und das Gebet für den Weg von Anton Schlembach zum Himmlischen Jerusalem begleiteten ihn, so Kardinal Marx: "Jenes Himmlische Jerusalem, in dem das Heil Gottes ihn umfangen möge, auf das hin er so sehr gelebt hat – als Bischof von Speyer und als Großprior des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem."

Das Pontifikalrequiem für Bischof Anton Schlembach aus dem Dom zu Speyer mit Bischof Karl-Heinz-Wiesemann übertrug DOMRADIO.DE in Bild und Ton. Es sang eine Schola des Domchores Speyer unter der Leitung von Markus Melchiori. Die Orgel spielte Markus Eichenlaub.

Auch viele Mitglieder des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem waren anwesend. Schlembach war von 1991 bis kurz vor seinem Rücktritt als Bischof Großprior der Deutschen Statthalterei des Ordens.

Würdigung durch Bischof Wiesemann

Bischof Karl-Heinz Wiesemann würdigte in seiner Ansprache seinen Vorgänger in Speyer als Mann von großer Herzlichkeit und ehrlicher Menschlichkeit. Schlembach habe mit seinem ganzen Leben auf Gott verweisen wollen. Sein Gottvertrauen sei grenzenlos gewesen, so Wiesemann.

In Unterfranken geboren - in Rom zum Priester geweiht

Bischof em. Dr. Anton Schlembach wirkte zwischen 1983 und 2007 als 95. Bischof von Speyer. Sein bischöflicher Wahlspruch lautete: "Deus salus – Gott ist das Heil".

Am 7. Februar 1932 wurde er in Großwenkheim (Unterfranken) geboren. Die Priesterweihe empfing er am 10. Oktober 1956 in Rom.

Zuvor Generalvikar seiner Heimatdiözese Würzburg, wurde er 1983 von Papst Johannes Paul II. zum Bischof ernannt und im Dom zu Speyer vom Münchener Erzbischof Dr. Friedrich Wetter, seinem Vorgänger auf dem Speyerer Bischofsstuhl, zum Bischof geweiht. Über 23 Jahre wirkte er in diesem Amt. Nur einer seiner Vorgänger hat in den letzten 100 Jahren das Bistum länger geleitet, Ludwig Sebastian, der 1943 nach 26 Bischofsjahren 80-jährig starb.

Bemühungen um eine Neuevangelisierung

Die Bemühungen um eine Neuevangelisierung und eine Aktivierung der Gemeinden waren immer wiederkehrende Grundthemen seiner Amtszeit. Diesem Anliegen diente auch die Erarbeitung eines Pastoralplanes, der 1993 in Kraft gesetzt wurde.

Denselben Stellenwert wie der Verkündigung und dem Gottesdienst räumte Bischof em. Schlembach dem sozialen Auftrag der Kirche ein. "Ohne Caritas ist die Kirche unglaubwürdig", so seine Überzeugung. Fast 20 caritative Einrichtungen, von Altenheimen über Behindertenwerkstätten bis hin zum Übernachtungsheim für Nichtsesshafte, hat er in seiner Amtszeit eingeweiht. Ebenso war er einer der maßgeblichen Impulsgeber für die ökumenische Hospizhilfe, die 1991 im Bereich von Bistum und Landeskirche gegründet wurde.

Am 4. Mai 1987 kam Papst Johannes Paul II. während seines zweiten Deutschlandbesuches nach Speyer und feierte auf dem Domplatz mit 60 000 Teilnehmern eine heilige Messe - für die Stadt und das Bistum ein "Jahrtausendereignis". Auch viele internationale Staatsgäste empfing Bischof Schlembach im Speyerer Dom.

Nach der Vollendung des 75. Lebensjahres nahm Papst Benedikt XVI. das Rücktrittsgesuch des Bischofs mit Wirkung vom 10. Februar 2007 an. Am 10. Oktober 2016 beging Bischof Schlembach sein diamantenes Priesterjubiläum.