Kniefall vor dem Altar
Kniefall vor dem Altar
Kardinal Marx und Kardinal Woelki
Kardinal Marx und Kardinal Woelki

06.03.2017 - 18:30

Eröffnungsfeier der Frühjahrs-Vollversammlung der deutschen Bischöfe im Kölner Dom 400 junge Sängerinnen und Sänger und über 70 Bischöfe

domradio.de übertrug das Pontifikalamt zur Eröffnung der Frühjahrs-Vollversammlung der deutschen Bischöfe aus dem Kölner Dom mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, dem Münchener Erzbischof Reinhard Kardinal Marx.

Unter den Mitfeiernden des Eröffnungsgottesdienstes im Kölner Dom war neben den 65 Bischöfen der deutschen Diözesen auch Nuntius Erzbischof Nikola Eterović, päpstlicher Botschafter in Deutschland. Die Predigt hielt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchener Erzbischof Reinhard Kardinal Marx.

In seiner Predigt warb der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, dafür, sich mutig und offen der eigenen Identität zu stellen: "Wir spüren, dass wir in einer unruhigen Zeit leben, einer Zeit der Umwälzung, des Umbruchs. Dinge, die wir vor einigen Jahren nicht für möglich gehalten hätten, passieren. Oft gerät die Identität in Gefahr", so Kardinal Marx.

Identität neu entdecken

Die Frage nach der Identität gelte auch für die Kirche. "Die Kirche ist immer dieselbe und doch lernt sie dazu, nach den Möglichkeiten, die der Heilige Geist ihr schenkt. So ist die Kirche aufgefordert, ihre Identität immer neu zu entdecken." Gerade das sei Ausdruck der jüdisch-christlichen Kultur, die es auch zu verteidigen gelte. Kardinal Marx erinnerte an die fünf Bücher Mose, die Torah, die der "Kernpunkt der Identität Israels" sei.

Diese Torah stelle viel mehr als ein Gesetzbuch dar, "sie ist die Geschichte der Befreiung, der neuen Lebensweise, der Neuentdeckung Gottes. Das ist ein grundsätzlicher Auftrag an das Volk Gottes − damals und heute." In dieser Botschaft und der jüdisch-christlichen Identität zeige sich, so Kardinal Marx, dass Gott dem Menschen nahe sei: "Er ist der Gott der Befreiung, der ein Projekt mit der Welt vorhat. Gott schenkt dem Menschen seine Freiheit. Die Gottebenbildlichkeit besteht in dieser Freiheit."

Für Würde eintreten

Kardinal Marx betonte, dass die Geschichte der Kirche nicht nur erzählt werde, sondern dass sie gleichsam ein Weltauftrag sei, für die Freiheit und damit für die Würde des Menschen einzutreten. "Gott ist ein Gott der Schwachen, ein Gott, der nach unten schaut. Die Gottes- und Nächstenliebe ist nicht durch Jesus neu erfunden worden, aber er hat sie neu ins Zentrum des Bewusstseins gerückt, mit seinem Leben, mit seinem Tod. Gott ist somit die wahre Freiheit, die wir als Kinder Gottes finden", so Kardinal Marx. Dann verstehe man auch, dass das, was die Kirche durch die Geschichte lernen müsse, noch längst nicht zu Ende sei.

Kardinal Marx ermutigte die Gläubigen "Zeuginnen und Zeugen der Freiheit zu sein, einer Freiheit auch für jene Menschen, die nicht unsere Überzeugung haben. Eine Freiheit für jene, die getreten, geschlagen und vergewaltigt werden, eine Freiheit für jene, die unterdrückt und mundtot gemacht werden, auch Journalisten. Für ihrer aller Freiheit wollen wir eintreten, weil das der Kern der Menschenwürde und des christlichen Auftrags ist. Daran zeigt sich der ununterbrochene Weg des christlichen Glaubens durch die Geschichte hindurch."

Freiheit verteidigen

1996 habe Papst Johannes Paul II. bei seiner historischen Rede im Brandenburger Tor die viel beachtete Rede gehalten, dass der Mensch zur Freiheit berufen sei: „Die Kirche soll Protagonistin der verantwortlichen Freiheit sein. Freiheit und Wahrheit gehören ebenso zusammen wie Freiheit und Solidarität.“ Diese Freiheit, so Kardinal Marx, gelte es zu verteidigen: die Freiheit der Kultur, der Würde, des Respekts.

"Diese Freiheit nimmt alle Menschen in den Blick, nicht nur mich, meine Pfarrei, meine Ideen, sondern die Freiheit öffnet sich für die ganze Menschheitsfamilie. Dann spüren wir, welchen Auftrag wir haben: Wenn die Welt unruhig und unbarmherzig wird, wenn Auseinandersetzungen und Polarisierung zunehmen, dann muss dem die Botschaft Jesu entgegengehalten werden. Wir wollen uns als Christen bemühen, Brücken zu bauen und an einer Kultur des Respekts und der Freiheit mitzuwirken. Denn Freiheit ist Gabe und Aufgabe zugleich!“

Mehrere hundert Sänger aus dem gesamten Erzbistum

Etwa 400 junge Sängerinnen und Sänger aus dem gesamten Erzbistum Köln waren mit dabei, als die Bischöfe den Gottesdienst im Kölner Dom feierten. Die Idee, bei diesem außergewöhnlichen Anlass über die Mitglieder der Kölner Dommusik hinaus auch andere Kinder und Jugendliche musikalisch an der Liturgie zu beteiligen, hatte Domkapellmeister Eberhard Metternich. 13 Chöre des Deutschen Chorverbandes ‚Pueri Cantores’, der seine Geschäftsstelle in Köln hat, waren im Gottesdienst dabei – unter anderem aus Bonn, Bergisch Gladbach, Düsseldorf, Wuppertal, Horrem und Leichlingen. Außerdem sangen der Mädchenchor am Kölner Dom und der Domchor.

Zur Vollversammlung der Bischöfe, dem obersten Gremium der Deutschen Bischofskonferenz, treffen sich alle katholischen Orts- und Weihbischöfe in Deutschland und der Apostolische Exarch der Ukrainer regelmäßig im Frühjahr und im Herbst. An vier Tagen beraten sich die Bischöfe in zahlreichen Arbeitssitzungen, koordinieren Aufgaben und treffen Entscheidungen für die Kirche in Deutschland. Die Herbstvollversammlung findet immer in Fulda am Grab des heiligen Bonifatius statt, die Frühjahrsvollversammlung an wechselnden Orten – vom 6. bis 9. März 2017 im Kardinal-Schulte-Haus in Bensberg (Erzbistum Köln). An ihr nehmen 65 Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz unter Leitung des Vorsitzenden, Kardinal Reinhard Marx, teil.

Themen der Beratungen: Zukunft und Lebensweise des priesterlichen und bischöflichen Dienstes, ein Bericht des Sonderbeauftragten für Flüchtlingsfragen, die Auswertung der bisherigen ökumenischen Ereignisse im Jahr des Reformationsgedenkens, der kommende Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung sowie neue kirchliche Formate im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

(dr, KNA, dpa, DBK)