Glocke von 1417
Glocke von 1417

27.12.2015 - 07:15

Glockenklänge im Weihnachtsfestkreis ehem. Waisenhauskirche Sülz - ein mittelalterlicher Schatz

Nur wenigen ist bekannt, dass im Turm der ehem. Waisenhauskirche Zur Heiligen Familie im Kölner Stadtteil Sülz eine wertvolle mittelalterliche Glocke hängt. Nach dem Verkauf der Immobilie ist die Zukunft des Geläuts noch offen.

Als Jugendlicher stellte sich der heutige Architekt und Glockensachverständige Matthias Braun die Frage, was für Glocken wohl im Turm der damaligen Kirche des Städtischen Kinderheims in Sülz hängen. Von einer der Ordensschwestern erhielt er vor über zehn Jahren die Genehmigung, in die Glockenstube zu steigen und traute dort seinen Augen nicht. Neben zwei Nachkriegsglocken von 1947 hängt ein sehr wertvolles mittelalterliches Instrument aus dem Jahr 1417. Braun war sich sicher, dass diese Glocke hier ursprünglich nicht hingehört. Nach einigen Recherchen konnte er herausfinden, dass die Gemeinde Holzheim (Eifel) in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zwei alte Glocken an das Kunstgewerbemuseum der Stadt Köln verkauft hatte. Die größere Glocke war gesprungen und steht heute als Leihgabe im Rathaus der Gemeinde Overath. Die kleinere unbeschädigte Glocke gelangte zunächst in das Museum Schnütgen und dann schließlich in den Turm des damaligen Waisenhauses. Dort erhielt sie Verstärkung von zwei weiteren Glocken, die aber im Zweiten Weltkrieg abgegeben werden mussten und durch die heutigen ersetzt worden sind. In dieser Zusammensetzung besteht das Geläut bis heute. Als 2012 das Städtische Kinderheim umzog und die Immobilie am Sülzgürtel an die Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft Köln-Sülz eG verkauft wurde, hatte man von Seiten der Stadt die wertvolle mittelalterliche Glocke nicht eigens erwähnt. Die GWG zeigte sich überrascht und zugleich erfreut, nun im Besitz eines so wertvollen Instruments zu sein. Konkrete Überlegungen zur weiteren Nutzung der Kirche gibt es derzeit noch nicht, da in Zukunft erst einmal eine umfangreiche Renovierung ansteht, bei der auch die Denkmalpflege sowie das Erzbistum Köln mit im Boot sind. Möglich sei aber eine Art Kulturzentrum, in dem die Glocken als "weltliches Geläut" zu bestimmen Anlässen weiterhin erklingen könnten. Von dieser Idee zeigt sich auch Matthias Braun angetan, denn in der Natur der Sache einer Glocke liege es, dass sie läutet und nicht irgendwo abgestellt ist.