13.09.2020 - 10:00

Pontifikalamt im Kölner Dom Vierundzwanzigster Sonntag im Jahreskreis

Weihbischof Dominikus Schwaderlapp blickt im Pontifikalamt am vierundzwanzigsten Sonntag im Jahreskreis mithilfe des Evangeliums auf Rechenschaft, Barmherzigkeit und Entscheidung. 

Drei Worte können helfen, zu erfassen, was die Botschaft Jesu hier bedeute, so Schwaderlapp. Diese seien "Rechenschaft, Barmherzigkeit und Entscheidung".

Rechenschaft

Der König kam, um von seinen Knechten Rechenschaft zu verlangen. Auch wir "werden einmal vor Gott Rechenschaft geben", so Weihbischof Schwaderlapp. Früher seien die Gebete selbstverständlich gewesen: "Bewahre uns vor einem jähen und unversehenen Tod".

Hier erinnert Schwaderlapp auch an das Ave Maria, in dem es heißt: "Bitte für uns Sünder jetzt, und in der Stunde unseres Todes".

Zur Gerechtigkeit Gottes gehörten auch das Gericht und die Rechenschaft. "Gericht, Reinigungsort, auch Fegefeuer genannt, und die Hölle – sie bringen eine Gerechtigkeit, die wir Menschen auf Erden nicht finden können," so der Kölner Weihbischof.

Die Kirche habe die Aufgabe, "immer wieder auf den hinzuweisen, der von uns Rechenschaft verlangt," stellt Weihbischof Schwaderlapp fest, "und seine Wirklichkeit gegen unsere Lebenswirklichkeit gegenüberzustellen, damit wir wirklich zu ihm finden."

Barmherzigkeit

Rechenschaft aber werde getragen von einem zweiten Wort, und das sei "Barmherzigkeit", so Schwaderlapp. Im Gleichnis, das Jesus im Evangelium des Tages erzählt, erlässt der König dem Knecht seine Schuld von 10.000 Talenten – welch eine große Barmherzigkeit.

Dies sei die "Botschaft der Hoffnung, die trotz allem ernst dieses Evangeliums an uns ergeht: Die offenen Arme Jesu Christi, die er für uns am Kreuz geöffnet hat", sie seien so weit, dass "sie alle Schuld tragen können", erklärt Weihbischof Schwaderlapp. "Wir müssen uns nur in diese Hände begeben".

"Leben wir in dem Bewusstsein, dass wir von Gottes Barmherzigkeit umfangen und getragen sind? Haben wir sie überhaupt nötig?", fragt der Kölner Weihbischof. Seit Jahrzehnten sei immer mal wieder von dem "Unschuldswahn" die Rede. Schuld seien die Umstände oder andere – aber man selbst?

Bedrückt stellt Weihbischof Schwaderlapp fest, dass das Bußsakrament in unserem Lande weithin vergessen sei. Wäre uns mehr bewusst, wie sehr wir auf die Barmherzigkeit Gottes angewiesen seien, "wie sehr würden wir doch dieses Geschenk wahrnehmen".

"Haben wir die Demut, einzusehen, dass wir auf die Barmherzigkeit Gottes angewiesen sind?", fragt Schwaderlapp, und stellt fest: "Wenn wir diese Demut haben, wenn wir dazu stehen, dann wird die Barmherzigkeit Gottes, ob in der Eucharistie, ob im Bußsakrament, ob im Gebet zu einem Erlebnis, was einen trägt, befreit und hält. Über alle menschlichen Schwächen hinaus. Gott ist stärker – welch ein Geschenk, diese Barmherzigkeit."

Entscheidung

Rechenschaft und Barmherzigkeit – beides gehöre zusammen, so Schwaderlapp. Die Entscheidung schließlich sei von uns gefordert.

Im Evangelium hat der Knecht, dem seine Schuld erlassen wurde, selbst einen Schuldner. Was er von diesem verlange, sei an sich nichts Unrechtes. Gemäß den Gesetzen sei er im recht, wenn er die Schuld zurückverlange.

Aber das reiche nicht. Christsein bedeute nicht, ganz nett zu sein, Christsein bedeute auch nicht nur, irgendwie gerecht zu sein, sondern Christsein bedeute, "die Barmherzigkeit zu leben", stellt Weihbischof Schwaderlapp fest.

Macht in der Kirche

Im Rahmen des synodalen Weges sei die Frage nach der Macht ein wichtiges Thema. Die Kirche aber lebe nicht von der gerechten Verteilung der Macht. Sie lebe auf göttlicher Seite von Jesus Christus, "der sich uns in den Sakramenten schenkt" und auf menschlicher Seite davon, dass wir das Christentum leben, die Barmherzigkeit leben", so Schwaderlapp. Hier gebe es keinen Unterschied zwischen Amt und Laien. Hier seien alle gleichermaßen gerufen. "Durch unser Leben können wir, mit der Hilfe Christi, die Welt verändern".

Übertragung

DOMRADIO.DE übertrug am vierundzwanzigsten Sonntag im Jahreskreis das Pontifikalamt aus dem Kölner Dom mit Weihbischof Dominikus Schwaderlapp. Es sang eine Chorgruppe des Mädchenchores am Kölner Dom unter der Leitung von Oliver Sperling. An der Orgel: Winfried Bönig

"Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich angefleht hast. Hättest nicht auch du mit deinem Mitknecht Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte?" (Mt 18,32 f.)

Zum Sonntagsevangelium (Mt 18,21-35)

Jesus verlangt, man solle dem Bruder, das heißt jedem Menschen, aufrichtig verzeihen: "von ganzem Herzen". Petrus fragt nach einem Maßstab, einer Grenze. Es gibt keine Grenze. Wir leben jeden Tag davon, dass Gott uns verzeiht. Die empfangene Vergebung aber bedeutet Verpflichtung und Verantwortung, so sehr, dass der barmherzige Gott den zurückweist, der nicht barmherzig sein und seinem Bruder nicht verzeihen will.

Aus: Schott-Messbuch. Lesejahr A. Verlag Herder

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