Kaplan Thomas Hufschmidt
Kaplan Thomas Hufschmidt

30.03.2018 - 07:00

Fastenimpuls von Kaplan Thomas Hufschmidt Karfreitag

Jeden Tag ein Impuls: Mit Kaplan Thomas Hufschmidt aus der Pfarreiengemeinschaft Sinzig durch die Fastenzeit.

Schrifttext:

Jes 52,13-53,12

Seht, mein Knecht hat Erfolg, er wird groß sein und hoch erhaben. Viele haben sich über ihn entsetzt, so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch, seine Gestalt war nicht mehr die eines Menschen. Jetzt aber setzt er viele Völker in Staunen, / Könige müssen vor ihm verstummen. Denn was man ihnen noch nie erzählt hat, das sehen sie nun; was sie niemals hörten, das erfahren sie jetzt.

Wer hat unserer Kunde geglaubt? Der Arm des Herrn - wem wurde er offenbar? Vor seinen Augen wuchs er auf wie ein junger Spross, wie ein Wurzeltrieb aus trockenem Boden. Er hatte keine schöne und edle Gestalt, sodass wir ihn anschauen mochten. Er sah nicht so aus, dass wir Gefallen fanden an ihm. Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut. Wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt, war er verachtet; wir schätzten ihn nicht.

Aber er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, von ihm getroffen und gebeugt. Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir hatten uns alle verirrt wie Schafe, jeder ging für sich seinen Weg. Doch der Herr lud auf ihn die Schuld von uns allen.

Er wurde misshandelt und niedergedrückt, aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, so tat auch er seinen Mund nicht auf. Durch Haft und Gericht wurde er dahingerafft, doch wen kümmerte sein Geschick? Er wurde vom Land der Lebenden abgeschnitten und wegen der Verbrechen seines Volkes zu Tode getroffen. Bei den Ruchlosen gab man ihm sein Grab, bei den Verbrechern seine Ruhestätte, obwohl er kein Unrecht getan hat und kein trügerisches Wort in seinem Mund war.

Doch der Herr fand Gefallen an seinem zerschlagenen (Knecht), er rettete den, der sein Leben als Sühnopfer hingab. Er wird Nachkommen sehen und lange leben. Der Plan des Herrn wird durch ihn gelingen. Nachdem er so vieles ertrug, erblickt er das Licht. Er sättigt sich an Erkenntnis. Mein Knecht, der gerechte, macht die vielen gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich. Deshalb gebe ich ihm seinen Anteil unter den Großen und mit den Mächtigen teilt er die Beute, weil er sein Leben dem Tod preisgab und sich unter die Verbrecher rechnen ließ. Denn er trug die Sünden von vielen und trat für die Schuldigen ein.

Impuls:

Karfreitag. Wieder einmal Karfreitag. Es gehört dazu, dass zwei Tage vor Ostern die Welt – jedenfalls kirchlich gesehen – zum Stillstand kommt. Wir gedenken des Todes Jesu.

Der Karfreitag ist auch ein Tag, den sie und ich selbst durchleben müssen. Seit dem Moment, in dem ein jeder von uns das Licht der Welt erblickt hat, steht fest, dass wir sterben und somit den eigenen Karfreitag durchleben müssen.

Es gibt aber noch viel mehr solcher Karfreitagssituationen. Wir erleben sie heute, weil wir des Todes Jesu gedenken; weltweit. Wir erleben sie in allen Krisengebieten der Erde; Tag für Tag. Wir erleben sie in unserem Land, unserer Stadt, unserer Familie, wenn Menschen sterben. Karfreitag: eine Realität.

In der Lesung aus dem Buch Jesaja haben wir vom leidenden Gottesknecht gehört. "Er wurde misshandelt und niedergedrückt." "Durch Haft und Gericht wurde er dahingerafft." Und dann heiß es plötzlich: "Doch der Herr fand Gefallen an seinem zerschlagenen Knecht." In allem Elend, das der leidende Gottesknecht erfährt, wird er angenommen von Gott. Im neuen Testament ist das Jesus, der diese Verheißung erfüllt.

Den Karfreitag gilt es zunächst einmal auszuhalten, in seiner Traurigkeit und Betroffenheit. Denn auf den Spuren Jesu zu gehen heißt auch dies in Freud und im Leid zu tun. Das Optimistische liegt jedoch darin, dass heute nicht das Ende ist. Der Karfreitag ist offen auf Ostern. Indem der Weg Jesu heute nicht endet ist auch unser Weg im Leid und im Tod offen, auf das ewige Ostern bei Gott.  

(DR)