Bordellszene von 1537
Bordellszene von 1537

04.10.2015 - 19:00

Ehe, Familie, Sexualität Inzucht, Prostitution und Reinheit

In der fünften und letzten Folge dieser Staffel beschäftigt sich domradio-Bibel mit den Themenfeldern Inzucht, Prostitution und Reinheit im Lichte des Alten und Neuen Testaments.

Eines der Tabuthemen in der Heiligen Schrift ist die Inzucht, welche auch heute in unserer modernen Gesellschaft weitgehend abgelehnt wird. Im Umfeld des Alten Bundes sah es jedoch bisweilen anders aus. So kannte man in Ägypten die Verbindung zwischen Geschwistern. Im Buch Levitikus wird der sexuelle Kontakt zwischen engen Verwandten untersagt. "Das hat mit biologischen Gründen wohl gar nichts zu tun, sondern es geht hier vielmehr um den Schutz des Lebensraumes Sippe", sagt dazu Dr. Gunther Fleischer von der Erzbischöflichen Bibel- und Liturgieschule in Köln.

Prostitution gehört sicherlich nicht zu den ehrenwerten Handlungen in der Bibel. Das Alte Testament nimmt sie jedoch mehr als gegeben hin als beispielsweise Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth. Das mag unter anderem damit zusammenhängen, dass der Gang zu einer Dirne im Alten Bund nicht unter die Rubrik Ehebruch fiel, da Sexualität immer vom Mann her gedacht wurde und Ehebruch immer nur dann vorlag, wenn er mit der Frau eines anderen Mannes verkehrte. Dass selbst eine kanaanäische Prostituierte positiv charakterisiert wird, zeigt die Dirne Rahab, bei der die Kundschafter im Buch Josua vor der Eroberung Jerichos einkehrten.

Eine große Angst hatte man im Alten Bund vor allen unkontrolliert austretenden Körperflüssigkeiten. Das 15. Kapitel des Buches Levitikus schreibt daher bei Ausfluss, Blutfluss und Samenerguss aufwendige Reinigungsrituale vor. Die Betroffenen galten zur Zeit ihrer Unreinheit als unberührbar. Vor diesem Hintergrund sind die Heilungsgeschichten Jesu in den Evangelien zu verstehen, wenn er zum Beispiel die blutflüssige Frau von ihrem Leiden befreit.

Zu besprechende Texte:

- Lev 18,6-10

- Jos 2,1-21

- 1 Sam 21,2-7

- Lev 15

- Mk 5,25-34