Ein eigenes Straßenschild hat auch nicht jeder
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Weihbischof Koitz im Büro
Weihbischof Koitz im Büro
Vom Wohnzimmer aus direkter Blick zum Dom
Vom Wohnzimmer aus direkter Blick zum Dom
Das Lebenswerk
Das Lebenswerk
Der Lieblingsort im sanierten Dom
Der Lieblingsort im sanierten Dom
Engel im Vorgarten des Weihbischofs
Engel im Vorgarten des Weihbischofs

11.03.2018 - 17:00

Ein Dach für die Seele Weihbischof em Hans-Georg Koitz

Was für eine Entscheidung! Das Bistum Hildesheim steckte in allerhöchsten Finanznöten, schloss Kindergärten schließen und entließ Mitarbeiter. Da beschloss Weihbischof Hans-Georg Koitz, damals Diözesanadministrator des Bistums, dass die Menschen ein Dach über der Seele brauchen: Und veranlasste eine millionenschwere Sanierung des Domes.

„Wenn ich frühmorgens lüfte, die Gardinen zurückziehe, dann erfreue Tag für Tag an diesem Bauwerk", sagt Weihbischof Koitz, als wir gemeinsam in seinem Wohnzimmer stehen. Über den Domhof wuseln viele Menschen: der sanierte Dom zieht Hildesheimer und Touristen in Scharen an. Es war ein großer Konflikt, den Weihbischof Koitz eingegangen ist, "ein großes Wagnis." Das Gewusel im Domhof stellt gleich klar, dass das Wagnis gelungen ist. Die gastfreundlichen kleinen Kuchen auf dem Wohnzimmertisch müssen warten, bis wir unsere Sendung Menschen aufgenommen haben und ich mehr über diesen Konflikt und seinen guten Ausgang weiß.  
 
Jesus hat von Herz zu Herz gesprochen.
Jeder Mensch hat etwas, das ihn antreibt, hat der Weihbischof in einem Interview gesagt, ich will wissen, was ihn selbst antreibt: "Den Menschen Wege bauen zu einem gelingenden Leben. Jesus hat von Herz zu Herz gesprochen. Das hat Menschen gesund gemacht. Und so will ich auch leben." 

Als Kind musste Hans-Georg Koitz seine schlesische Heimat verlassen. Mutter und Onkel führten die Konditorei, Café und Tanzsaal weiter, solange die Umstände es zuließen. Die Familie kam in ein Durchgangslager nach Gosla, baute sich ein neues Leben auf. Die Zeit hat den Weihbischof geprägt: "Ich habe Hunger und Ablehnung erlebt, einmal bin ich von Polen bestohlen worden und kam weinend nach Hause gekommen. Ich weiß, was Menschen brauchen. Als Kind habe ich gelernt: es muss Menschen geben, die für andere Menschen da sind. Deswegen wollte ich Priester werden."
Und der Weibischof wollte mit jungen Menschen arbeiten. Das durfte er, in Afrika wie in Deutschland.

Ein Geistlicher darf kein Hagestolz sein
"Nigeria musste ich mir erkämpfen" - aber schließlich gab der Bischof doch nach und Weihbischof Koitz reiste nach Nigeria. „Afrika war anders, als ich es mir vorgestellt hatte. „ Die Stämme bekriegten sich schon damals. Dann brach der Biaffrakrieg aus. Das war grausam. Wir haben Menschen auf dem Dachboden der Schule gerettet. Aber viele wurden umgebracht. Es war die "dryseason", Sommerzeit, die Erde war zu hart, um Gräber zu schaufeln.  Wir konnten uns nicht anders helfen, als Lastwagen zu bestellen und die Leichen in einen nahegelegenen  Teich abzuschütten." Weihbischof Koitz wäre gerne geblieben: „ich wollte  gerne vermitteln, aber der Bischof bestand darauf, dass ich zurückkam."

Unterdessen hatten in Deutschland die sogenannten 68er Jahre begonnen. Weihbischof Koitz erinnert sich an die „berühmten 68er Jahre. Schüler zogen wie alle anderen mit roten Fahnen und  Ho Chi Mhin Bibeln auf die Straße.“  Aber Weihbischof Koitz konnte die Rebellion seiner  Schüler - auch – verstehen und hatte gute Jahre als Lehrer. Dann wurde er Regens. Wann hat er einen Kandidaten abgelehnt? " Ich hatte ein Kriterium, eine Frage: Ist dieser Mann geeignet ein guter Ehemann und Vater zu sein? Wenn ich mir die Antwort gab: nein. Dann habe ich ihn abgelehnt. Wer als Geistlicher leben will, muss ein Gespür für Menschen haben. Sonst wird er ein Hagestolz, sonst wird er jemand, der abgehoben seine Theologie an die Menschen verkauft, das geht nicht.“

Ein Dach für die Seele
"2003/2004 war die finanzielle Situation im  Bistum desaströs, die Finanzen waren vor die  Wand gefahren. Wir mussten sparen, sparen, sparen.“ Im Klartext hieß das: Kindergärten schließen und Mitarbeiter entlassen. „Das war mein schmerzlichster Prozess als Weihbischof.“ Die Finanznot war nicht das einzige Problem: „Der Dom war ein Wrack damals".  Nach dem Krieg konnte der Dom nur notdürftig repariert werden, danach aber dann war kein Geld für eine gute Instandhaltung mehr da. „Die Frage war: was tun wir? Lassen wir den Dom verrotten oder wagen wir einen Neuanfang?“

Weihbischof Koitz wagt den Neuanfang  und weiß warum: „Hier sollen die Menschen sich wohl fühlen, hier sollen die Menschen ein Dach über der Seele haben.“  Warum ihm das wichtiger als Kindergärten war? „Wir mussten einen Akzent setzen, was sonst verfallen würde. Ein Dom ist für alle da. Ein Kulturgut. Für dieses Kulturgut müssen wir uns krumm legen." Weihbischof Koitz begann einen  „Bettelgang durch Bund; Land, undStiftungen. Ein Drittel aber musste durch Spenden kommen. Und die Spendenfreudigkeit wurde riesig groß“.

Der kunstsinnige Weihbischof schließt: „Kunst steht über Parteien und Konfessionen und Religionen. Kunst wirkt auf alle.“
 

 

Moderation: Angela Krumpen