Rolf Zuckowski
Rolf Zuckowski

30.08.2020 - 18:00

Einer von euch sein Rolf Zuckowski

"Ich will kein Star sein, den man auf Rosen bettet" singt Rolf Zuckowski in der Sendung Menschen. Ein sinniger Auftakt zu einer bewegenden Sendung über die Musik als roten Faden im Leben des Komponisten und Liedermachers. 

An einem heißen Samstagnachmittag im September treffe ich mich mit Rolf Zuckowski in einer kleinen, grünen Oase im Herzen von Köln: im Garten des Priesterseminars. In der Nähe von surrenden Bienenstöcken verblüfft mich Rolf Zuckowski gleich zu Beginn. Als ich aus seinem Lied "Einer von Euch sein" zitieren will – singt er die Zeilen lieber gleich ins Mikrofon. Welch charmanter Auftakt zu einer Sendung über die Kraft der Musik!

Einer von Euch sein. Und frei sein

"'Einer von Euch sein' ist nicht kumpelhaft gemeint" sagt Rolf Zuckowski. Er sei nur so verbunden mit dem Publikum, das wolle er einfach gerne bleiben können, ohne sich zu verbiegen. Oder, wie es im Lied weiter heißt: "will euch gewinnen und doch frei sein." Und, gelingt das mit dem Freibleiben in der Welt der Verkaufszahlen, will ich wissen?

"Weitgehend", antwortet Rolf Zuckowski, "man will ja auch gehört werden." Er habe sich fast immer freigeschwommen. Auch indem er kleine Schritte, z.B. Langspielplatten für Erwachsene aufzunehmen, gewagt habe: "die Eltern der Kinder hören ja mit", Lieder, die nicht wie Statements, "sondern ein bisschen wie Prosa, auch zu gesellschaftlichen Themen, wie Vater, Mutter, Kind" klingen sollen.

Musik kann sagen, was man so nicht aussprechen will

In der Nachkriegszeit geboren, wächst Rolf Zuckowski im vom Krieg zerstörten Hamburger Stadtteil Winterhude auf. Der Vater ist als Seemann viel unterwegs, die Mutter muss die Kinder alleine durchbringen. Über sie schreibt Rolf Zuckowski in seiner Biographie: "Meine Mutter sang, je nach Tagesstimmung und Lebenslage, leidenschaftlich ihre Lieblingsmelodien. Und, wenn es ihr so richtig gut ging, stieg sie auf den Tisch, tanzte für uns und ihre Freunde wie der Filmstar Marika Rökk."

Rolf Zuckowski lächelt, als ich ihm dieses Zitat vorlese: "Ich habe sie jetzt wirklich auch direkt so vor mir. Auf den Tisch gestiegen ist sie wirklich nur bei Partys. Aber wir haben an den Liedern immer gespürt, wie es Ihr ging." Wenn die Mutter sang, "Immer nur lächeln, immer vergnügt", aus der Operette Land des Lächelns, dann sei das "oft auch ein bisschen Verzweiflung gewesen. In Musik verpackt ließ es sich so leichter ertragen." In einer Familie, in der "die Sprachgewalt nicht so zu Hause war", glaubt Rolf Zuckowski, steckte in den Liedern eine Botschaft, die man so nicht aussprach.  

In China mit der Vogelhochzeit

20 Millionen Tonträger hat Rolf Zuckowski verkauft. In der Sendung lassen wir diese beispiellose Karriere über viele Jahrzehnte  Revue passieren: Die Anfänge mit der Schülerband "BeAthovens", in Hamburg damals eine Institution. Der Weg in die Welt der Musik über einen Musikverlag. Das Entdecken von Kinderliedern, alten wie neuen, mit den eigenen Kindern.

Das Singspiel die Vogelhochzeit, die über Jahre niemand verlegen wollte – und heute bis nach Shanghai exportiert wird. Die Arbeit mit anderen Musikern, die Erfolge beim Grand Prix d’ Eurovision, die Karriere mit den Kinderliedern. Wir erzählen, wie "Du da, im Radio" ins Radio kam und "Ganz doll mich" ins Fernsehen.

Ich schaff das schon!  

Natürlich reden wir auch über die Kinderliederklassiker, die wirklich jedes Kind kennt, also über „Wie schön, dass Du geboren bist“ und die "Weihnachtsbäckerei". Rolf Zuckowskis Lieblingslied aber ist: "Ich schaff das schon". Das Lied drücke eine beklemmte Stimmung aus, die man wieder loswerden wolle: "Entstanden ist das Lied mit meinem Sohn, als der bei einem Spaziergang stolperte. Ich wollte ihn aufheben und da sagt er, nein, ich schaffe das schon!"

Zu diesem Lied bekäme er viel Post von Menschen, die erzählen, wie das Lied ihnen "in Krisen, in ganz tiefen Kellern geholfen hat".

Und da sind wir wieder bei dem, was Musik vermag: "wie meine Mutter sich mit Liedern Mut gemacht hat, sich wie mit einem Motor wieder nach oben zu arbeiten. Ans Licht."

Was Rolf Zuckowski heute noch schaffen will, warum er kluges Gendern für wichtig und richtig hält, die Sprache das aber nicht alleine schaffen könne und an welchen Stellen Rolf Zuckowski in der Sendung sonst noch spontan singt? Hören Sie selbst! Unten, die Sendung Menschen mit Rolf Zuckowski zum Anhören und Runterladen.

 

Moderation: Angela Krumpen