Protest Pfarrer Peter Kossen
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Pfarrer Peter Kossen
Pfarrer Peter Kossen
Pfarrer Peter Kossen schwarz/weiß
Pfarrer Peter Kossen schwarz/weiß
Pfarrer Peter Kossen
Pfarrer Peter Kossen Protest
Protest Pfarrer Peter Kossen
Protest Pfarrer Peter Kossen

05.07.2020 - 18:00

Der Pfarrer und die "Wegwerfmenschen" Peter Kossen

"Wegwerfmenschen" nennt Pfarrer Peter Kossen seit Jahren Arbeitsmigrant*innen, die in Schlachthöfen  ausgebeutet werden. Aber erst in der Coronapandemie und einer Ansteckungsgefahr für uns, bekommt er breite Aufmerksamkeit.

Was mich, ehrlich gesagt, sehr ärgert. Als wenn die unerträglichen Bedingungen, unter denen osteuropäische Arbeitsmigrant*innen in Deutschland leben und ausgebeutet werden, erst mit unserer Ansteckungsgefahr relevant würden? Mich interessiert, wie Pfarrer Peter Kossen diese neue Medienaufmerksamkeit, die diese egozentrischen Perspektive mit sich bringt, aufnimmt? Findet er sie zynisch?

Den Skandal benennen, damit Aufmerksamkeit für die Wahrheit da ist

Aber Peter Kossen ist froh, dass das Thema endlich öffentlich wird. Den Mix aus Motivationen sehe er zwar mit einer gewissen Skepsis. „Tatsächlich scheint es so zu sein, das das Thema dran ist, weil Leute realisieren: es rückt mir auf die Pelle, wenn in der Nachbarschaft so eine Massenunterkunft ist“. Aber dann lege er solche Gedanken schnell wieder weg: „wenn im Endeffekt etwas Gutes raus kommt für die Arbeitsmigrant*innen“, sei die Motivation für ihn zweitrangig.

Pfarrer Peter Kossen nimmt kein Blatt vor den Mund. Anfang Mai hat er in einer angemeldeten Einzeldemonstration vor einem Schlachthof in Coesfeld mit Maske und Plakaten wie „Moderne Sklaverei endlich beenden“ demonstriert. Das große Medieninteresse sagt er, „war ja mein Ziel.“

Ich singe, um zu singen. Das Lied von der Gerechtigkeit

In der Sendung lerne ich viel. Ich dachte z.B. immer: Mindestlohn heißt Mindestlohn, heißt: alle Menschen verdienen in Deutschland eben mindestens den Mindestlohn. Weit gefehlt, lerne ich. Wir erzählen in der Sendung auch, wie das Aufwachsen im Südoldenburger Land Peter Kossen geprägt hat. Und welche Rolle Adolph Kolping dabei spielt – hören Sie in der Sendung.

Wir sprechen auch über das Theologiestudium in Münster bei lauter großen Professoren, wie Johann Baptist Metz, über die Zeit in Rom, in Recklinghausen, Nordwalde und Emmerich. In einer Predigt von Peter Kossen finde ich das Zitat eines Liedermachers: „Ich singe, weil ich singen muss“. Peter Kossen streitet, weil er das „Lied der Gerechtigkeit“ singt.

Niemand soll mehr Staub aufwirbeln, als er bereit ist zu schlucken

Wir haben viele Themen: sprechen über seine Mitgliedschaft in der Fokolarbewegung, deren weltweite Gemeinschaft Peter Kossen fasziniert. Wir sprechen über Spaltung wegen unüberbrückbarer Meinungsverschiedenheiten, wie es ist, wenn wirtschaftlicher Druck von Unternehmer*innen ausgeübt wird, mit ausbleibenden Spendengeldern gedroht wird, oder ein geköpftes Kaninchen vor der Türe liegt.

Das seien natürlich Mafiamethoden. Doch wer Druck aufbaue, müsse auch Druck aushalten, ist Peter Kossen überzeugt. An vielen Beispielen wird klar, worum es geht: dass Menschen 260 Stunden im Monat arbeiten z.B. Oder mit Ende 20 wie Ende 50 aussehen, weil sie sich in den Massenunterkünften nicht erholen können, nachts „Ausstallen müssen“, d.h. schwere, schlachtreife, sich heftig wehrende Tiere verladen müssen. Werden die Arbeiter*innen aber krank, folgen Arbeits- und Obdachlosigkeit.

Peter Kossen ist verbindlich, immer bereit, die andere Seite zu sehen. Aber: „bei der brutalen Art, wie mit Menschen umgegangen wird, da kann es für mich keine Kompromisse geben.“

Erstausstrahlung: 14.06.2020

 

Moderation: Angela Krumpen