Die Dormitio-Abtei auf dem Jerusalemer Zionsberg
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Pater Nikodemus Schnabel
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Unruhen in Jerusalem
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Brandschäden im Kloster Tabgha
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Brotvermehrungskirche und Kloster Tabgha
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20.06.2021 - 18:00

Leben out-of-the-box Nikodemus Schnabel

Als evangelisches Scheidungskind einer schauspielernden Mutter mit malendem Stiefvater saß Pater Nikodemus in katholischen Dörfern zwischen allen Stühlen. Eine gute Übung für einen christlichen Mönch in Jerusalem. Eine Sendung über ein Leben out-of-the-box.

Nikodemus Schnabel ist heute Benediktinerpater der Abtei Dormitio in Jerusalem. Benediktiner verbringen ja ihr Leben an einem Ort. Aber Corona macht auch vor der ehrwürdigen, sogenannten „stabilitas loci“ des Benediktinerordens nicht halt. Corona hat Pater Nikodemus erst in Belgien stranden lassen, jetzt treffe ich ihn online in einem leeren Vorlesesaal an der Universität der Benediktiner in Rom. Denn hier ist das renommierte Studienjahr, das eigentlich in Jerusalem stattfinden soll, während Corona gestrandet. Und Pater Nikodemus als Verantwortlichem gleich mit.  Eine gute Ausgangslage, um über ein Leben out-of-the-box, also außerhalb der Norm, zu sprechen.

Wo die Sehnsucht auf der Straße liegt

„Vielleicht war Benediktinermönch werden ein therapeutisches Gegengewicht“, sagt Pater Nikodemus. Und spielt damit auf seine Kindheit an, die man sich wirklich außerordentlich alternativ und von vielen Ortswechseln geprägt vorstellen muss, „das war schon ein halbnomadisches Leben.“

Ein Abenteuerliches noch dazu: Als Kind hat Pater Nikodemus in einer Schule, in einer Autowerkstatt und einer Mühle gewohnt. Die Mutter Schauspielerin, der Stiefvater Künstler und Kunstsammler haben ihr Quartier an immer neuen Orten aufgeschlagen. Wie Nikodemus Schnabel in vielerlei Hinsicht von diesem Leben profitiert hat und warum es ihn nach Jerusalem geführt hat, „wo die Sehnsucht auf der Straße liegt“, verrät der Pater im Podcast, der Sonntags im DOMRADIO ausgestrahlt wird.

Geborgenheit bei katholischen Ordensschwestern

Wie immer aber gibt es Segen und Fluch. Das Nomadentum hat dem kleinen Jungen nicht nur gutgetan. Als evangelisches Scheidungskind, die Mutter mit Stiefvater „in Sünde“ lebend, saß Pater Nikodemus in katholischen Dörfern zwischen allen Stühlen.

„Wenn im Dorf ein Huhn fehlte, war klar, dass ich oder die Kinder aus dem Kinderheim am Ort es gestohlen hatte“, erzählt Pater Nikodemus. Das Heim wurde von Maria Ward Schwestern geleitet, die für den kleinen Claudius, wie der bürgerliche Name von Pater Nikodemus lautet, immer einen Teller und ein offenes Ohr hatten. Wie auch der katholische Pfarrer im Ort. Überraschung, "anders als so viele, habe ich als Kind die katholische Kirche als Ort der Freiheit erfahren.“

Ausgerechnet YouTube als ein Ort echter Fragen und Antworten

Pater Nikodemus hat viel erlebt in seinem Leben. Und so folgen wir im Podcast den Orten, Extremen und Einsichten, die er gewann. Begleiten ihn nach Fulda ins Priesterseminar. Welches er ohne eine Reise nach Mexiko in den Dschungel Mexikos mit Priestern, die eine Machete brauchten, um zu ihrer Gemeinde zu kommen, vielleicht nicht durchgehalten hätte.

Das intensive, echte Leben dieser Priester will Pater Nikodemus auch leben. In Jerusalem, einer Stadt voller Extreme, die alle irgendwie um Gott und die großen Fragen kreisen, hat er einen Ort gefunden, an dem er seine tiefe Sehnsucht nach Gott leben kann.

Darüber sprechen wir. Natürlich. Aber wir sprechen auch über Berlin und seine Zeit im Auswärtigen Amt. Über Rom. Und über YouTube sprechen wir auch. Vor allem über ein Video, in dem Pater Nikodemus unvorbereitet und unmittelbar auf unzensierte Fragen antwortet. Fragen, die man jetzt auch in seinem neuesten Buch nachlesen kann. Im Podcast hören Sie, was Pater Nikodemus am liebsten ist, also: echte Fragen, echte Sehnsucht, echte Antworten.