21.02.2016 - 08:50

Sonntagsfrage: Was sollen die an der Kirche? Dämonen, Drachen und Drohgestalten

Sie reißen ihr Maul auf, strecken uns ihre Zunge entgegen und sehen alles andere als freundlich aus: Fratzen und Drohgestalten, die unsere Kirchen zieren. Aber wieso sind sie dort angebracht – was sollen diese dämonische Gestalten?

Schon in der Romanik und später in der Gotik und Renaissance verwendete man, besonders bei größeren Kirchengebäuden, häufig dämonische Gestalten oder Tiere in einer symbolischen Bedeutung.

Wasserspeier mit abschreckender Wirkung

Als Wasserspeier findet man sie zu Hunderten an den Außenfassaden der Kirchen: Diese wasserspeienden Wesen werden Gargoyles, auch Gargylen genannt und haben den Ruf, Beschützer zu sein. Sie werden mit animalischem Körper und Gesicht dargestellt, seltener mit menschenähnlichem Körper und dämonischen Gesichtszügen. Häufig haben sie Schwingen, mit denen sie aber laut Mythologie nicht fliegen, sondern nur gleiten können. Gargoyles besitzen mächtige, dreifingrige Klauen und sind, wie Drachen, sechsgliedrige Lebewesen.

Doch: Ihr dämonisches Aussehen hat einen positiven Hintergrund. Es soll den Geistern und Dämonen einen Spiegel vorhalten, soll sie vergraulen und Kirchen und Klöster vor bösen Mächten schützen. Genau aus diesem Grund befinden sie sich auch immer außen und niemals innen im Kirchenraum. Sie symbolisieren den Einfluss des Teufels auf die irdische Welt, der in absolutem Kontrast zur Reinheit des Himmelsreiches - symbolisiert durch das Innere der Kirche – steht.

Drachengestalten

Dass an mittelalterlichen Kirchen auch Wasserspeier in der Form eines Drachenkopfes behauen wurden, bezieht sich auf den Drachen in der Apokalypse, dem letzten Buch der Bibel. Er will die Frau, die ein Kind geboren hat, verschlingen. "Als der Drache erkannte, dass er auf die Erde gestürzt war, verfolgte er die Frau, die den Sohn geboren hatte. Aber der Frau wurden die beiden Flügel des großen Adlers gegeben, damit sie in die Wüste an ihren Ort fliehen konnte. Die Schlange spie einen Strom von Wasser aus ihrem Rachen hinter der Frau her, damit sie von den Fluten fortgerissen werde. Aber die Erde kam der Frau zu Hilfe, sie öffnete sich und verschlang den Strom....", lesen wir in der Offenbarung Kapitel zwölf.
Der Drache wird aber nicht als Sieger, sondern als Besiegter dargestellt. Der Erzengel Michael oder der Heilige Georg halten ihn mit ihrer Lanze am Boden nieder. Jesus, als Auferstandener dargestellt, steht auf einem kleinen Drachen.