18.09.2016 - 06:30

Poulencs Stabat mater-Vertonung in der Vorstellung Subtiler Schmerz

Das Stabat mater ist ein mittelalterliches Gedicht, das die Gottesmutter Maria in ihrem Schmerz um den gekreuzigten Jesus besingt.

 

Dieser Text wird vor allem am Passionssonntag – also dem Sonntag vor dem Palmsonntag – und am 15. September - dem Fest "Gedächtnis der Schmerzen Mariens"- gebetet.

Der Beter des Stabat Mater fühlt mit Maria, teilt ihren Schmerz um Jesus Christus. Francis Poulenc, der in anderen Werken durchaus auch harte, atonale Klänge komponierte, fühlt dem Schmerz hier sehr behutsam nach. Zehn Strophen umfasst das Gedicht über die Gottesmutter Maria. Poulenc vertonte es für Solo-Sopran. Chor und Orchester. Vor allem am 15. September wird der Text gebetet, das ist das Fest Gedächtnis der Schmerzen Mariens. Dieser Tag steht im Zusammenhang mit dem Fest Kreuzerhöhung am 14. September. Das bezieht sich auf die Grabeskirche in Jerusalem. Über dem leeren Grab von Jesus Christus wurde im 4. Jahrhundert die besagte Grabeskirche errichtet und am 13. September 335 geweiht. Und am 14. September, dem Tag nach der Kirchweihe, wurde in der neuen Kirche dem Volk zum ersten Mal zur Verehrung das Kreuz gezeigt. Dabei wurde es in die Höhe gehalten, also erhöht, und somit verehrt.

Das Kreuz steht für den Tod Jesu Christi – seine Passion, Tod und Auferstehung werden in der Bibel geschildert. Das Johannesevangelium erwähnt bei der Passion Maria, die Mutter Jesu. Der Schmerz der Gottesmutter angesichts des Leidens ihres Sohnes, wird in einem mittelalterlichen Gedicht besungen. Die Vertonung von Poulenc von 1950 ist überwiegend tonal gehalten und verzichtet weitgehend auf harte Dissonanzen. Dennoch deutet der französische  den Text sehr eindrücklich. „Ist ein Mensch auf aller Erden, der nicht muss erweichet werden, wenn er Christi Mutter denkt“, diese Stelle vertont Poulenc mit deutlicher Musiksprache.

Vor seiner Hinwendung zur katholischen Kirchenmusik, hatte Poulenc vor allem Klaviermusik komponiert – er selber war ein ausgezeichneter Pianist, der schon als Jugendlicher öffentlich aufgetreten war. Mit Kirchenmusik hatte er zunächst nichts am Hut. Doch dann starb im Jahr 1936 ein enger Freund von ihm. Dies erschütterte den eigentlich nonkonformistischen Künstler zutiefst. Im Zuge der Verarbeitung des tödlichen Unfalls des Freundes fand Francis Poulenc wieder neu einen Zugang zum Glauben und zur katholischen Kirche und komponierte auch geistliche Werke. 1950 entstand dann seine Vertonung des Stabat Mater. Dass er auch gut für die menschliche Stimme schreiben konnte, beweist er nicht nur in seinen Opern, sondern auch im Stabat mater.

Um das mittelalterlichen Gedicht angemessen zu interpretieren, setzt Poulenc zahlreiche musikalische Mittel ein. So lässt er den Chor über mehrere Takte ohne Orchester singen, setzt punktuell auf Dissonanzen, verwendet viele orchestrale Farben, um den Text in all seine Facetten zu vertonen. Dazu ist das Werk eher kleinteilig angelegt, wechselt oft Charakter und Besetzung nach wenigen Takten.

(Erstsendedatum: 20.09.2015)

Moderation: Mathias Peter