Apostel Paulus
Apostel Paulus

22.01.2017 - 06:30

Mendelssohns Oratorium Paulus in der Vorstellung Musik zum Fest Pauli Bekehrung

Das Werk für Chor, Gesangssolisten und Orchester beschreibt die Wandlung des Saulus von Tarsus zum Apostel Paulus.

In zwei Teilen erzählt Mendelssohn das Wirken des Apostels. Seine Verfolgung der jungen Christengemeinden, dann die Bekehrung auf dem Weg nach Damaskus und seine Arbeit als Missionar. Die Uraufführung des Oratoriums 1836 löste bei den Zuschauern euphorische Reaktionen aus.

Zahllose Aufführungen in ganz Europa folgten, zu Lebzeiten von Felix Mendelssohn Bartholdy war es sein beliebtestes Werk. "Paulus" wurde als legitimer Nachfolger der immer noch sehr beliebten Oratorien von Georg Friedrich Händel angesehen. Der hatte im 18. Jahrhundert überragende Werke mit biblischem Inhalt komponiert. Die kamen beim Publikum sehr gut an und ließen ihn 25 Oratorien schreiben. Während andere Zeitgenossen wie Johann Sebastian Bach nach ihrem Tod für einige Jahrzehnten fast vergessen wurden, geriet Händel wegen seiner Oratorien nie in Vergessenheit oder seine Werke verschwanden auch nicht von den Spielplänen. Durch diese lebendige Oratorien-Tradition wurden Komponisten im 19. Jahrhundert dazu inspiriert, ebenfalls ähnliche Werke zu schreiben und diese Gattung fortzuentwickeln.

Vom Saulus zum Paulus – dieses Sprichwort basiert auf der biblischen Erzählung über den Apostel Paulus, der vom fanatischen Christenverfolger mit dem Namen Saulus nach einem spektakulären Bekehrungserlebnis zum glühenden Christusverehrer wird. Dieser Wandlung gedenkt die Kirche mit dem Fest Bekehrung des Heiligen Apostels Paulus am 25. Februar. Felix Mendelssohn Bartholdy war als Dirigent, Komponist und Musikmanager eine der prägenden musikalischen Persönlichkeiten im 19. Jahrhundert. Im Oratorium Paulus erzählt Mendelssohn in zwei Teilen das Wirken des Apostels. Zunächst wie er unerbittlich die Christengemeinde verfolgt, dann seine Bekehrung zu Jesus Christus auf dem Weg nach Damaskus und schließlich das Wirken als Missionar. Erster dramatischer Höhepunkt des Oratoriums ist die Verfolgung und Steinigung des heiligen Stephanus, die Saulus befürwortet:

Der Chor übernimmt in dem Oratorium wechselnde Rolle, mal ist er wie eben gehört das geifernde Volk oder er kommentiert mit Chorälen das Geschehen. Bei der entscheidenden Bekehrungsszene übernimmt er die Stimme von Jesus Christus. Saulus ist auf dem Weg nach Damaskus, um weitere Christen zu verfolgen – da erscheint in einem hellen Licht Christus und fragt ihn: Warum verfolgst du mich?

Eindringlich beschreibt Mendelssohn, wie sich Saulus nach dem Erlebnis grundlegend ändert. Er erkennt, wie fatal er die Christen verfolgt hat und lässt sich taufen. Im zweiten Teil des Oratoriums beschreibt Mendelssohn, wie Paulus predigt und das Evangelium verkündet. Aus dem Verfolger ist ein Gläubiger Christ geworden. Mendelssohn schildert in dem Oratorium aber nicht nur einfach die Handlung. Ähnlich wie Johann Sebastian Bach hundert Jahre zuvor bei seinen Passionen nimmt Mendelssohn auch freigedichtete Texte und andere Bibelzitate hinzu, um das Geschehen spirituell zu vertiefen und einige Aspekte zu meditieren. Saulus werden die Augen geöffnet und er bekehrt sich zum glauben, er wird im übertragenen Sinn zum Licht. Mendelssohn fügt für diesen Aspekt einen Jesaja-Text aus dem Alten Testament ein.

Der zweite Teil des Oratoriums konzentriert sich auf das missionarische Wirken des Paulus. Er heilt Kranke und erfährt viel Zuspruch, aber es gibt auch erbitterte Gegner. Der ehemalige Verfolger wird nun selbst verfolgt und muss gegen die Feinde bestehen. Das Werk endet, wie Paulus sich von Angehörigen der Gemeinde in Ephesus verabschiedet, um auf weiteren Reisen das Evangelium zu verkündigen.

Mendelssohn gelingt in dem Oratorium ein vielschichtiges Portrait über den Apostel Paulus. Religiöse Betrachtung und spannende Handlung wechseln sich ab. Diese Kombination erinnert nicht von ungefär an die Werke von Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel. Mit beiden Komponisten hatte sich Mendelssohn intensiv beschäftigt und ihre Werke aufgeführt.

Die Katholische Kirche feiert das Fest Bekehrung des Apostels Paulus am 25. Januar.

(Erstsendedatum: 24.01.2016)