Die Dresdner Hofkirche
Die Dresdner Hofkirche

15.01.2017 - 06:30

Die Missa ultima von Johann Adolph Hasse Vergänglicher Ruhm

Er war zu Lebzeiten berühmter als Johann Sebastian Bach und feierte grandiose Erfolge als Opernkomponist. Trotzdem ist Johann Adolph Hasse heute fast vergessen – zu Unrecht.

Seit den 1990er Jahren und dem Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche werden sehr intensiv die Werke von Dresdner Komponisten wiederaufgeführt. Das gilt sowohl für Musiker an der Frauenkirche wie an der katholischen Hofkirche.

Ein solcher Komponist war Johann Adolf Hasse, der heute erst nach und nach wieder ins musikalische Bewusstsein rückt. Zu seinen Lebzeiten war das anders. Er galt in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts einer der bekanntesten und vor allem erfolgreichsten Komponisten überhaupt. Vor allem auf dem Gebiet der Oper feierte er wahre Triumphe.

1699 bei Hamburg geboren, studierte er in den 1720er Jahren in Neapel beim berühmten Alessandro Scarlatti Harmonielehre und Tonsatz. Sehr schnell machte er sich in Italien einen Namen als Opernkomponist. Für den Dresdener Hof schrieb er 1731 die Oper Cleofide. Die Uraufführung in Dresden war ein riesiger Erfolg. Der sächsische Kurfürst war von Hasse so begeistert, dass er dem mittlerweile zum Katholizismus übergetretenen Musiker die Stelle des Sächsischen Hofkapellmeisters anbot. Pikant ist daran, dass sich sowohl Johann Sebastian Bach und als auch Jan Dismas Zelenka vergeblich um diese Stelle beworben hatten.

Hasse bekam also den Zuschlag und prägte in seiner neuen Stelle mehr als dreißig Jahre lang das musikalische Leben  der Stadt. Die Missa ultima in g ist dieser Zeit, ist dem Sächsischen Hof gewidmet. Für Hasse war es tatsächlich die ultimative Messe, denn als er sie schrieb wusste er, dass er bald sterben würde. Denn er befand sich mit 84 Jahren am Ende eines sehr erfolgreichen Lebens als Komponist.

Die Missa ultima in g ist auch tatsächlich sein letztes Werk, sie entstand 1783 in Venedig, wo Hasse einige Monate später starb. Die Messe ist als Kantatenmesse angelegt, das heißt, die fünf Teile der Messe, Kyrie, Gloria, Credo, Sanktus und Agnus Dei, wurden noch einmal in Sätze unterteilt und diese unterschiedlich besetzt, entweder mit Einzelsänger oder Chor, jeweils mit Orchester.

Ähnlich wie die großen Mess-Vertonungen von Bach, Mozart und Beethoven stand nicht die liturgische Nutzbarkeit im Vordergrund. Denn mit einer Stunde Länge überschritt sie die damals üblichen Dimensionen in den Gottesdiensten. Das Werk war eher eine musikalische Danksagung an seine Zeit als Kapellmeister am Sächsischen Hof in Dresden. Immerhin wirkte Hasse dort mehr als dreißig Jahre als Hofkapellmeister und später sogar als sächsischer Oberkapellmeister. Danach wurde er kaiserlicher Hofkomponist in Wien.

Während dieser Zeit begegnete er auch dem jungen Wolfgang Amadeus Mozart und sagte über ihn, dass dieser Knabe alle anderen Komponisten vergessen machen werde.“ Mit dieser düsteren Prophezeiung hat Hasse nicht ganz unrecht gehabt. Gerade er, der als Opernfürst Europas verehrt wurde, geriet bald nach seinem Tod 1783 in Vergessenheit. Zu Unrecht, das beweist nicht nur die Missa ultima in g – denn viele von Hasses Werken weisen eine sehr hohe kompositorische Qualität auf.