26.02.2017 - 06:30

Bruckners Messe Nr. 1 d-Moll Für den Geburtstag des Kaisers

Mit seiner ersten großen Messkomposition in d-Moll feierte Anton Bruckner den endgültigen Durchbruch. Eigentlich war sie für den Geburtstag des österreichischen Kaisers Franz Joseph I. bestimmt. Die Uraufführung zog sich jedoch noch bis zum 20. November 1864 hin.

Anton Bruckner war nach seiner Zeit als Stiftsorganist in Sankt Florian und Domorganist in Linz lange Jahre Professor am Wiener Konservatorium und gilt als einer der großen Komponisten der Romantik im 19. Jahrhundert. Ein umfangreiches Œuvre von Orchesterwerken, vorwiegend geistlicher Vokal- und Kammermusik ist von ihm überliefert. Von den Vertonungen des Ordinariums sind vor allem die drei großen Messen bekannt, die er während seiner Linzer Zeit in d-, e- und f-Moll komponierte. Die erste in d-Moll schrieb er in einer ersten Fassung im Jahr 1864 unter dem Eindruck einer Aufführung von Richard Wagners Tannhäuser. Die Uraufführung war eigentlich für den 18. August, den Geburtstag des Kaisers Franz Joseph I., vorgesehen. Sie erfolgte jedoch erst am 20. November des Jahres im Alten Linzer Dom und brachte Bruckner den endgültigen Durchbruch. Demütiges Flehen und triumphale Klangsteigerung stehen darin ebenso nebeneinander wie Mystik und Helligkeit, kontrapunktische Würde und symphonisches Pathos.

Das Kyrie prägt ein aufsteigendes Thema mit entsprechend prägnanten Harmoniewechseln. Ähnliche choralartige Aufschwünge verwendet Bruckner zwanzig Jahre später in seiner 8. Sinfonie in c-Moll. Der dritte Satz, das Adagio, ist der längste Symphoniesatz, den der Komponist geschrieben hat und dauert eine knappe halbe Stunde. Das Thema aus der d-Moll-Messe taucht hier mehrfach in einer etwas abgewandelten Version auf. Am Ende kommen sogar Harfen zum Einsatz, was in Bruckners Sinfonien sonst nicht der Fall ist.

Ganz anders als das mystische Kyrie sind das Gloria und das Credo. Hier sind jene triumphalen Klangsteigerungen zu hören, die den liturgischen Texten entsprechen. Im Gloria bricht der Jubel des Chores erst ab der Stelle "Laudamus te" richtig los. Die Bitten ab "Domine Deus" sind wieder flehentlicher gehalten. Hier kommen vor allem die Gesangssolisten zum Einsatz, bevor am Ende wieder der Chor einsetzt und diesen Abschnitt der Messe mit entsprechender Klangsteigerung und Lautstärke zum Ende bringt. Besonders prägnant ist die musikalische Ausgestaltung der zu erwartenden Wiederkunft Christi und des Jüngsten Gerichts im Credo. An der Stelle "Et iterum venturus est" setzt bei "cum gloria" ein kräftiger Paukenschlag ein.

Das Agnus Dei greift hingegen den Charakter des Kyrie auf. Im "Dona nobis pacem" sind ganz zum Schluss wieder die die choralhaften Aufschwünge zu hören, die den Rahmen dieser Messkomposition bilden.

 

CD-Tipp:

Anton Bruckner: Messe Nr. 1 d-Moll für Soli, Chor und Orchester

Ausführende:

Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks

Leitung: Eugen Jochum

Erschienen bei Deutsche Grammophon

(Erstsendedatum: 25.05.2015, Wiederholung: 16.05.2016)