Christi Himmelfahrt
Christi Himmelfahrt

25.05.2017 - 06:30

Bachs Himmelfahrts-Oratorium Aus Trauer wird Freude

Weltberühmt und vielen bekannt ist Bachs Weihnachtsoratorium. Etwas unbekannter ist, dass Bach auch für das Fest Christi Himmelfahrt ein Oratorium geschrieben hat.

Es entstand vermutlich im Jahr 1735 in Leipzig und damit kurz nach dem berühmten Weihnachtsoratorium. In früherer Zeit wurde das gut 30-minütige Werk zu den Kantaten gerechnet, trägt deshalb auch die Nummer 11 im Bach-Werke-Verzeichnis, es steht also zwischen den anderen Bachkantaten. Stil und Anlage des Werkes sind aber eindeutig zu Bachs Oratorien zuzurechnen. Die konsequente Vertonung des bibilischen Texten durch Rezitative gesungen von einem Evangelisten sowie ausdeutende Arien legen das nahe. Obendrein hat Bach selbst über sein Werk in lateinischer Sprache geschrieben: „Oratorium In Festo Ascensionis“. Der Dichter der ausdeutenden Arien und Rezitative des Werkes ist heute nicht mehr überliefert. Die Experten vermuten aber das Christian Friedrich Henrici Urheber der Texte sein könnte. Das Himmelfahrtsoratorium besteht aus elf Sätzen, in deren Mittelpunkt der biblische Bericht der Himmelfahrt Jesu steht. Grundlage für die Rezitative sind Schilderungen des Lukas-Evangeliums und der Apostelgeschichte.

Den Auftakt bildet ein festlicher Choral: „Lobet Gott in seinen Reichen“. Gelegentlich findet man dieses erste Wort des Oratoriums auch als Titel des gesamten Werkes vermerkt. Bach nutzte für den Choral das Vorbild eines Chorals aus einer Schulkantate, die drei Jahre zuvor entstanden war. Neben aller Festlichkeit der Musik hat der Choral zudem den Charakter eines Gebets. Das Werk ist in zwei Teile unterteilt, die jeweils mit einem Choral abgeschlossen werden. Die beiden Teile unterscheiden sich in ihrer Stimmung und auch in ihrer theologischen Botschaft. Während im ersten Teil vor allem die Bitte und die Trauer im Mittelpunkt steht, überwiegt im zweiten Teil die Freude. Für die Jünger Jesu war der Himmelfahrtstag zunächst kein Freudentag. Nach der Trauer wegen Jesu Kreuzestod und der großen Freude über die Auferstehung kommt jetzt erneut der Tag des Abschieds. Endgültig verlässt er die Welt und fährt in den Himmel.

Diese Trauer wird deutlich im ersten Teil, ganz besonders eindrücklich in der Alt-Arie „Ach, bleibe doch, mein liebstes Leben“. Im Text heißt es unter anderem „Dein Abschied und dein frühes Scheiden bringt mir das allergrößte Leiden.“ Die musikalische Vorlage für diese Arie hat Bach noch einmal an prominenter Stelle verwendet. Im Agnus Dei seiner berühmten h-moll-Messe findet sich eine ähnliche Anlage. Nach dem Schmerz und der Trauer im ersten Teil überwiegt im zweiten Teil des Oratoriums die Freude. Im Mittelpunkt steht die Botschaft des Engels, dass Jesus einst wiederkommen wird. Die Jünger reagieren mit Freude und Zuversicht. Beispiel hierfür wieder eine Arie, dieses Mal vom Sopran gesungen „Jesu, deine Gnadenblicke“. Hier heißt es im Text: „Deine Liebe bleibt zurücke, daß ich mich hier in der Zeit an der künft'gen Herrlichkeit schon voraus im Geist erquicke.“

Zwei unterschiedliche Teile, die zwei ganz unterschiedliche Stimmungen zum Ausdruck bringen, erst Schmerz, dann Freude. Zum Schluss hören wir jetzt  den kompletten zweiten Teil. Er beginnt mit einem Rezitativ, das berichtet wie die Jünger dem in den Himmel aufgefahrenen Christus hinterher sehen. Abgeschlossen wird das Werk durch den hoffnungsvollen Choral „Wenn soll es doch geschehen“. Darin besingt der Chor die hoffende Erwartung, dass die Jünger, die Christen insgesamt, irgendwann selbst in den Himmel aufgenommen werden und ihren Messias wieder sehen werden.

(Erstsendedatum 14.05.2015, Wiederholung 05.05.2016)