25.01.2011 - 10:45

Bruder Paulus' Antwort auf den Zölibats-Appell einiger CDU-Politiker "So ist Nöten der Kirche nicht beizukommen"

Mit einem Brief hatten sich Ende vergangener acht Unionspolitiker an die deutschen Bischöfe mit dem Aufruf gewandt, "viri probati" zum Priesteramt zuzulassen – verheiratete "bewährte Männer". "Typisch deutsch", findet Paulus Terwitte diesen Ansatz. Bei domradio.de antwortet der Kapuzinerbruder auf den Appell.

"Es hat mich an diesem Brief etwas gestört: dass hier offensichtlich danach gesucht wird, wie man sich geweihte Obrigkeit in der Kirche erhalten kann. Wie man noch ein paar Priester mehr kriegt, die man dann irgendwo einsetzen kann. Das ist auch kein Weg. Zölibat hin, Zölibat her - die Kirche braucht eine Diskussion darüber, warum wir gerne Priester haben wollen und warum wir gerne Bischöfe haben wollen; dass man herausfindet, was Sinn und Inhalt des Priesteramtes sind.

Ich habe den leisen Verdacht, dass wir in der Kirche nicht mehr sprachfähig sind darüber, wozu Jesus uns eigentlich die Priester schenkt, wozu er uns die Diakone schenkt, wozu er uns die Bischöfe schenkt! Das ganz erscheint wie eine Art Machtapparat, der nun irgendeine Struktur aufrechterhalten muss. Das ist etwas typisch Deutsches.

Wer nach Frankreich, Italien, Brasilien oder in die Ukraine geht, findet dort Bischöfe, denen völlig klar ist, das sie nicht die Herren über irgendwelche Gemeinden sind. Sondern dass sie die Diener der Freude sind für eine Entwicklung des Geistes an der Basis. Da fährt ein Bischof an einem Sonntagnachmittag 300 Kilometer weit in eine Gemeinde, um mit fünf Leuten die Messe zu feiern. Und diese fünf Leute wissen genau, warum sie diesen Priester dabei haben wollen.

Von daher mit Verlaub gesagt, liebe Herren Politiker: Mit Politik ist der Kirche und ihren Nöten nicht beizukommen. Wir brauchen eine geistliche Diskussion und einen geistlichen Aufbruch. Und dann lasse ich auch gerne mit mir reden darüber, ob Jesus auch will, dass einige Priester unserer Kirche verheiratet sein können. Aber solange wir keine Begeisterung dafür haben, dass wir Priester unter uns haben, will ich gar nicht über das Fallen des Zölibates reden."  

Aus: Bruder Paulus in seiner wöchentlichen Sendung bei domradio.de, immer montags zwischen 22 und 23 Uhr.