07.12.2018 - 15:11

Bischöfe im Advent Bischof Becker über das Auge des Kindes

Jeden Tag ein Impuls: Die deutschen Bischöfe haben für DOMRADIO.DE ihre Gedanken zum Advent formuliert. Bischof Hans-Josef Becker aus Paderborn sagt, dass wir gerade im Advent das Auge des Kindes behalten, dass wir aufschauen – nicht herab.

In diesen Tagen fiel mir ein Buch aus meiner Studienzeit – das war Ende der Sechzigerjahre – wieder in die Hände, das mich damals besonders angesprochen und beeindruckt hat. Vielleicht ist es Ihnen selber auch bekannt, es heißt "Orientierung am Kinde" und ist geschrieben vom Theologen Heinrich Spaemann. Einen Gedanken daraus möchte ich Ihnen heute an diesem Tag im Advent gerne mitgeben. Er lautet: "Das Auge wächst nicht mit". Und Heinrich Spaemann sagt dazu: "Das Kind wächst. Es wird ein Erwachsener. Nur eines wächst nicht mit: das Auge. Wie sehr sich auch die Gestalt unseres Lebens verändert, Gott will, dass wir das Auge des Kindes behalten, dass wir aufschauen – nicht herab. "Wir sollen den Mut haben, die Welt mit den Augen des göttlichen Kindes in der Krippe zu sehen. Wir sollen gerade in diesen Tagen nicht so erwachsen und so geschäftig tun. Nicht auf andere herabsehen, sondern voller Dank zum himmlischen Vater hinauf. Wir müssen die Sehkraft von Kindern behalten. Während wir Erwachsenen uns streiten, wer von uns der Größte sein könnte, schielen Kinder noch nicht einmal danach, bestimmte Posten einzunehmen. Sie wollen andere nicht klein und runtermachen. Und Kinder sind offen für das Geheimnis. "Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder" – das hat der Herr nicht zu den Kindern, sondern zu uns Erwachsenen gesagt. Er tut dies auch in dieser adventlichen Stunde und heilt uns von der eigenen Blindheit und Verbohrtheit. Wir sollen mutig aufschauen und offen sein für Gott, für unsere Brüder und Schwestern um uns herum und für die ganze Welt. In diesem Sinn grüße ich sie alle sehr herzlich hier aus Paderborn. Seien Sie gesegnet und bleiben Sie behütet, ihre Familien, ihre Freunde und alle, die ihnen wichtig sind. Möge das göttliche Kind in uns den Blick weiten für das Wesentliche am Weihnachtsfest und im ganzen Jahr 2019.

(DR)