16.05.2019 - 16:03

Marion Brasch über ihren Roman 'Lieber woanders' Eine bewegende Geschichte über Schuld und Zufall

Ein Augenblick kann ein ganzes Leben verändern. Wann und wie wird aus einem Zufall ein Schicksalsschlag? 'Lieber woanders' heißt der neue Roman von Marion Brasch über Zufall, Schicksal und Schuld – über Glück und Unglück.

"Zufall hat immer etwas Leichtes", sagt Marion Brasch im DOMRADIO.DE Interview. "Man sagt doch, 'Welch ein Zufall, dass wir uns begegnet sind', oder, 'Welch ein glücklicher Zufall'. Schicksal hat dagegen etwas Schweres. Wir sprechen von Schicksalsschlag oder sagen 'Das ist sein Schicksal'. Da schwingt dann gleich die Fügung mit". Marion Brasch fragt, welche Zusammenhänge gibt es zwischen Zufall und Schicksal? "Es gibt diesen Moment, wo etwas geschieht, auch im Leben meiner beiden Romanhelden, wo aus Zufall Schicksal wird. Wo in einer Sekunde ein Leben auf dramatische Weise verändert wird," ist die Autorin überzeugt.

Schuld, Verantwortung und Verdrängung

Das Leben der beiden Romanhelden Alex und Toni verändert sich durch einen tragischen Autounfall, ein Zufall, der das weitere Leben der Protagonisten auf den Kopf stellt. Alex und Toni gehen mit diesem Schicksalsschlag ganz unterschiedlich um. Alex, der Mann, verdrängt das, was passiert ist, obwohl er eine große Mitschuld an dem Unfall trägt, während Toni, die Frau, die durch diesen Unfall ihren kleinen Bruder verliert, sich schuldig fühlt, obwohl sie nichts dafür konnte. "Toni fühlt sich für den Unfall verantwortlich. Alex hingegen verdrängt jede Verantwortung", sagt die Autorin.

Ich glaube nicht an Fügung

Privat fährt Alex auch auf doppeltem Gleis. Er führt ein Doppelleben. Er ist verheiratet und hat seit Jahren eine Geliebte, von der seine Frau nichts weiß. Alex lebt in den Tag hinein, doch das Schicksal, ausgelöst durch einen weiteren Zufall, holt ihn ein. Der Roman erzählt diese Zufalls- und Schicksalsgeschichte wie einen spannenden Krimi. Gleich zu Anfang wird der Leser darüber informiert, dass die beiden sich fremden Romanhelden am Ende der Geschichte aufeinandertreffen und dass alles auf diese Begegnung von Toni und Alex zuläuft. Rein zufällig? Ja, sagt Marion Brasch, denn sie glaube nicht an so etwas wie Fügung, sondern dass alles im Leben auf den Zufall beruhe. "Die Frage ist nur, was man daraus macht. Wie geht man mit schweren Dingen, die uns wiederfahren um – und auch mit scheinbar banalen Dingen, die unseren Weg dann trotzdem irgendwie beeinflussen?"

Licht am Ende des Tunnels

Was prägt uns? Warum reagieren wir auf Schicksalsschläge ganz unterschiedlich? Das ist die Frage, die Marion Brasch in ihrem Roman mit den beiden Helden, der jungen Toni und dem scheinbar coolen Alex, stellt. "Toni zieht das alles nach dem Unfall an sich, sie bestraft sich selbst. Nachdem das passiert ist, hat sie sich den Kopf kahl rasiert. Sie hat starke Narben, denn sie ist schwer verletzt worden. Indem sie nun jeden Tag in den Spiegel schaut, bestraft sie sich selbst, indem sie diese Narben sieht und sich die Schuld für diesen Unfall gibt. Während Alex alles tut, um den Unfall zu verdrängen".

Marion Brasch erzählt eine bewegende und packende Geschichte über Zufall, Schicksal und Schuld - auch über Verluste und Abschiede, auf die jeder Mensch in seinem Leben eine Antwort finden muss. "Nach einem Abschied kommt wieder irgendetwas, dem man 'Guten Tag' sagen kann", ist die Autorin optimistisch. "Ich glaube an diese Wellenbewegung. 'Das Licht am Ende des Tunnels'. 'Wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten'. Daran glaube ich".

Moderation: Johannes Schröer
(DR)

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