22.03.2013 - 12:08

Joachim Meyerhoff über seinen Roman "Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war." Was ist normal?

Ist das normal? Zwischen Hunderten von körperlich und geistig Behinderten als jüngster Sohn des Direktors einer Psychiatrie aufzuwachsen? Das Elternhaus von Joachim Meyerhoff stand mitten auf dem Anstaltsgelände. „Als kleines Kind hatte ich einen unverstellten Blick auf diese Welt, die mir die Menschen weit ab von den Normen der Realität zeigte“, erzählt Meyerhoff im domradio.de Interview: „Ich habe diese Welt als Kind völlig wertfrei erlebt. Ich habe die Menschen um mich bewundert. Ich habe sie nie ausgelacht.“

In seinem Buch „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ erzählt Meyerhoff zum Beispiel von Ferdinand, der geistig behindert ist und der ihm als Kind zuflüstert:  „Ich bin nicht der, von dem alle glauben, dass ich es bin. Ich bin ein anderer“.  – „Ich auch“, flüstert der kleine Junge in dem Roman zurück: „Ich bin auch ein anderer.“  Joachim Meyerhoffs Geschichten sind komisch und tragisch zugleich: „Tragik und Komik sind für mich gleichwertig. Das Komische steht immer im Geleichgewicht zum Tragischen.“ Besonders beeindruckt hat ihn auch „die Deutlichkeit dieser Menschen. Eine Deutlichkeit, in die so viele der Patienten schicksalhaft eingekerkert waren. Man wird umarmt, und die Umarmung ist lang. Es wird geweint, und es wird gelacht. Das ist tragisch und befreiend.“ Am Ende seines Romans erzählt der Autor bewegend vom Sterben seines Vaters, des Anstaltsdirektors. „Das ist eine Liebeserklärung an den Vater.“ Meyerhoff beschreibt, wie es ihm mühsam gelingt, den Vater aus seiner Elternfunktion zu entlassen, um ihn dann neu zu entdecken und zu lieben.