21.06.2018 - 16:54

Gert Loschütz über ´Ein schönes Paar´ "In diesem Roman passiert alles aus Liebe"

Was also ist die Liebe? In seinem Roman ´Ein schönes Paar´ erzählt Gert Loschütz die Geschichte eines Liebespaares, das sich aus tragischen Gründen trennt und doch auf geheimnisvolle Weise verbunden bleibt.

"Wir erinnern uns nicht in großen Zusammenhängen – von A nach B, sondern wir erinnern uns in Bildern oder in Gerüchen", sagt Gert Loschütz im DOMRADIO.DE Interview. In Bildern erinnert sich auch der Ich-Erzähler Philipp in seinem Roman ´Ein schönes Paar´. Philipp räumt nach dem Tod seines Vaters sein Elternhaus aus. Dabei erinnert er sich an die Geschichte seiner Eltern, die sich getrennt haben, als er noch ein Junge war. "Diese ganzen Streitereien zwischen den Eltern, diese Verletzungen, dieses Reden über Verletzungen, auch das Feststellen, dass es so nicht weitergehen kann, bekommen die Kinder ja gar nicht mit", sagt Loschütz, "sondern sie bekommen ja immer nur mit: da sind die Eltern, die haben gestritten, dann fliegen Türen zu, dann werden Koffer gepackt, dann rauscht einer die Treppe herunter – dann ist einer wieder da, dann geht es wieder auseinander. Der Ich-Erzähler bekommt das mit, was Kinder tatsächlich mitbekommen haben, wenn sich Eltern trennen."

Mitbekommen hat der Ich-Erzähler, dass sein Vater von der Polizei einst verhaftet worden ist. Die Eltern, Herta und Georg, waren mit ihm aus der DDR in den Westen geflüchtet. Dort überstürzten sich die Ereignisse. Der Vater wird beschuldigt, seinem Arbeitgeber Geld gestohlen zu haben. Er wird verhaftet, kommt wieder frei, doch der Preis ist hoch, denn kurz danach trennen die Eltern sich. "Das hat damit zu tun", sagt Loschütz, "dass Herta wieder aus Liebe - eigentlich passiert in diesem Roman alles aus Liebe - wieder aus Liebe versucht, ihren Mann aus dem Gefängnis herauszubekommen. Um diesen Anzeigenerstatter umzustimmen, läßt sie sich etwas zu nah mit ihm ein."

Ein Buch über das Geheimnis der Liebe

Aus Liebe zu ihrem Mann wird Herta ihm untreu und die Ehe zerbricht. Ein tragischer Konflikt, der sich – wie vieles in dem Roman – in Gesten und Bildern abspielt. Geredet wird dabei wenig. Der Autor Gert Loschütz bezweifelt auch, dass ein Beziehungsgespräch diesen Konflikt hätte lösen können. "Heute wird über alles geredet, alles wird zehnmal durchgedreht", sagt Loschütz. "Aber an die eigentlichen Verletzungen, die dann am Ende zu einer Trennung oder zur Katastrophen führen, kommt man ja doch nicht heran. Ich wünsche mir manchmal, es gäbe so etwas wie ein konsequentes Handeln – und nicht ein dauerndes Gerede."

Gert Loschütz erzählt eine Geschichte, die geprägt ist von großer Ernsthaftigkeit der handelnden Personen, eine tragische Liebesgeschichte, auch eine Ost-West Geschichte aus dem geteilten Deutschland des 20. Jahrhunderts. Die Liebe zwischen Georg und Herta bleibt, obwohl sich Herta und Georg trennen, treffen sie sich weiterhin - entfernt, fast geheimnisvoll, über eine Distanz ganz nah. "Es könnte sein, dass sie in der ganzen Zeit der Trennung doch in Verbindung gestanden haben", läßt der Autor offen, "auch ohne das groß verabreden zu müssen." So ist der Roman von Gert Loschütz auch ein Buch über das Geheimnis der Liebe, das sich uns nie ganz erschließt, von dem man nur in Bildern erzählen kann. Gert Loschütz tut das auf beeindruckende Weise. Mit seinen Bildern vom schönen Paar wirft er Blicke hinter die Kulissen der sogenannten Realität, die nicht so eindeutig ist, wie sie scheint. "Das ist ein Spielen mit der Möglichkeit einer zweiten Welt. Hinter der Fassade, die man abbilden kann, gibt es noch etwas anderes", sagt der Autor.

Moderation: Johannes Schröer
(DR)