Daniel Schreiber
Daniel Schreiber

22.02.2015 - 15:00

Daniel Schreiber über seinen Weg aus der Abhängigkeit „Nüchtern – Über das Trinken und das Glück“

„Alkoholismus ist eine Krankheit, die wir verstecken, verwischen und geheim halten wollen, eine Krankheit umrankt von zahllosen Mythen und Klischees - und eine Krankheit, von der nach wie vor viele Menschen denken, dass sie gar keine Krankheit sei“. Das schreibt der Autor und Journalist Daniel Schreiber in seinem Buch: „Nüchtern – Über das Trinken und das Glück“. In dem Buch erzählt Schreiber seine persönliche Geschichte, er erzählt von seiner Alkoholabhängigkeit und von seinem Weg zurück ins glückliche Leben.

„Abhängigkeit fängt sehr viel früher an, als die meisten glauben“, sagt Daniel Schreiber im domradio.de Interview: „Man nimmt die eigene Abhängigkeit nicht wahr. Man denkt, dass man doch kein Problem mit dem Trinken hat – egal wieviel man trinkt“. In Deutschland seien 27 Prozent aller Menschen an der Schwelle zur Alkoholabhängigkeit, sagt der Autor: „Wenn sie sich aber in ihrem Bekanntenkreis umhören, würde sich niemand zu diesen 27 Prozent zählen“. An seinem Beispiel wird klar, dass Alkoholabhängigkeit meistens nichts mit den klassischen Bildern zu tun hat, die wir vor Augen haben, wenn wir an Alkoholismus denken: Tremor, Leber kaputt – oder eine Flasche Schnaps schon vor dem Frühstück. „Wir dämonisieren den Alkoholismus, um die Abhängigkeit vor uns fern zu halten“, erzählt Schreiber: „Dabei beginnt die Abhängigkeit mit dem regelmäßigen Trinken von zwei Gläsern Wein am Abend, um zum Beispiel vom Arbeitsstress runter zu kommen.“

Auf seinen rechten Unterarm hat sich der Autor das Wort „Grace“ tätowieren lassen. „Grace heißt nicht nur Gnade, sondern auch Anmut, Würde und Eleganz. Ich sehe mein Handgelenk jeden Tag, und ich möchte mich daran erinnern, wieviel Glück ich gehabt habe, wie schön dieses Leben tatsächlich ist und wie dankbar ich bin. Das klingt jetzt sehr esoterisch und protestantisch – aber ich bin wirklich dankbar für die Fähigkeit, das so zu sehen, das Leben zu genießen und zu akzeptieren, wie es ist“.