22.04.2013 - 11:18

Anna Katharina Hahn schreibt in "Trotz Natur und Augenschein“ über Eucharistie "Die Hingabe an das Wunder braucht einen langen Weg.“

"Ich suche, zweifle, kratze und verzweifle auch“, sagt Anna Katharina Hahn über ihren katholischen Glauben. Wir haben die Bestsellerautorin ("Kürzere Tage“, "Am schwarzen Berg“) gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, für ein Buchprojekt zum Eucharistischen Kongress in Köln einen Text über die Wandlung zu schreiben. Sie fühle sich „verführt“, antwortete sie und machte sich an eine Aufgabe, die schon etwas "von Tabubruch und Wahnsinn hat, weil das Vokabular für diesen Vorgang, den man nicht erklären kann, heute nicht mehr vorhanden ist.“

Ihr Text "Wunderbuch“ erscheint in der Anthologie "Trotz Natur und Augenschein. Eucharistie – Wandlung und Weltsicht“, die an Fronleichnam auf den Markt kommt. Anna Katharina Hahn nähert sich dem Thema zunächst parodistisch. Sie schreibt einen wissenschaftlichen Text über das sogenannte  „Wunderbuch“ aus dem 18. Jahrhundert. Dieses Wunderbuch des Konrad Kelterer enthält allerhand katholische Merkwürdigkeiten, unter anderem Reliquien wie eine knusprige Heuschrecke von Johannes dem Täufer oder ein Vogelnest, das der Heilige Franziskus auf seiner Schulter getragen haben soll. Aber das Wunderbuch enthält eben auch auf der letzten Seite ein Bild von Brot und Wein, das für Anna Katharina Hahn so sinnlich ist, dass "der Betrachter unweigerlich die Hände ausstreckt wie nach einem wärmenden Herdfeuer“.

"Ich wollte weg von diesen schrecklichen blutsprudelnden Jesus-Bildern über die Eucharistie aus dem Mittelalter“, erzählt Anna Katharina Hahn im domradio.de Interview:  "Ich wollte auch weg von der blassen Oblate. Ich wollte zurück zu dem Sinnlichen von Brot und Wein und auch zu dem Trost, den das gibt, so dass wir Jesus Christus als ernährend und versöhnend in dieser Mahlzeit erleben können“.

Vorbild für Anna Katharina Hahns Beschreibung von Brot und Wein ist ein Gemälde von Sebastian Stoskopff, ein Stillleben, auf dem Brot und Wein zu sehen sind: "Es handelt sich um eine dünne, ovale Scheibe schlichten Weißbrotes allerfeinster Backart mit zarter Krume. Im locker aufgegangenen, gut durchgebackenen Teig ist nicht die Andeutung einer Spelze oder sonstiger Mahlrückstände zu sehen. Auch geht von dem Brotstück ein köstlicher, warmer Duft aus, als wäre es erst vor kurzem aus dem Ofen gezogen worden“.

Für Anna Katharina Hahn steht das Bild von Stoskopff für die reine Sinnlichkeit: "Da ist kein Blut, da ist kein Schrecken, da ist Sinnlichkeit und Trost, und das habe ich versucht, mit den Mitteln meiner Sprache auszudrücken“. Ihr Glauben sei ein großes Schwanken und Suchen, sagt die Autorin: "Ich habe so viel Zweifel. Mit einem Brotkrümel, mit einem Krümelchen kann man vielleicht ab und zu ein Stück Trost schnappen, so wie meine Heldin in der Geschichte, und man kann sich vielleicht einfühlen, wie es sein könnte, und man könnte dann für eine Stunde Messe getröstet sein, um dann wieder herauszutreten - um seinen Alltag weiter zu bewältigen“.