Papst Johannes Paul I. begrüßt nach seiner Wahl die Menschen auf dem Petersplatz
Papst Johannes Paul I. begrüßt nach seiner Wahl die Menschen auf dem Petersplatz
Papst Johannes Paul I.
Papst Johannes Paul I.
Kardinal Albino Luciani, Patriarch von Venedig
Kardinal Albino Luciani, Patriarch von Venedig

26.08.2018 - 07:10

Vor 40 Jahren: Johannes Paul I. wird Papst In 33 Tagen die Herzen erobert

Das Jahr 1978 ist als Drei-Päpste-Jahr in die Geschichte eingegangen. Paul VI. starb nach 15-jähriger Amtszeit. Im Herbst begann Johannes Paul II. sein langes Pontifikat. Dazwischen regierte Johannes Paul I. nur 33 Tage lang.

Schon nach dem vierten Wahlgang in einem der kürzesten Konklave der Geschichte war er gefunden: Der neue Papst. Aus Kardinal Albino Luciani, bis dahin Patriarch von Venedig, wurde Papst Johannes Paul I. Als der 65jährige dann auf die Loggia des Petersdomes trat, gewann er die Herzen der Gläubigen im Sturm. Vor allem durch sein Lächeln. Dieser Papst schien immerfort zu lächeln, so dass die Italiener ihm schnell den Beinamen geben: "Il sorriso di Dio" – das Lächeln Gottes.

Der neue Stellvertreter Gottes auf Erden scherzt schon bei seinen ersten Worten. Als er in die Sixtina gegangen sei, um in aller Ruhe seine Stimme im Konklave abzugeben, hätte er sich doch niemals vorstellen können, das die Sache für ihn so gefährlich werden sollte. Es sind ganz neue Töne eines Papstes, ganz ohne Distanz. Die Schwere und Würde des Amtes tritt zurück hinter einer auffallenden Herzenswärme und großem Wohlwollen.

Herzenswärme, Demut und eine einfache Sprache

Der Wahlspruch Johannes Pauls I. – nur ein Wort: Demut. Dies verdeutlicht er schon durch seine Namenswahl, mit dem er vor allem seine beiden Vorgänger ehren will:

"Ich nenne mich Johannes Paul. Verstehen wir uns richtig: Ich besitze nicht die Herzensgüte von Papst Johannes; auch fehlt mir die Gelehrsamkeit und Kultur von Papst Paul. Aber ich bin nun mal an ihre Stelle getreten und will versuchen, der Kirche zu dienen. Helft mir dabei mit eurem Gebet."

Die Menge antwortet auf das Lächeln des Papstes mit einem fast erlösten Lächeln und sie strömen in Scharen zu den wenigen Audienzen und öffentlichen Angelus-Gebeten, zu denen es in seinem 33 Tage andauernden Pontifikat überhaupt nur kommt. Eine Audienz muss wegen der Massen sogar zweimal gehalten werden. Alle wollen ihn sehen, den Papst der scherzt, der so viel Hoffnung und Freude ausstrahlt. Gerade in den letzten Monaten des hochgebildeten und feinsinnigen Vorgängers Paul VI. war die Melancholie im Vatikan vorherrschend. Der alte Papst war gezeichnet von der fortschreitenden Krankheit und sichtbar niedergeschlagen unter dem Eindruck des Terrors in Italien, dem mit Aldo Moro ein enger Vertrauter dieses Papstes zum Opfer gefallen war.

Johannes Paul I. führte Neuerungen ein, die bis heute gelten

Die plötzliche Euphorie der Gläubigen schien Johannes Paul I. unangenehm, Jubelstürme ließen ihn erröten. Ohne großes Aufhebens führte er Neuerungen ein, die seit dem selbstverständlich sind: Die Schweizer Garde sollte nicht mehr vor ihm den üblichen Kniefall machen, bei seiner Amts-Einführung lehnte Johannes Paul I. die Krönung mit der Tiara ab. In den ersten Ansprachen blieb er noch beim majestätischen "Wir", mit dem Päpste bis dahin üblicherweise von sich selbst sprachen - doch schon wenig später und ganz nebenbei führte er das einfache "Ich" ein.

"Ich schäme mich nicht, zu sagen, dass ich mich vor Gott fühle wie ein Kind vor seiner Mutter. Gott ist Vater – aber noch mehr ist er Mutter. Der Mutter glaubt man. Als ich schon größer war, sagte meine Mutter zu mir: 'Als Kind warst du oft krank. Nächte habe ich an deinem Bett gewacht – glaubst du mir das?'
Wie hätte ich sagen können: Nein, Mutter, ich glaube dir nicht. Freilich glaube ich, was du mir sagst, aber vor allem glaube ich dir.
Und so ist es beim Glauben. Es geht nicht nur darum, zu glauben, was Gott offenbart hat, sondern an ihn zu glauben, der so viel aus Liebe zu uns getan hat." (Generalaudienz am 13. September 1978)

In den Audienzen spricht er ganz offen – auch über seine Gesundheit

Johannes Paul I. spricht oft frei, veranschaulicht seine Botschaften durch Anekdoten in einer einfachen, zu Herzen gehenden Sprache. Manchmal lässt er anwesende Kinder nach vorne rufen und gestaltet die Audienzen im Dialog mit ihnen. Doch diese Geschichte verdeutlicht auch eine Wirklichkeit seines Lebens, die ihn von Kindheit an begleitet: seine labile Gesundheit. In seiner Offenheit gibt der Papst in seinen ersten Ansprachen zudem zu, dass er an der "furchtbaren Last des Amtes" leidet. Den nach dem Konklave in ihre Diözesen zurückkehrenden Bischöfen ruft er zu:

"Ihr spürt schon die Freude der Wieder-Begegnung mit den euch Anvertrauten, die ihr kennt und liebt. Diese Freude ist mir nun nicht mehr vergönnt. Der Herr kennt die Trauer, die mir dieser Verzicht auferlegt."

"Uns genügte ein Monat, diesen Papst liebzugewinnen"

Am Morgen des 29. September findet Schwester Vicenza, die den Haushalt des Papstes führt, Johannes Paul I. tot im Bett. Sein kurzes Pontifikat wirkte wie ein kurzer Traum aus dem man ernüchternd erwacht oder wie es Kardinaldekan Carlo Confalonieri bei der Predigt im Trauergottesdienst über den verstorbenen Papst sagte:

"Wir haben kaum Zeit gehabt, ihn als neuen Papst zu sehen. Ihm genügte ein Monat, unser aller Herzen zu erobern – uns ebenso ein Monat, ihn liebzugewinnen. Er zog vorbei wie ein Meteor, der unversehens am Himmel aufflammt und entschwindet und uns betroffen und staunend zurücklässt."