Mariensäule an der Spanischen Treppe in Rom
Mariensäule an der Spanischen Treppe in Rom

08.12.2018 - 09:20

Verkündung des Dogmas durch Papst Pius IX. Die "Unbefleckte Empfängnis"

"Unbefleckte Empfängnis" ist ein sperriger Begriff, über den viel Halbwissen unterwegs ist. Das Dogma wurde am 8. Dezember 1854 verkündet und hat eine jahrhundertelange Vorgeschichte.

Alles hätte so schön sein können im Garten Eden. Aber Adam und Eva haben eine Frucht vom Baum der Erkenntnis gegessen und werden von Gott aus dem Paradies gejagt. Das sind Bilder der Bibel die beschreiben, warum der Mensch, obwohl er Geschöpf Gottes ist, nicht mehr so ist, wie Gott ihn gedacht hat und trotz guten Willens immer wieder zum Bösen neigt. Adam und Eva haben sich selbst zu Gott gemacht und sich aus der vertrauten Nähe zu ihrem Schöpfer entfernt. Diese Wunde der Trennung von Gott bestimmt seit dem das Schicksal jedes Menschen. Die Kirche nennt das „die Erbsünde“. Nun gibt es da aber ein Problem: Jesus Christus als Gottes Sohn hat diese Trennung von Gott nicht in sich getragen. Wie geht das, wenn doch seine Mutter Maria die Erbsünde in sich trug?

Darüber haben sich die Menschen schon seit Langem den Kopf zerbrochen. Deshalb beginnt etwa schon Augustinus im vierten Jahrhundert, für die Gottesmutter Maria eine Ausnahme in Betracht zu ziehen.

"Wir müssen die heilige Jungfrau Maria ausnehmen, wegen der ich keine Frage aufwerfen möchte aus Ehrfurcht gegenüber dem Herrn; denn von ihm wissen wir, welch eine Gnadenfülle auf sie übertragen wurde, die den Vorzug hatte, ihn zu empfangen und zu gebären, der ohne Zweifel keine Sünde hatte."

Schon Augustinus dachte darüber nach

Es geht also darum, dass Gott für Maria eine Ausnahme gemacht hat, weil sie einmal Jesus Christus zur Welt bringen würde – deshalb nimmt er sie bereits von der Erbsünde aus, als sie von ihrer Mutter, der heiligen Anna, empfangen wird. Die Umstände der Geburt von Maria stehen hier also im Zentrum.

Im achten Jahrhundert breitet sich von der Ostkirche aus der Brauch aus, diese "unbefleckte Empfängnis" als Fest zu feiern – und zwar am achten Dezember. Dazu rechnet man vom älteren Fest Mariä Geburt einfach neun Monate zurück.

Ab dem Mittelalter beschäftigen sich dann Theologen mit dieser Frage – und entfachen einen ausgewachsenen Streit: Die Franziskaner glauben an die unbefleckte Empfängnis, die Dominikaner lehnen sie ab.

Ein Impuls aus Schottland

Eine wichtige Rolle spielt dann der schottische Theologe und Franziskaner Johannes Duns Scotus. Er propagiert den Satz eines früheren Theologen:

"Decuit, potuit, ergo fecit - Es ziemte sich, Gott konnte es, also machte er es."

Grundgedanke hier ist es, Maria lieber ein bisschen zu viel Ehre zukommen zu lassen, als zu wenig – so ist man auf der sicheren Seite. Trotzdem können sich die Theologen weltweit lange nicht auf einen einheitlichen Glaubenssatz festlegen: Viele Päpste blockieren eine weitere Ausbreitung des Festes und Konzile beantworten diese Frage einfach nicht – um noch mehr Streit zu vermeiden.

Neue Bewegung durch eine Erscheinung

Neue Bewegung in die Diskussion kommt erst 1830: Die französische Ordensfrau Catherine Labouré hat eine Marienerscheinung. Die Gottesmutter trägt ihr auf, besondere Marienmedaillen anzufertigen, die man übrigens auch heute noch überall erwerben kann. Auf der Rückseite der Medaille soll laut Marias Auftrag folgender Spruch angebracht werden:

"O Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir unsere Zuflucht zu dir nehmen."

Die neue Aufmerksamkeit, die die Unbefleckte Empfängnis nun bekommt, nutzt Papst Pius IX., um eine Entscheidung zu treffen. Er befragt die Bischöfe der Kirche nach ihrer Meinung – und eine Mehrheit von ihnen ist dafür, die unbefleckte Empfängnis als Dogma festzuschreiben. Also verkündet der Papst am 8. Dezember 1854:

"Die Lehre, dass die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch einzigartiges Gnadengeschenk und Vorrecht des allmächtigen Gottes, im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu, des Erlösers des Menschengeschlechts, von jedem Fehl der Erbsünde rein bewahrt blieb, ist von Gott geoffenbart und deshalb von allen Gläubigen fest und standhaft zu glauben."

Damit hat Pius IX. zum ersten Mal ein päpstliches Dogma gesprochen und Unfehlbarkeit für sich beansprucht. Seitdem hat sich das Fest immer weiter ausgebreitet, Kirchen werden nach der "Maria Immaculata" benannt und das Hochfest seither jedes Jahr am 8. Dezember gefeiert.

(DR)