Armut ist ein weltweites Problem
Armut ist ein weltweites Problem

17.10.2018 - 09:10

Armut ist kein Naturgesetz Tag zur Bekämpfung der Armut

Täglich sterben Tausende Menschen, weil sie nicht ausreichend Nahrung und Trinkwasser haben und medizinisch unterversorgt sind. Eigentlich wäre genug Nahrung, Wasser und Einkommen für alle da – es ist nur extrem ungleich verteilt. Daran soll der heutige Internationale Tag für die Beseitigung der Armut erinnern. Er wurde am 17. Oktober 1992 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen eingerichtet.

Armut ist kein Naturgesetz, so die Botschaft von Père Joseph Wresinski:

"Das Elend ist nicht unabänderlich; es wird von Menschen verursacht, und die Menschen können es auch überwinden."

Ursprung im Protest gegen hingenommene Armut

Seit den 1960er Jahren arbeitete der katholische Arbeiterpriester in den Armenvierteln und Obdachlosenlagern von Paris. Sein Leben lang setzte er sich für jene am Rande der Gesellschaft ein, seine Idee: Wenn die Menschheit als Ganze gemeinsam dran arbeitet, können Armut und Not in der Welt überwunden werden.

100.000 Menschen folgten am 17. Oktober 1987 dem Aufruf von Père Joseph um dafür zu demonstrieren.

Auf den Trocadéroplatz in Paris, wo 1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte unterzeichnet wurde, forderten sie, dass auch Nahrung und Bildung dazu gehören. Noch heute erinnert eine Gedenktafel auf dem Platz:

"Wo immer Menschen dazu verurteilt sind, im Elend zu leben, werden die Menschenrechte verletzt. Sich mit vereinten Kräften für ihre Achtung einzusetzen, ist heilige Pflicht."

Gedenktag erwächst aus dem Volk

Immer wieder nahmen in den Folgejahren Aktivisten und Organisationen auf der ganzen Welt den 17. Oktober zum Anlass, gegen Armut zu protestieren.

Am 22. Dezember 1992 wurde das Datum offiziell durch die UNO anerkannt, als Internationaler Tag zur Beseitigung der Armut. 2011 erklärte Generalsekretär Ban Ki-Moon:

"Seit Dekaden bekämpfen die Vereinten Nationen die Armut und wir haben enorme Fortschritte gemacht. Aber, es gibt immer noch große Herausforderungen: Malaria muss gestoppt und AIDS zurückgedrängt werden. Millionen Mütter und Kinder müssen besser ernährt werden, die Green Economy kann Millionen Jobs schaffen. Gemeinsam müssen wir für die Hoffnungen und Perspektiven kämpfen und so Armut in der Welt bekämpfen!"

Mörderische Mechanismen

Doch, die Realität spricht eine andere Sprache: Heute geht es weiten Teilen der Weltbevölkerung schlechter als vor einem Jahrzehnt, so die ernüchternde Bilanz zahlreicher Armutsberichte. Es bleibe eben zu oft bei Absichtserklärungen, sagt der UN-Sonderberichterstatter, Soziologe und Globalisierungskritiker Jean Ziegler:

"Verantwortlich sind eine ganze Reihe von mörderischen Mechanismen, wie zum Beispiel die Spekulationen auf Grundnahrungsmittel. Und es gibt das Problem das Agrardumpings: Die EU wirft Tonnen von subventionierten Produkten auf den Markt und verdirbt die Preise. Das Problem ist strukturell!"

Hoffnungsfunken

Aber, es gibt es Tausende von Menschen und Projekte, die im Kleinen versuchen, die Missstände vor der eigenen Haustüre zu bekämpfen. So wie Schwester Maria van der Linde, die seit 40 Jahren in einem peruanischen Armenviertel nicht nur die Tuberkulosekranken medizinisch versorgt, sondern auch versucht, an den Bedingungen und an der Realität etwas zu ändern. Die Stimme für jene zu erheben, die nicht gehört werden, das sei schließlich die Aufgabe von Kirche, sagt sie:

"In einem Land der Ungleichheit, in einem Land, wo der Schwächere immer ausgenutzt wird, zu arbeiten, damit es Strukturen gibt, die Gerechtigkeit möglich machen. Man muss die Bedingungen schaffen, damit ein Miteinander möglich ist, ein Miteinander, das sich nicht nach dem Geld, das man in der Tasche hat, sondern ein Miteinander durch den Wert des Menschen."