Melanchton-Denkmal in Wittenberg
Melanchton-Denkmal in Wittenberg

19.04.2018 - 09:20

Reformator und Brückenbauer der Ökumene Philipp Melanchthon

"Melanchthon sah Brücken, wo Luther nur noch Gräben sah", so kennzeichnete der langjährige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, einmal die Unterschiede zwischen den beiden großen Reformatoren. Am 19. April 1560 ist Philipp Melanchthon gestorben, deshalb erinnern wir heute an ihn.

Philipp Melanchthon, Theologe und Humanist, suchte das Gemeinsame zwischen den auseinanderdriftenden Kirchen.

Erzieher gab ihm den Namen

Melanchthon wurde als Philipp Schwartzert am 16. Februar 1497 im badischen Bretten bei Karlsruhe geboren.

Seine Erziehung übernahm der Humanist Johannes Reuchlin. Er war es auch, der den Namen "Schwartzert" nach humanistischer Manier ins Griechische übersetzte: Melanchthon ("schwarze Erde").

Hochbegabter Jüngling begegnet Reformator

Als 21-Jähriger war Melanchthon bereits Professor für griechische Sprache in Wittenberg. Hier begegnete er Martin Luther und wurde dessen Freund.

1521 verfasste Melanchthon seine berühmten "Loci cummunes", eine Urdogmatik der Reformation, in der er den Inhalt der reformatorischen Lehre erstmals zusammenfassend darstellte.

Geist gepaart mit Gestaltungswille

Auch auf einem anderen Gebiet wirkte Melanchthon erfolgreich. So gründete er mehrere Lateinschulen, entwarf Lehrpläne und bildete Pädagogen aus.

Sein weiteres Anliegen war die Studienordnung an der Philosophischen Fakultät in Wittenberg. Darüber hinaus hatte er erheblichen Einfluss auf die Neuordnung der Universitäten Tübingen, Heidelberg, Leipzig und vor allem Jena und Königsberg, wobei er die Theologischen Fakultäten im Blick hatte. Er wurde durch sein Wirken zum "Lehrer Deutschlands".

Standpunkt zwischen konservativen Katholiken und Luther

Melanchthons große Stunde kam während des Augsburger Reichstags 1530. Kaiser Karl V. hatte den Reichstag in der Absicht einberufen, die katholische Kirche und ihre Lehre zu verteidigen. Die Protestanten waren für ihn "ketzerische Neuerer", die die Tradition der Christen aufgegeben hatten.

Melanchthon, Weggefährte Luthers, bemühte sich dagegen in seinem Augsburger Bekenntnis, die Kontinuität der neuen Lehre mit der Theologie und den Glaubensbekenntnissen der Kirche nachzuweisen. Um des Friedens zwischen den Konfessionen willen verzichtete er dabei auf die Erwähnung heißer Eisen wie die Stellung des Papstes.

Dies missfiel Luther gründlich, der nur aus der Ferne den Verlauf des Reichstags verfolgen konnte, da er als Geächteter kursächsisches Gebiet nicht verlassen durfte.

Vergebliches Bemühen um Kirchenfrieden

Allerdings führte auch Melanchthons Nachgiebigkeit nicht zum Kirchenfrieden. Luther war über das Scheitern der Einigungsbemühungen nicht überrascht.

Für die Ökumene jedoch bleibt Melanchthon ein Vorbild, stellte er doch das Gemeinsame und Verbindende der Christen immer vor das Trennende.