Verstärkte Sicherheitsmaßnahmen zu Weihnachten in Rom
Krönung am Weihnachtsmorgen

25.12.2017 - 09:00

Ränkespiele zwischen Papst und weltlichem Herrscher Krönung Karls des Großen

Es ist der Weihnachtsmorgen des Jahres 800. Wie jedes Jahr waren auch jetzt wieder unzählige Gläubige zur Papstmesse in die Basilika am Grab des Heiligen Petrus zusammen gekommen. Doch in diesem Jahr war der wohl mächtigste Herrscher Europas unter ihnen. Der Franken- und Langobardenkönig Karl nahm am Weihnachtsgottesdienst teil. Während der Weihnachtsmesse geschah etwas Denkwürdiges. König Karl kniete am Altar nieder und als er aufstand setzte ihm Papst Leo der Dritte die Kaiserkrone aufs Haupt, während das Volk ihm zujubelte.

Kaum hatte er die Krone auf dem Kopf warf sich der Papst auf die Knie und salbte dem neuen Kaiser die Füße. Im gleichen Moment begannen die Geistlichen mit der Krönungslitanei.

Mit dieser Zeremonie war aus dem König der Franken ein römischer Kaiser geworden, dessen Machtbereich sich über weite Teile Europas ausbreitete. Eigentlich könnte man jetzt denken, dass Karl mit diesem Akt gerechnet hatte, immerhin wurde er vier Wochen zuvor mit Fahnen, Kaiserlaudes und Psalmen feierlich auf den Stufen von Sankt Peter empfangen. Doch Karls Biograph und Hofschreiber Einhard notiert dazu folgende Äußerung des neuen Kaisers:

"Er würde an diesem Tage, obwohl es ein bedeutendes Fest war, die Kirche nicht betreten haben, wenn er des Papstes Plan hätte vorauswissen können."

Was war Karl so übel aufgestoßen, dass er sich nicht über die Krönung freuen konnte? Die Meinungen der Historiker gehen da auseinander. Einige sind der Meinung, Karl habe sich durch die Zeremonie überrumpelt gefühlt.

"Karl suchte immer eine Gleichstellung mit Byzanz, dem im oströmischen Reich verbliebenen Kaisertum. In Konstantinopel war es jedoch üblich, das der Kaiserkandidat sich die Krone selbst aufsetzte. Durch die Initiative Papst Leos war Karl Kaiser von des Papstes Gnaden geworden. Dabei hatte gerade Karl den Papst kurz zuvor wieder fest installiert."

In der Tat war Papst Leo der Dritte im April des Jahres 799 vor einer Revolte aus Rom geflohen. In Paderborn traf er König Karl. Schon die Vorgängerpäpste waren enge Bündnisse mit den Frankenkönigen eingegangen, da diese die mächtigsten Herrscher in Westeuropa waren. Das eigentliche Kaisertum in Ostrom war zu weit weg und bot kaum noch militärische Unterstützung vor den Plünderungszügen der Völkerwanderung. Bereits bei seinem Amtsantritt 795 arbeitete Papst Leo eng mit Karl zusammen. Dabei wurde möglicherweise auch schon über eine Kaiserkrönung verhandelt. Allerdings blieb noch unklar, wie sie auszusehen habe, wo und wann sie stattfinden sollte. Karl entschloss sich in Paderborn dazu, den alten, von den Römern bedrängten Papst zu unterstützen und nach Rom zu reisen. In einem Brief an Leo formuliert es Karl so:

"Unsere Aufgabe ist es, die heilige Kirche Christi vom Angriff der Heiden zu verteidigen und die Erkenntnis des katholischen Glaubens zu festigen, Euer heiliger Vater, mit zu Gott erhobenen Händen, gemeinsam mit Moses unsere Truppen zu unterstützen, damit das christliche Volk über die Feinde seines heiligen Namens überall und immer den Sieg habe und der Name unseres Herrn Jesus Christus auf der ganzen Erde gerühmt werde."

Karl war tatsächlich ein Feldherr, wie es ihn seit der Antike nicht mehr gegeben hatte. Seine zum Teil äußerst grausamen Eroberungskriege gingen fast alle zu seinen Gunsten aus. Lediglich die Sachsen widersetzten sich noch recht lange der neuen Frankenkultur und dem christlichen Glauben.

In Rom schließlich schaffte es Karl, mit Hilfe einer Synode die Stellung Leos wieder zu festigen. Dieser legte am 23. Dezember einen Eid auf seine völlige Unschuld ab. Daraufhin forderte er, dass Karl „Kaiser“ genannt werden müsse. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Karl dies vom Papst als Gegenleistung erwartet hat. Leo war jedoch gerissener, als Karl es ihm zugetraut hatte und schuf mit seiner Initiative am Weihnachtsmorgen einen Präzedenzfall: Der Papst wurde Kaisermacher, er krönt und salbt den Kaiser, nicht irgendwo, sondern in Rom. In Byzanz, wo die eigentlichen römischen Kaiser regierten, sah man diese Krönung natürlich nur ungern, man empfand sie als Anmaßung. Doch war man dort zu schwach, um dem neuen weströmischen Kaiser Karl etwas entgegen zu setzen.