Touristen besuchen den Kölner Dom
Touristen besuchen den Kölner Dom

15.08.2017 - 09:20

Die Vollendung der Gotik Grundsteinlegung des Kölner Domes

Mariä Himmelfahrt ist heute, auch in Köln und auch vor 768 Jahren. Doch damals feierten die Kölner nicht nur die Aufnahme Mariens in den Himmel, sondern auch die Grundsteinlegung der neuen Domkirche. Der alte Dom war zu klein geworden und entsprach auch nicht mehr dem allgemeinen Trend der damaligen Architektur.

Es war sicherlich der größte Moment für Konrad von Hochstaden als er im elften Jahr als Erzbischof von Köln, am Festtag der Himmelfahrt Mariens, den Grundstein für den neuen Dom legen konnte.

Der Baubeginn hatte sich sehr lange hingezogen, eigentlich war es Erzbischof Engelbert der schon 30 Jahre vorher das Domkapitel zum Neubau gedrängt hatte, doch nach dessen Ermordung wurde das gewaltige Projekt erneut verschoben.

Der Schrein der Heiligen Drei Könige

Angefangen hatte alles mehr als 80 Jahre zuvor, damals erhielt Erzbischof Rainald von Dassel nach der Belagerung von Mailand, die Gebeine der Heiligen Drei Könige von Kaiser Friederich Barbarossas geschenkt.

"Nehmt diese Gebeine der ersten christlichen Könige an euch, damit erfahrt ihr meine große Wertschätzung gegenüber eurer Person und dem erzbischöflichen Sitz der Stadt Köln."

Damit schlug Barbarossa zwei Fliegen mit einer Klappe. Einmal schuf er im Kölner Erzbischof einen mächtigen Verbündeten im Reich, andererseits schuf er durch den Besitz dieser bedeutsamen Reliquien die sakrale Rechtfertigung seines Reiches und somit ein Symbol für die Unabhängigkeit vom Papst.

Köln wurde nun zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte, aus aller Welt kamen Pilger um die Reliquien der Heiligen Drei Könige zu verehren. Erzbischof Rainald begann unmittelbar nach seiner Ankunft mit den Reliquien in Köln, seinen etwas in die Jahre gekommenen Dom zu verschönern. Im Osten ließ er zwei weitere Türme errichten, so dass der Dom nun insgesamt sechs besaß, die alle mit Kuppeldächern und goldenen Knäufen versehen waren, auch im Innern wurde die Kirche auf Vordermann gebracht.

"Ein modernerer Dom muss her"

Doch bald zeigte sich, dass der alte Dom den Andrang der immer zahlreicher werdenden Pilger, aber auch dem gestiegenen Anspruch einer der wichtigsten Erzbischofssitze im Reich, nicht mehr gewachsen war. Es musste ein neuer, vor allem größerer und modernerer Dom her.

Doch erst gegen Ende des Jahres 1247 fasste das Domkapitel den förmlichen Beschluss zum Neubau, der im April des Folgejahres mit dem Abbruch des alten Domes begann. Wenige Tage darauf löste unvorsichtiger Umgang mit Feuer einen Brand aus, dem der gesamte alte Dom zum Opfer fiel. Die westlichen Teile konnten provisorisch wieder hergestellt werden. Im Osten begann man gleich mit dem Ausgraben der 8-10 Meter tiefen Fundamente des Kapellenkranzes.

Erzbischof Konrad von Hochstaden war zweifellos der mächtigste Reichsfürst und konnte sich so die Etablierung eines antistaufischen Gegenkönigtums erlauben. Das sollte sich auch in der Wahl der Architektur seines neuen Domes niederschlagen.

"Ich bin zwar verwandt mit dem staufischen Hause, doch liegt mir nichts ferner, als die Tradition dieser altertümlichen Gottesbogen fortzusetzen. In Frankreich gibt es doch längst schon eine ganz neue Art Kirchen zu bauen, lichtdurchflutet, hell und himmelwärts strebend."

Meister Gerhards Bauplan

Als Baumeister für seine neue Kathedrale konnte er Gerhard den Steinmetzen gewinnen. Dieser kannte zweifellos alle großen Vorbilder in Frankreich. Gerade erst wurde in Amiens an der größten Kathedrale Frankreichs gebaut deren Mittelschiffgewölbe eine Höhe von über 42 Metern erreichen sollte.

"Amiens ist zwar das, was man sich unter der vollendeten Kathedrale überhaupt vorstellt, aber, ich finde hier gibt es noch den einen oder anderen Schönheitsfehler. Die Pfeiler im Innenraum sind einfach zu klobig, das kann man auch eleganter lösen."

Und Gerhard perfektionierte den Bauplan von Amiens. Die Gewölbe ließ er sogar einen Meter höher errichten als in Frankreich und weil die Pfeiler des Mittelschiffes in Köln etwas enger aneinander stehen wirkt der Innenraum noch steiler, noch mehr himmelstrebend als alles was bis dahin bekannt war. Meister Gerhard war es gelungen die gotische Kathedrale in ihrer Form zu vollenden.

Gerhard und allen seinen Kollegen war klar, dass sie die Vollendung eines solchen Baus niemals erleben würden, doch, dass es bis zur Weihe des Kölner Domes noch ganze 632 Jahre dauern sollte, das hätte Gerhard niemals erwartet.