10.07.2017 - 09:20

Katholisches Bündnis mit bayrischem Herzen Gründung der Katholischen Liga

Das Herz der deutschen Katholiken zu Beginn des 17. Jahrhunderts, das schlug in Bayern. Dort trafen sich in München 10. Juli im Jahr 1609 ranghohe Fürsten, Kurfürsten und Herzöge. Nach fünf Tagen war sie dann gegründet: die Katholische Liga.

Dabei sind die Bischöfe von Würzburg, Augsburg, Konstanz, Regensburg, Passau und die Äbte von Kempten und Ellwangen. Sie nennen sich zunächst die katholische "Defension". Ihr Hauptziel: die Erhaltung des Friedens und der katholischen Religion, so Maximilian I. von Bayern

"Wir, die vereinten Fürste und Stände, wollen hiermit vermeldet haben, dass dieses Bündnis allein zur Erhaltung des heilsamen, hochbeteuerten Religionsfriedens und zu rechtmäßiger, erlaubter Verteidigung unserer selbst und unserer angehörigen Fürstentümer bestimmt ist."

Die Stunde für ein katholisches Bündnis

Ein Jahr vor der Gründung des katholischen Bündnisses, finden sich protestantische Reichsfürsten zu einer Union zusammen.

Sie fühlen sich vom katholischen Kaiser ausgeschlossen und bevormundet. Der Religionsfrieden steht in ihren Augen auf dem Spiel. In konfessionellen Bündnissen sollen die Kräfte gebündelt werden, um im Falle eines Angriffs Seite an Seite zu stehen.

Die Reformation spaltet Europa. Die Ausläufer von Krieg um Macht, Geld und Religion erscheinen auch auf deutschem Boden am Horizont.

Konfessionelles Zeitalter

Um 1600 leben zwischen 15 und 18 Millionen Menschen im deutschen Reichsgebiet. Ihr Alltag besteht aus dem täglichen Kampf um Essen und Würde. Große Missernten haben ihnen alles genommen. Sie suchen Halt im Glauben und fürchten den Teufel. Die Hexenverfolgung ist auf ihrem Höhepunkt.

Um das Erbe Martin Luthers wird hart verhandelt. Die Rolle des Glaubens wächst weit über die eigene Gemeinde hinaus. Das Bekenntnis wird zur Identität. Der Universalanspruch der einen wahren Religion ist verloren. Jetzt kämpfen die neu entstandenen Konfessionen um Anerkennung oder um Machterhaltung. Lutheraner, Reformierte und Katholiken leben in Europa Tür an Tür. Immer wieder kommt es zu Konflikten.

Cuius regio, eius regio. Wessen das Land, dessen die Religion

Nicht der Kaiser bestimmt die Konfession seiner Untertanen. Jeder Landesherr entscheidet selbst. Allen Bürgern steht es frei, dorthin zu gehen, wo sie ihre Religion frei ausüben können.

Doch wer kann sich das leisten? Wer Hab und Gut verkauft, um woanders neu anzufangen, bezahlt horrende Steuern. Die individuelle Religionsfreiheit – sie ist ein Trugschluss.

Katholischer Süden

Der ehrgeizige und strenggläubig katholische Herzog Maximilian I. herrscht in Bayern. Von Jesuiten erzogen, betet er schon als Knabe zu jeder vollen Stunde das Memento Mori.

"Verleihe uns, o Gott, eine selige Stunde zum Leben und zum Sterben."

Der Herzog wird zum Motor und Geldgeber der katholischen Liga. Unter seiner Führung soll ein starkes Verteidigungsbündnis entstehen.

Uneinigkeiten innerhalb der Katholischen Liga

Bayern will er zum Machtzentrum der katholischen Kräfte ausbauen. Als die geistlichen Kurfürsten von Mainz, Köln und Trier der Liga einige Monate später beitreten, bekommt er Gegenwind. Der Streitpunkt: Mainz will auch Mitstreiter anderer Konfessionen aufnehmen. Bayern dagegen das Bündnis strikt katholisch belassen. Diese inneren Spannungen um Geld und Macht schwächen das neue Bündnis.

"Ich, der Herzog von Bayern, bin das militärische Oberhaupt der katholischen Liga. Jeder von uns sollte 50 Römermonate für unser gemeinsames Heer einbezahlen."

Sogar der Papst zahlt seinen Anteil an die katholische Liga.

Die Römermonate, eine außerordentliche Steuer, kennen die Mitglieder der Liga schon vom Kaiser, der eifrig bedacht war, diese im Kriegsfall einzutreiben.

Einigung durch Krieg

Die inneren Kämpfe werden erst beilgelegt, als 9 Jahre nach der Gründung der katholischen Liga der Dreißigjährige Krieg beginnt - eines der dunkelsten Kapitel des 17. Jahrhunderts. Stichtag ist der 23. Mai 1618:

Die Protestanten stürzen die Statthalter des Kaisers aus dem Fenster der Prager Burg gestürzt! Sie überleben nur, weil sie auf einen Misthaufen fallen. Der Kaiser ist ganz außer sich. Der Krieg beginnt.

Erfolg der Katholischen Liga

Das Heer der Liga unter der Führung ihres Feldherren Johann Tserclaes von Tilly triumphiert in den ersten Jahren. Sie ist ein entscheidender Verbündeter des katholischen Kaisers im zunächst konfessionellen Bürgerkrieg.

Das gemeinsame Heer dringt bis nach Dänemark vor.

Das Blatt wendet sich

Mit dem Kriegseintritt der protestantischen Schweden 1630. Der schwedische König zieht mit seinen Soldaten bis in den Süden. In diesem Krieg wird es keine Sieger geben, das weiß der Kaiser inzwischen und ruft 1635 Vertreter beider Konfessionen nach Prag zusammen.

"Der Prager Frieden, er ist beschlossen, damit die werthe Teutsche Nation zu vorheriger Integrität, Ruhe, Libertät und Sicherung zurückgeführt wird."

Das Ende der Katholischen Liga

Mit dem Prager Frieden schließen die deutschen Protestanten und Katholiken das Kapitel des gegenseitigen Kampfes. Dass der Frieden nicht hielt und der Krieg noch 13 Jahre dauert, liegt vor allem an den Interessen der europäischen Großmächte Frankreich, Schweden, Spanien. Sie hatten in Prag nicht mit am Tisch gesessen.

Moderation: Beatrice Steineke