Suffragetten England 1908
Suffragetten England 1908

12.11.2017 - 09:00

Gewaltloser Widerstande – ladylike Proteste - Bomben Frauenwahlrecht seit 1918

Die Emanzipation kam mit dem Stimmzettel - heute ist es Geschichte, dass in Deutschland Frauen von der Politik ausgeschlossen waren. Am 12. November 1918 wurde in Deutschland das Frauenwahlrecht eingeführt.

Suffragetten machen den Anfang

Die Frauenrechtlerin Christabel Pankhurst ruft im Dezember 1908 zum Kampf für das Frauenwahlrecht auf. Sie gehörte zur Suffragettenbewegung im viktorianischen England.

Der Begriff 'Suffragette' kommt vom englischen 'suffrage' und heißt übersetzt "Wahl".

Die Suffragetten gab es in Großbritannien und in den USA. Sie kämpften zunächst freundlich und sittsam, ganz ladylike, für das Frauenwahlrecht, dann aber härter, vermummt bei lauten Protestmärschen und mit Hungerstreiks und sie organisierten sich.

Von Frauen erfunden - Von Gandhi genutzt: Theorie des gewaltlosen Wiederstandes

Christabel Pankhurst gründete zusammen mit Mutter Emmeline der Suffragetten die "Women`s Social and Political Union", eine radikal-bürgerliche Frauenbewegung in Manchester.

Die beiden Frauen entwickelten eine Theorie des gewaltlosen Widerstandes, die später von der Frauenbewegung der USA übernommen wurde und danach auch von Mahatma Gandhi und Martin Luther King eingesetzt wurde.

Radikalisierung der Frauenbewegung

Die Methoden der Bewegung aber wurden immer radikaler als ihre Forderungen und eine landesweite Petition im von Männern geprägten Parlament weiter ignoriert wurden. Es folgten Brandanschläge und Bombenattentate weshalb Emmeline Pankhurst mehrfach verhaftet wurde.

Die Idee des Frauenrechts verbreitete sich in ganz Europa. Als erste Europäerinnen erhielten 1906 die Finninnen das Wahlrecht, dem Rest Europas aber blieben die Frauen auch weiterhin von den Wahlen ausgeschlossen.

Die Gegner fordern Schutz für Frauen

Die Gegner versuchten die Mitbestimmung der Frauen weiterhin zu blockieren, mit unterschiedlichen Argumenten, wie 1907 Friederich Bindewald. Der Abgeordnete der Deutschen Reformpartei forderte:

"Die Frauen gehören ins Haus und wir wollen nicht, dass die Frau von ihrer idealen Stellung, die sie als Mutter und Erzieherin einnimmt, hinabsteigt in das Getriebe des politischen Lebens."

Zuspitzung innerhalb von fünf Jahren

Die Ereignisse in England spitzten sich zu und gipfelten im Tod der Suffragette Emily Davison, sie warf sich beim Sommerderby in Epson am 4. Juni 1913 während des Rennens vor das Pferd des Königs und erlag wenig später ihren schweren Verletzungen. Mit ihrem Suizid wollte sie für das Frauenwahlrecht demonstrieren, sie wurde daraufhin zur Märtyrerin der Frauenbewegung.

Der Durchbruch

In den Jahren 1919 und 1920 erreichten die Suffragetten endlich ihr Ziel. Zunächst erhielten die Amerikanerinnen das Wahlrecht, 1928 dann die Engländerinnen.

In Deutschland begehrten die Frauen immer mehr auf. 1912 hält Rosa Luxemburg eine flammende Rede in Stuttgart mit dem Titel "Her mit dem Frauenwahlrecht".

Volles Wahlrecht für deutsche Frauen

Nach jahrzehntelangem Kampf war es schließlich soweit. Am 12. November 1918 wird das Frauenwahlrecht in Deutschland gesetzlich verankert, ab dem 20. Lebensjahr dürfen Frauen nun wählen. 82% der wahlberechtigten Frauen geben im Januar 1919 zum ersten Mal ihre Stimme ab, rund 37 weibliche Abgeordnete ziehen ins Parlament ein. Eine von ihnen war die Sozialdemokratin Marie Juchert, für sie war damit endlich ein Unrecht beseitigt worden:

"Das Frauenwahlrecht ist eine Folge der gegen früher ganz veränderten sozialen Lage der Frauen. Wer zweifelt heute daran, dass die Frauen in der Industrie, in Handel und Verkehr, als Staatsbeamte und Angestellte und freien künstlerischen und wissenschaftlichen Berufen eine wichtige Rolle spielen?"

Während des Nationalsozialismus wird den Frauen vorübergehend das passive Wahlrecht entzogen, nach dem 2. Weltkrieg aber erhielten die Frauen in Deutschland wieder ihr volles Stimmrecht.

Erste Frauen als Politikerinnen

14. November 1961. Das bis hierhin fast Undenkbare wird endlich wahr. Die aus Frankfurt stammende CDU-Politikerin Elisabeth Schwarzhaupt wird als erste Frau in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland als Bundesminister vereidigt. Im vierten Kabinett Adenauer übernimmt sie das neu geschaffene Ressort für Gesundheit. Aufsehen erregt die von ihr gewünschte Anrede "Frau Ministerin" und der Frauenanteil im Deutschen Bundestag steigt. Immer mehr Frauen drängen in höhere politische Ämter.

1972 wird Annemarie Renger erste Präsidentin des Deutschen Bundestags, die Grand Dame der Politik war Sinnbild für das neue politische Selbstverständnis der Frauen, dass kam auch in ihren Medienauftritten zum Ausdruck:

"Wie wünschen Sie, Frau Renger, angeredet zu werden? Frau Bundestagspräsident oder Frau Bundestagspräsidentin?"

"Ja, ich möchte gerne als Frau Präsidentin angesprochen werden, dass es nämlich möglich ist, dass eine Frau auf diesem Stuhl sitzt ist ein großer Fortschritt."

Seit 1984 europaweites Frauenwahlrecht

Während sich in Deutschland Frauen schrittweise in der politischen Landschaft etablieren, setzt sich das Frauenwahlrecht nach und nach in ganz Europa durch.

Schlusslicht bilden 1984 die Liechtensteinerinnen, seitdem haben Frauen in ganz Europa die selben staatsbürgerlichen Rechte wie die Männer.