19.07.2017 - 09:20

Geboren aus der Not der Überlebenden des Holocaust Gründung des Zentralrates der Juden

Der Krieg ist gerade fünf Jahre vorüber, da kommt es am 19. Juli 1950 zum ersten Treffen der Vertreter jüdischer Gemeinden in Deutschland, dem Zentralrat der Juden.

Heinz Galinski, Ignatz Bubis, Paul Spiegel, Charlotte Knobloch – sie waren alle Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland.

Dach für die Überlebenden

1950 versammelten sich unter dem Dach des Rates Vertreter aller Juden, die den Holocaust in den Lagern überlebt hatten, die, die aus dem Exil zurückkamen und die, die bis zum Ende des NS-Regimes in geheimen Verstecken unentdeckt geblieben waren.

Lebten vor der NS-Zeit noch über eine halbe Million Juden in Deutschland, sind es im Augenblick nur noch etwa 20.000.

Unterteilung nach Besatzungszonen

Die Delegierten stammen aus den vier Besatzungszonen, die unter amerikanischer, britischer, französischer und sowjetischer Verwaltung stehen.

Schon wenige Wochen nach der Befreiung Deutschlands durch die alliierten Truppen hatten sich zahlreiche jüdische Gemeinden gegründet.

Ende 1946 waren es bereits 67.

Jüdische Rückkehrer

Zahlreicher Emigranten kehrten zurück, die Deutschland trotz allem als ihre Heimat ansahen, anderswo keine Berufsperspektive gefunden hatten, oder Entschädigungsansprüche geltend machen wollten.

Persönliche Gründe spielten auch eine Rolle, wie bei Heinz Galinski, Gründungsmitglied des Zentralrates der Juden in Deutschland.

"Ich wollte gar nicht hier bleiben. Ich bin zurückgekommen, damals '45, in der wagen Hoffnung, vielleicht doch noch jemanden von meinen Angehörigen zu finden. Das war ein Trugschluss. Und dann sah ich das Elend der wenigen Überlebenden, die furchtbare Situation, in der sich diese Menschen befanden. Und da es damals wenig Menschen gab, die Hand anlegten, blieb ich hier und habe das als meine Pflicht und als meine Aufgabe angesehen, den wenigen Überlebenden zu helfen."

Gründungsmitglieder

Galinski, der später ein zweites Mal Vorsitzender des Rates werden wird, sitzt am Gründungstag in Frankfurt zusammen mit dem umstrittenen bayerischen Staatskommissar für rassisch, religiös und politisch Verfolgte: Philipp Auerbach. 

Später wird Auerbach Selbstmord begehen, nachdem er verschiedener Vergehen beschuldigt wurde, unter anderem der Unterschlagung.

Neben Galinski und Auerbach gehören der Gründungsversammlung auch der Jurist Benno Ostertag an und der KZ-Überlebende Norbert Wollheim.

Ostertag führt die erste Musterklage eines ehemaligen Zwangsarbeiters gegen ein deutsches Industrieunternehmen führen: Auf Schadenersatz, Schmerzensgeld und Arbeitslohn.

Aufbau und Aufgabe des Zentralrates

Der Zentralrat organisiert sich in eine Ratsversammlung mit 15 Vertretern der Gemeinden, in ein Direktorium mit vier Vertretern der Landesverbände und in ein Präsidium.

Seine Aufgabe beschreibt Heinz Galinski so:

"Der Zentralrat der Juden in Deutschland ist die einzige politische Vertretung der Juden in Deutschland. Der Zentralrat nimmt die Interessen aller jüdischen Gemeinden wahr und ist auch bemüht, hier jüdisches Leben in den Gemeinden zu etablieren. Das bezieht sich auf das Kulturelle, Religiöse und besonders auch das Erzieherische im Hinblick auf die jüngere Generation."